Für die Vorstände ist ein Bonus von insgesamt 74 Millionen Euro drin.
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BerlinWomöglich dürfen sich Axel Springers Vorstandschef Mathias Döpfner sowie seine Vorstände Julian Deutz, Jan Bayer und Andreas Wiele schon sehr bald über einen Bonus freuen, der sich für alle zusammen voraussichtlich im hohen siebenstelligen Euro-Bereich bewegt.

Möglich macht dies ein langfristig aktienkursbasiertes Vergütungsprogramm namens LTIP, von dem die Vorstände profitieren, die bereits 2016 amtierten. Vorstandsmitglied Stephanie Caspar, die erst 2018 in das Gremium aufrückte, geht leer aus.

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Bonus von 74 Millionen Euro

Das LTIP sieht vor, dass den vier Vorständen ein Bonus zusteht, sobald es ihnen gelingt, innerhalb von drei bis fünf Jahren den Aktienkurs von Axel Springer um 40 Prozent zu steigern. Schaffen die Manager das, dürfen sie 3,63 Prozent des Wertzuwachses für sich behalten. Das entspricht bei einer Steigerung des Aktienkurses um exakt 40 Prozent einem Bonus von insgesamt gut 74 Millionen Euro.

Referenzwert ist der durchschnittliche Kurs des Wertpapiers in den 90 Tagen vor dem 1. Mai 2016. Damals notierte die Aktie bei etwas mehr als 47 Euro. Die Ausschüttung wird folglich fällig, wenn der Aktienkurs sich zwischen dem 1. Februar und dem 30. April bei gut 66 Euro einpegelt. 2019 verfehlten die Vorstände bei einem Kurs von etwa 50 Euro dieses Ziel deutlich.

Aktienkurs ging gewaltig nach oben

Doch dieses Jahr ist alles anders: Seitdem der US-Finanzinvestor KKR, Springer-Aktionären pro Wertpapier 63 Euro bietet, ging der Aktienkurs gewaltig nach oben. KKR ist es gelungen, 45 Prozent der Springer-Anteile zu erwerben und neuer Hauptgesellschafter des Medienhauses zu werden.

Die Amerikaner wollen bis zum 20. März die restlichen 3,5 Prozent der Aktien einsammeln, die sich noch in Streubesitz befinden. Dann endet die Angebotsfrist. Am 4. Mai wird Springer von der Börse genommen.

Seit Wochen um die Marke von 63 Euro

Was aber geschieht zwischen dem 20. März und dem 30. April mit dem Springer-Kurs? Er bewegt sich schon seit Wochen um die Marke von 63 Euro. Bei Redaktionsschluss lag er bei 62,95 Euro. Dass er nach Auslaufen der Angebotsfrist in Höhen jenseits von 66 Euro klettert, ist unwahrscheinlich. Aber das muss er auch gar nicht, damit der Bonus fällig wird.

In den Unterlagen zum bevorstehenden Börsen-Abschied von Springer heißt es auf Seite 72: „Liegt der Börsenkurs der Axel Springer Aktie im maßgeblichen Zeitraum“ – sprich: in der Zeit vom 1. Februar bis 30. April 2020 – „in der Nähe des Angebotspreises“ – also um die 63 Euro –, „werden Zahlungsansprüche unter dem LTIP ausgelöst“.

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LTIP kann angepasst werden

Ein Springer-Sprecher bestreitet, dass dieser Passus „eine Änderung der Voraussetzung für die Zielerreichung“ des Bonus’ darstellt. Womöglich gab es von Anfang an eine Regelung über einen Kurs-Korridor, die auch bei einem Kurs von 63 Euro einen Wertzuwachs von 40 Prozent als gegeben erachtet.

Sollte übrigens wider Erwarten der Aktienkurs nach dem 20. März einbrechen, wäre der Bonus dennoch nicht für alle Zeiten verloren. Das LTIP, das einschließlich Haltefristen noch bis 2023 läuft, würde dann für Springers Post-Börsen-Ära „angepasst werden“, sagt der Sprecher. Die Vorstände wird es freuen.