Björn Bollensdorf balanciert die fußballgroße, mit grünem Schaumstoff gepolsterte Kugelkamera in einer Hand. Wirft man sie empor, soll sie aus der Luft ein 360-Grad-Panorama aufnehmen. Doch Bollendorf will mehr: Sein Ziel ist es, dass die Wurfkamera bald in eine tennisballgroße Kugel passt. Kleiner und handlicher soll sie werden.

Bollensdorf gehört zu einem der Start-ups, die ein Büro in der Gründungswerkstatt an der Technischen Universität (TU) Berlin belegen. Bis auf eines haben alle sechs Teams im Haus ein Exist-Gründerstipendium erhalten. Das staatliche Förderprogramm sichert Teams mit bis zu drei Personen über ein Jahr den Lebensunterhalt. So erhalten Hochschulabsolventen jeden Monat 2000 Euro, im Schnitt fließen insgesamt 87.000 Euro. Das Wurfkamera-Team gewann zudem den mit 30.000 Euro dotierten Gründerpreis des Bundeswirtschaftsministeriums.

Den Geist befeuern

Die Finanzspritzen können die Gründer gut gebrauchen, denn sie haben einen hohen Investitionsbedarf: „Eine Fertigung der Kamera in Großserie kostet ein bis zwei Millionen Euro“, schätzt Agnes von Matuschka, Leiterin des Gründungsservice und des Zentrums für Entrepreneurship an der TU. Deshalb unterstützt der Gründungsservice Studierende, Absolventen oder wissenschaftliche Mitarbeiter nicht nur mit Räumen und Beratung, sondern hilft auch dabei, Kontakte zu Investoren zu knüpfen.

Das können auch ehemalige Studenten sein: In einem Fall griff ein Absolvent, der erfolgreich gegründet hatte, einem Nachwuchs-Team nicht nur mit Fachwissen, sondern auch mit Investments unter die Arme. „In der Zwischenphase ist es oft nötig, solche Business-Angels zu finden“, sagt von Matuschka. Viele Teams bräuchten Unterstützung bei Vertrieb, Marketing oder dem letzten Entwicklungsschritt. Das sei gerade bei den technologiegetriebenen Neugründungen der TU wichtig, um zunächst ein bis zwei Großkunden zu finden. Erst dann würden die Entrepreneure für Venture Capital-Firmen interessant, die weiteres Wachstum finanzieren.

Die TU tut einiges dafür, um den Gründergeist auf dem Campus zu befeuern. „Unser Auftrag ist es, der Gesellschaft Wissen zugänglich zu machen“, sagt von Matuschka. „Gründungen sind dazu der effektivste Weg.“ Seit dem Start des Gründungsservices im Jahr 2007 sei das Interesse stark gestiegen, 25 bis 30 Start-ups gehen jedes Jahr aus der TU hervor. So auch das 2009 gegründete Unternehmen Imcube, das mit dem von ihm entwickelten Verfahren die jüngste Weihnachtsansprache der britischen Queen in 3D konvertierte. Das Team wird im Mai eigene Büroräume außerhalb der TU beziehen, ist in finalen Gesprächen mit einem Investor und testet derzeit die Konvertierung von Hollywood-Filmen.

Angesichts des Engagements der Berliner Hochschulen verwundert es kaum, dass Berlin nach Bayern seit 2007 das Bundesland ist, in dem die meisten Anträge auf Exist-Stipendien bewilligt wurden. Die Expertenkommission der Bundesregierung für Forschung und Innovation attestiert dem Standort Berlin eine zunehmende Attraktivität für Gründer. Das lässt sich auch an den Investments ablesen: Rund 117 Millionen Euro investierten Kapitalgeber in junge Berliner Unternehmen in der Frühphase – mehr als doppelt so viel wie 2009 .

„Der Samen ist gesät“

Die TU lag 2012 zusammen mit der Humboldt-Universität (HU) mit jeweils sieben bewilligten Förderungen im bundesweiten Vergleich auf Platz eins. Auch die HU hat das Thema Start-up-Förderung oben auf der Liste: Die 2005 gegründete Wissens- und Technologietransfergesellschaft „Humboldt Innovation“ fungiert als Anlaufstelle und Service-Center für Gründer der Hochschule. Auch hier können Start-Up-Firmen in Gründerhäusern, sogenannten Spin-Off-Zones, auf dem Campus an ihren Geschäftsideen arbeiten. Die Freie Universität (FU) mit ihrer 2006 eingerichteten Gründungsförderung „Profund“ betreibt ebenfalls fünf Gründerhäuser und startet noch im März ein Start-up-Programm für Studenten, um ihnen mit Workshops bei der Umsetzung von Geschäftsideen zu helfen.

„Der Samen für eine Gründungskultur in Berlin ist gesät“, sagt von Matuschka. Die Aktivitäten aus der freien Wirtschaft, die Gründungswillige mit eigenen Förderprogrammen, sogenannten Bootcamps oder Schulungseinrichtungen unterstützt, sieht Matuschka nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. „Wir profitieren davon, dass die Berliner Gründerszene wächst und wir andere Förderprogramme mitnutzen können.“