Berlin - Auf den gängigen Lieferdienst-Plattformen finden sich in etwa tausend Restaurants, die in Berlin für Berliner Essen ausliefern. Viele dieser Restaurants sind gleich auf mehreren Plattformen gelistet, denn für sie bedeutet es ein zusätzliches Geschäft: Wenn im Gastraum alle Tische besetzt sind, kann der Umsatz durch ausgeliefertes Essen trotzdem noch erhöht werden.

Das Berliner Start-up Keatz hat sich das Konzept noch stärker zunutze gemacht. Es betreibt sogenannte „Ghost-Restaurants“. Mit acht verschiedenen Restaurantmarken ist Keatz auf den Lieferdienst-Webseiten präsent. Kunden können bei „Ono ono poké“ hawaiianische Pokébowls bestellen, bei „Gringo Burritos“ mexikanisch essen oder thailändische Speisen bei „Moody Monkey“ auswählen. Hinter den Namen verstecken sich allerdings keine echten Restaurants, in denen Kunden auch vor Ort in entsprechendem Ambiente bedient werden, sondern das Konzept ist allein darauf ausgerichtet, über Plattformen wie Deliveroo und Lieferando Gerichte auszuliefern.

„Wir sind der Meinung, dass der Großteil des auf Lieferplattformen angebotenen Essens qualitativ schlecht ist“, sagt Paul Gebhardt, Gründer von Keatz. „Das meiste Essen wird nicht besser, nachdem es zwanzig Minuten auf dem Fahrrad durch die Stadt gefahren ist.“ Deshalb habe man Keatz gegründet, um Konsumenten Essen liefern zu lassen, das für die Auslieferung konzipiert ist. Dabei komme es auf die richtige Verpackung an, auch auf Nachhaltigkeit werde dabei Wert gelegt. „Wir testen zum Beispiel vor dem Launch einer jeden neuen Marke, wie unser Essen nach der Lieferung aussieht und schmeckt“, sagt Gebhardt.

Die Restaurants, die es gar nicht gibt, zahlen Provisionen an Lieferplattformen wie Lieferando oder Deliveroo

Jede Küche beliefert lediglich einen Radius von zwei Kilometern, damit das Essen frisch und heiß bleibt. Keatz betreibt deshalb gleich mehrere Großküchen in einer Stadt, in jeder Küche wird aber das Essen für alle acht Restaurant-Marken zubereitet. Zehn Küchen sind es insgesamt, in Berlin allein in Friedrichshain, Mitte und Kreuzberg. Mitte des Jahres sollen Prenzlauer Berg und Charlottenburg hinzukommen. In München, Amsterdam, Barcelona und Madrid sind die Marken von Keatz ebenfalls schon gelistet.

Den letzten Schritt, die Auslieferung des Essens an die Kunden, überlässt Keatz allerdings anderen. Nur so könne man sich voll und ganz auf die Zubereitung konzentrieren. Dafür zahlt das Unternehmen Provisionen an die Lieferplattformen. Wie hoch diese sind, will das Unternehmen nicht verraten. In früheren Interviews sprach Gebhardt allerdings davon, dass sie selbst im Idealfall zwischen fünf und zwanzig Prozent an einer Bestellung verdienen würden. Ein kleiner Anteil, der sich nur deshalb rechnet, weil viele andere Kosten wegfallen: Wie eben der Betrieb eines echten Restaurants.

Über frisches Kapital müssen sich die Gründer derzeit zumindest keine Sorgen machen. Erst vor einer Woche gab Keatz bekannt, zwölf Millionen Euro von Investoren eingesammelt zu haben. Das Geld wollen sie in den weiteren Expansionskurs stecken.