Wenn sich jemand absichtlich etwas leistet, für das er lange warten muss, bis er es in den Händen halten kann und dafür auch noch mehr Geld ausgibt als gewöhnlich, muss es sich um etwas Besonderes handeln. Genau das ist das Konzept von Urban Change Lab. Das Berliner Unternehmen vermittelt Handwerkskunstarbeiten an Handwerker in Afrika, die Produkte maßgeschneidert für Kunden vorwiegend aus Deutschland fertigen. Das kann schon mal länger dauern, dafür sind es alles Einzelstücke. Individualität, Entschleunigung und Nachhaltigkeit als neuer Luxus sozusagen.

Egal ob eine Holzskulptur, ein Schlüsselboard aus Mahagoni oder eine handgenähte Tagesdecke - Kunden formulieren auf der Website von Urban Change Lab eine Idee von einem Produkt, das sie fertigen lassen wollen. Urban Change Lab vermittelt den Auftrag dann an einen von hundert Handwerkern aus Kenia, Ruanda und Ghana, die auf der Plattform registriert sind.

Im weiteren Prozess tauschen sich Kunde und Handwerker direkt aus, jeder Arbeitsschritt wird abgesprochen und der Kunde kann am Entstehungsprozess mitwirken. Sich Änderungen wünschen oder die eigenen Vorstellungen konkretisieren. "So entsteht in einem kommunikativen Ping-Pong aus der Idee des Kunden und der Expertise des Handwerkers ein Einzelstück", sagt Gründer Jochen Baumeister. Dank der Digitalisierung seien auch Tausende Kilometer Entfernung kein Hindernis. Der Gründer selbst lebt und arbeitet in Berlin, seine vier Mitarbeiter arbeiten aber zum Teil auch vor Ort in Kenia, Ruanda und Ghana.

Nicht als Entwicklungshilfe gedacht

Die Handwerker profitieren, weil sie mehr Umsatz machen können. Um Entwicklungshilfe handele es sich dabei aber nicht, betont Baumeister. "Unsere Handwerker sind in der Regel nicht auf Hilfe angewiesen. Sie sind allesamt Experten in ihrem Bereich, die in Afrika bereits ihr eigenes Business haben", sagt Baumeister. Der Kunde soll also nicht bestellen, weil er helfen möchte, sondern weil er ein hochwertiges, maßgefertigtes Produkt haben will, das in einem fairen Austausch entsteht.

Urban Change Lab hat sich deshalb auch bewusst dafür entschieden ein Unternehmen zu gründen und das ganze nicht unter dem Siegel eines Entwicklungshilfeprojekts laufen zu lassen. "Wir können mit den Handwerkern so in einen ganz anderen Dialog treten und auf Augenhöhe kommunizieren, das macht einen Unterschied", sagt er.

Rund 100 Projekte bereits realisiert

Was die Handwerker an der Arbeit verdienen ist auf der Website transparent dargestellt und auch aus welchen Komponenten sich der Preis der Einzelstücke sonst zusammensetzt - Materialkosten, Versand, die Marge für Urban Change Lab. Die Zahlung wird über Paypal abgewickelt. Gibt es Probleme, schaltet sich das Team von Urban Change Lab ein. Entspricht das Produkt am Ende nicht den Vorstellungen des Kunden, wird entweder nachgebessert oder der Kunde bekommt sein Geld zurück. "Das ist aber in den seltensten Fällen vorgekommen", sagt Baumeister. Rund hundert Projekte sind über Urban Change Lab bereits realisiert worden.