Seit den 1920er Jahren prägte die Silhouette der großen Siemenswerke und des Siemens Verwaltungsgebäudes das Berliner Stadtbild.
Foto: Jürgen Heinrich/ imago images 

Berlin Jonas Baum und die Leute von „Matchbase“ waren gleich am Anfang dabei. Vor gut einem Jahr begann die Kooperation zwischen Siemens und ambitionierten Start-ups in einer der historischen Industriehallen; A32 wurde das Projekt genannt, weil die Lagerhalle des Dynamowerks schon A32 hieß. 

Das Ziel: Aufstrebende Jungunternehmer sollten den Mitarbeitern des Weltkonzerns zeigen, wie Ideen schnell entwickelt und umgesetzt werden können. Und die Manager des Unternehmens sollten ihr Fachwissen aus jahrhundertelanger Firmentradition weitergeben. Baums Fazit: „Mehrwert zu stiften, das klappt bisher gut.“ Baum ist Mitbegründer und Geschäftsführer der App „Matchbase“.

Das Ziel ist es, Fußballteams zusammenzubringen, damit sie, ohne sich an einen Verband zu binden, ganz ungezwungen gegeneinander spielen können. Die erste Finanzierungsrunde ist erfolgreich abgeschlossen, demnächst soll auch einzelnen Spielern geholfen werden, einfach und unkompliziert Fußball im Team zu spielen. Das Geschäftsmodell hat nicht unbedingt etwas mit Industrie 4.0 zu tun, aber Baum kann gut erklären, wie Lean-Management funktioniert, also mit wenigen Mitteln eine Idee zu realisieren.

Lean-Management als Basis in der neuen Arbeitswelt

Und darum geht es inzwischen sehr oft in der hektischen Arbeitswelt. Als Vorzeigeprojekt wird immer wieder Suncrafter genannt. Am Anfang war der Ärger darüber, dass defekte Solarkollektoren nicht mehr repariert, sondern einfach entsorgt wurden. „Verschwendung“, dachte sich die Geschäftsführerin Lisa Wendzich und überlegte mit ihrem Team, was zu tun sei. Inzwischen verwenden sie die Kollektoren, um Solar-Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge oder Handys zu bauen.

Bei Festivals wie Lollapalooza konnten sie mit ihren Ladegeräten Smartphone-Nutzern mit niedrigem Akku-Status in höchster Not helfen. Zwischen 20 und 30 Start-ups sind zeitgleich an dem Standort in der Siemensstadt aktiv. Die Hochschule für Wirtschaft und Recht hat die Räume von Siemens gemietet. An der Hochschule entwickelte Ideen sollen mit Unterstützung der Wissenschaft und der Industrie gefördert und zur Marktreife gebracht werden, das ist das Ziel.

„Es wird viel getan, ist aber noch ausbaufähig“, sagt Baum. Von Mindset ist immer wieder die Rede, also  dem Versuch, Ideen auszutauschen und über Erfahrungen in Workshops und Vorträgen zu berichten. In Zukunft sollen Industrie und Wissenschaften auch im Werner-von-Siemens-Center vernetzt werden. Dort wollen die TU Berlin, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung und Siemens zusammenarbeiten.

Attraktivität der Region steigt

Siemens versucht an dem Standort aber auch, seine eigenen Mitarbeiter weiterzubringen. So wurde im Herbst ein Reparaturzentrum in Spandau eröffnet. Dort kämen Technologien wie robotergeführte Systeme und industrieller 3D-Druck zum Einsatz, teilte das Unternehmen mit. 400 Mitarbeiter aus mehr als zehn Nationen sind dort beschäftigt.

Auch das Beispiel der Internationalität zeigt, wie sich  Arbeit im 21. Jahrhundert verändert. Der Wettbewerb um die klugen Köpfe wird längst global geführt, so sind in der Dynamohalle Gespräche in deutscher und englischer Sprache zu hören. Die Ankündigung des Autobauers Tesla, ein Werk in Brandenburg zu eröffnen und die Expansion, die Google in der Hauptstadt betreibt, zeigen, wie attraktiv die Region geworden ist und wie gefragt qualifizierte Arbeitskräfte schon jetzt sind.

Und das nicht nur in den Mega-Bereichen Klimaschutz, Mobilität und Gesundheit. „Wir brauchen Ideen“, sagte Siemens-Vorstand Neike bei einem Ortstermin im Frühjahr des vergangenen Jahres. Und junge Menschen, die das Zeug haben, die Projekte umzusetzen.