Berlin - Das Schwermetall Uran ist der wichtigste Rohstoff für die Atomwirtschaft, dennoch stagniert der Uranpreis seit 2011 auf niedrigem Niveau. Nach dem Atomunglück von Fukushima im Jahr 2011 wurden deutlich weniger neue Atomkraftwerke geplant als in den Jahren zuvor. Nicht nur in Deutschland wurde darüber debattiert, ob die Atomenergie überhaupt eine Zukunft hat. Die Produktionssteigerungen in Kanada und Australien und billiges Uran aus Kasachstan drückten zusätzlich die Preise. Das fehlende Nachfragewachstum in Verbindung mit einem Überangebot führte zu einem lange andauernden Preisverfall. 

Im Jahr 2020 stieg jedoch der Preis für ein Pfund Uran erstmals wieder seit 2016 über die Marke von 30 US-Dollar. Uran wird zum überwiegenden Teil nicht wie andere Handelswaren (sog. Commodities) frei an den Rohstoffbörsen gehandelt. Die Betreiber von Atomkraftwerken kaufen ihren Kernbrennstoff üblicherweise im Rahmen von langfristigen Lieferverträgen, sodass die Schwankungen im Markt erst mit deutlicher Verzögerung bei den Kraftwerksbetreibern ankommen.

Doch das Angebot wird immer knapper: Noch 2016 wurde über 62.379 Tonnen Uranerz gefördert, im Jahr 2019 waren es nur noch 54.752 Tonnen – lediglich 84 Prozent des weltweiten Bedarfs können so gedeckt werden. Die entstandene Lücke wird derzeit noch durch Wiederaufbereitung von nuklearem Brennstoff geschlossen. Der kanadische Branchenprimus Cameco (Börsenwert: 5,66 Milliarden US-Dollar) hat im letzten Jahr die Arbeiten in vielen seiner Lagerstätten im Zuge der Corona-Krise ganz eingestellt und ist dazu übergegangen, seine Lieferverträge über den Ankauf von Uran an den Rohstoffbörsen zu erfüllen.

„Ein Jahrzehnt sinkender Uranpreise hat zu deutlich rückläufigen Investitionen in die Exploration von Uran geführt, was sich auch auf die Entwicklung neuer Uranminen auswirkt und zu Versorgungsdefiziten führt, da die weltweite Produktion unter die Nachfrage fällt“, sagt Andre Liebenberg, Vorsitzender von Yellow Cake, einem Londoner Investmentfonds, der sich auf Investitionen in Uranminen spezialisiert hat.

China will bis 2060 klimaneutral werden

Viele Minenbetreiber warten darauf, dass der Uranpreis auf 50 US-Dollar pro Pfund steigt. Erst ab diesem Schwellenwert gilt die Förderung von Uran als dauerhaft rentabel. Aber nicht nur die Knappheit des Angebots könnte langfristig zu höheren Preisen führen, auch die zunehmende Nachfrage deutet auf eine Renaissance des Urans hin. Derzeit gibt es über 440 Atomkraftwerke in 33 Ländern – weitere 50 befinden sich derzeit im Bau, die meisten davon in China und Russland. Doch dies könnte erst der Anfang sein: China ist der derzeit größte Öl-, Gas- und Kohleimporteur der Welt. Trotzdem will China bis 2060 klimaneutral werden. Dies würde, bei steigendem Energiebedarf, einen grundlegenden Umbau der chinesischen Energiewirtschaft erfordern, ein Ziel, das, ohne einen kolossalen Ausbau der Atomenergie, nur sehr schwer zu erreichen sein wird.

Auch Europa hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt. So soll bis 2050 etwa 80 Prozent der Fahrzeugflotte elektrifiziert werden. Nach den konservativen Schätzungen der Europäischen Umweltagentur würde dies allein den Bedarf an Elektrizität innerhalb der EU um 9,5 Prozent erhöhen. Um die Klimaziele der EU zu erreichen, fordern die osteuropäischen Staaten Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei, unter der Schirmherrschaft Frankreichs, die Atomenergie in den künftigen Energiemix ausdrücklich miteinzubeziehen. 

USA plant strategische Uran-Reserve 

In den USA sieht die Lage ähnlich aus, denn Joe Biden hat bereits durchblicken lassen, dass die Atomkraft einen wichtigen Eckpfeiler seiner Klimastrategie bildet. Die Atomkraftwerke, die derzeit in den USA abgeschaltet werden, sollen durch kleinere, modulare Kraftwerke ersetzt werden. Dies hat zudem eine strategische Bedeutung, denn die USA wollen wieder ein entscheidender Exporteur von Atomkraftwerken werden, auch um an dem Boom der Atomkraft in den Schwellenländern teilzuhaben. Außerdem wurde, noch unter Präsident Trump, die Schaffung einer strategischen Uran-Reserve beschlossen, die jährlich Uran im Wert von 150 Millionen US-Dollar aufkaufen soll. Auch der Microsoft-Gründer Bill Gates, sieht in der Atomkraft eine Lösung für die Klima-Krise. Bereits im Jahr 2006 gründete er  das Atomkraftunternehmen Terrapower. Das Unternehmen entwickelt einen Reaktor, der abgereichertes Uran als Brennstoff verwenden soll. 

Um die weltweiten Uran-Lagerstätten insgesamt muss man sich indes keine Sorge machen: Sollte der Uran-Preis noch mal auf 130 US-Dollar klettern, reichen die bekannten Uran-Vorkommen bei derzeitigem Verbrauch noch bis ins Jahr 2076. Es ist also genug für alle da.