Herr Bukold, Benzin ist derzeit teuer wie nie. Werden die Preise angesichts der bevorstehenden Osterferien nochmals anziehen?Das kann man nicht ausschließen. Der Rohölpreis gibt im Moment zwar leicht nach, so dass auch Benzin und Diesel wieder billiger werden könnten. Aber die Preisgestaltung an den Tankstellen ist schwer vorherzusagen.

Heißt das, der Rohölpreis ist letztlich unerheblich?

Nein, ganz im Gegenteil. Der steigende Barrelpreis für Rohöl und der im Vergleich zum Vorjahr schwächere Euro sind wichtige Einflussgrößen. Allerdings haben wir in unserer Studie zeigen können, dass die großen Mineralölkonzerne zurzeit nicht nur durch steigende Rohölpreise mehr verdienen, sondern auch in anderen Segmenten: Die Einnahmen, die vom Eingangstor der Raffinerien bis zur Zapfsäule erzielt wurden, haben deutlich zugelegt, und zwar vom November bis zum März von 11,52 auf 16,25 Cent pro Liter Benzin. Anders gesagt: Wären diese Marge stabil geblieben, könnte das Benzin 4,7 Cent pro Liter billiger sein.

Die Branche behauptet, im Vergleich zu den Gewinnen der Förderländer seien die Profite der Konzerne gering.

Das ist richtig. Die Gewinne der erdölexportierenden Länder sind noch weitaus höher.

Können Sie das beziffern?

Weltweit werden auf dem Ölmarkt rund 3000 Milliarden US-Dollar pro Jahr eingenommen. Davon bleiben etwa 85 Prozent in den Förderländern. Die restlichen 15 Prozent verbucht die Privatwirtschaft, ganz überwiegend die großen integrierten Mineralölkonzerne mit eigenen Tankstellenketten wie etwa BP/Aral, Exxon/Esso oder Shell.

Das sind die Einnahmen, wie hoch sind die Profite?

Das hängt vom Einzelfall ab. In Saudi-Arabien zum Beispiel wird das Fass Öl für etwa 10 Dollar produziert und zu 120 Dollar pro Fass verkauft. BP hat im letzten Jahr mit der Förderung von Öl einen Vorsteuergewinn von 30,5 Milliarden Dollar erzielt, mit Raffinerien und Marketing weitere 5,5 Milliarden.

Und der Staat verdient durch Steuern kräftig mit.

Das sind nach meinem Verständnis keine Gewinne, sondern demokratisch legitimierte Entscheidungen darüber, wie das Geld verwendet soll, das in einer Gesellschaft erwirtschaftet wird. Zudem kann man die Energiesteuern nicht für die Preiserhöhungen der letzten Jahre verantwortlich machen, denn sie liegen seit fast zehn Jahren unverändert bei 65,45 Cent für den Liter Benzin und 47,04 Cent für Diesel. Nur die Umsatzsteuer steigt parallel zum Nettopreis an.

Nochmal zum Osterverkehr: Gäbe es aus ihrer Sicht eine plausible Erklärung für eine kurzfristige Verteuerung des Benzins?

Wenn aufgrund der Urlaubsfahrten die Nachfrage nach Benzin unerwartet stark steigt, dann kann es zu Preiserhöhungen bei den Raffinerien oder auch bei den Händlern kommen. Auch gibt es saisonale Einflüsse, etwa die Umstellung der Raffinerien von Winter- auf Sommerkraftstoffe, die gelegentlich kurzfristige Verknappungen auslösen.

Mehr freie Tankstellen und der Spritpreis sinkt?

Das ist gut möglich, denn der Wettbewerbsdruck steigt dadurch und Preisabsprachen werden schwieriger. Aber man sollte die Wirkung nicht überschätzen. Auch die freien Tankstellen müssen bei den Raffinerien einkaufen, die von den Mineralölkonzernen kontrolliert werden. Deshalb ist eine engagierte Marktaufsicht gerade in unruhigen Zeiten wie jetzt während der Irankrise notwendig. Allerdings: Mittel- und langfristig wird der Rohölpreis immer weiter steigen, weil die Vorkommen nun einmal begrenzt sind und die Nachfrage weltweit wächst und …

… Sprit dann noch teurer wird.

Das ist dann unvermeidlich, ja. Wenn die Verbraucherländer nicht rasch energiepolitisch gegensteuern, werden wir schon in absehbarer Zukunft zwei Euro pro Liter an der Tankstelle sehen.

Interview: Stefan Sauer.