Gerade einmal vier Jahre ist es her, da ließ Eon Energie sein Haus für Millionen renovieren und gönnte sich eine generalüberholte Zentrale. In bester Münchner Lage an der Brienner Straße wurden edelste Materialien verbaut, der riesige Lichthof wäre eines Weltkonzerns würdig. Eon Energie hielt große eigene Jahrespressekonferenzen ab. Die Botschaft lautete: Wir sind mehr als eine Tochter des größten deutschen Versorgers Eon aus Düsseldorf. Wir sind ein weitgehend eigenständiger Münchner Konzern.

Auch die Historie gab Grund für Selbstbewusstsein: 1921 entstand in München das Bayernwerk, das erst 1994 von der Viag übernommen wurde. Und die Viag wiederum wurde im Jahr 2000 mit der Düsseldorfer Veba, der Mutter des Traditionskonzerns Preussen Elektra, verschmolzen.

Tiefe Schnitte

Das Resultat: Eine Matrjoschka namens Eon, der größte Energiekonzern Deutschlands. Nun macht der Eon-Konzern einen drastischen Schnitt und entmachtet die Münchner vollständig. Das prächtige Gebäude in der Innenstadt wird wohl schon bald geräumt und verkauft werden. Mitte 2012 soll Eon Energie nach Gewerkschaftsinformationen dicht sein. Von den derzeit 2.500 Stellen sollen nur 1.000 bis 1.500 übrig bleiben. Keine wichtige Eon-Tochter wird dann von München geleitet. München ist allerdings nur der tiefste unter vielen weiteren Schnitten, die Eon-Chef Johannes Teyssen vornimmt. Im Rahmen eines drastischen Sparprogramm, über das der Konzern gestern erstmals in Details informierte, werden knapp 11.000 Stellen weltweit gestrichen, davon etwa 6.000 in Deutschland. Damit liegt Eon laut am „oberen Ende der bisher genannten Bandbreite“.

Herzstück der Eon-Reform ist eine Doppelverschiebung. Die Gastochter Eon Ruhrgas in Essen muss einen wichtigen Teil ihres Geschäfts nach Düsseldorf abgeben. Der Gashandel soll zukünftig in Düsseldarf von der Sparte Trading abgewickelt werden. Dennoch sollen in Essen weiter „annähernd“ soviele Mitarbeiter wie heute arbeiten. Denn dort soll die neue Gesellschaft Eon Deutschland angesiedelt werden, die zum Teil das Geschäft der Eon Energie fortführt. Auch die die Erneuerbare-Energien-Gesellschaft von Eon soll möglicherweise nach Essen umziehen.

Hannover dagegen erwischt es weniger hart als befürchtet. Die Kraftwerkssparte und die IT-Tochter bleiben vor Ort, allerdings werden 260 Stellen gestrichen. Im gesamten Konzern sollen darüber hinaus Aufgaben zentral gebündelt werden. Finanzen, Personal, Rechnungswesen und Recht zum Beispiel, die derzeit über viele Standorte verteilt sind, werden zusammengeführt. 30 bis 40 Prozent der Stellen, so Eon in einer Mitteilung, sollen dadurch wegfallen.

Die Gewerkschaft Verdi will Widerstand gegen die Pläne leisten. „Der Stellenabbau ist nicht gerechtfertigt, wir werden ihn bekämpfen“, sagte eine Sprecherin. Der Konzern mache weiterhin hohe Gewinne.

Tatsächlich hat Eon zwar im zweiten Quartal des Jahres einen hohen Verlust verbucht (siehe Grafik). Grund waren jedoch hauptsächlich einmalige Abschreibungen, zum Beispiel auf den Wert der beiden alten Atommeiler, die im März nach der Fukushima-Katastrophe in aller Eile vom Netz genommen wurden. Eon verlangt dafür Schadenersatz. Eine weitere Milliardenbelastung, die Brennelementesteuer, wird vermutlich von Gerichten wieder gekippt werden. Operativ schreibt Eon immer noch riesige Gewinne: In den ersten neun Monaten dieses Jahres führ Eon einen Betriebsgewinn von 6,5 Milliarden Euro ein – das sind allerdings knapp 40 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Zusätzlich hat Eon nun mit einer zum Teil demotivierten Belegschaft zu kämpfen. Auch darüber, dass der Personalabbau häppchenweise und ohne klare Ansagen bekanntgegeben wird, herrscht Unmut.

Bezeichnend ist auch, wie gestern die Auflösung der einst so stolzen Eon Energie kommuniziert wurde. In der Pressemitteilung – Überschrift: „Effizienzsteigerungsprogramm E.ON 2.0 macht schnelle Fortschritte“ – kam kein einziges Mal der Name der Traditionstochter Eon Energie vor. Die Schließung wurde nur indirekt über die Bündelung der Geschäfte in Essen bekanntgegeben. Ein unwürdiges Ende.