Berlin - Die Sommerferien stehen vor der Tür, eine Auslandsreise ist dank der entspannteren Pandemielage möglich. Wer Deutschland verlässt, sollte aber eine Reiseversicherung im Gepäck haben, die eine Behandlung im Fall einer Corona-Infektion einschließt. Gesetzlich Versicherte bekommen bei Reisen innerhalb der EU im Krankheitsfall die gleichen Leistungen wie die Einwohner des Reiselandes. Wird aber zum Beispiel ein unvorhergesehener Rücktransport notwendig, kann das ohne Extraschutz teuer werden. Worauf bei der Reiseversicherung zu achten ist, erklären Experten.

Der Vertrag

Die aktuellen Verträge für Reiseversicherungen berücksichtigen die Corona-Pandemie und bieten eine Behandlung vor Ort an. „Fast alle Anbieter leisten ohne Einschränkungen“, heißt es im Juni-Finanztest. Stiftung Warentest hat die Tarife für Einzelpersonen und Familien überprüft und zahlreiche Versicherungen mit „sehr gut“ bewertet. Es gibt jedoch Ausnahmen: Einige Versicherungen schließen den Schutz aus, wenn das Auswärtige Amt vor der Abreise vor Reisen zum Urlaubsziel warnt. Wenn eine Versicherung die Absicherung trotz offizieller Reisewarnung anbietet, rät Stiftung Warentest dazu, sich dies schriftlich bestätigen zu lassen.

Viele in Vorjahren abgeschlossene Reiseversicherungsverträge bieten keine Leistungen bei einer Covid-19-Erkrankung. Diese ist laut Weltgesundheitsorganisation eine Pandemie und Pandemien wurden in alten Verträgen meist ausgeklammert. Deshalb rät Marco Adelt, Geschäftsführer des digitalen Versicherungsmaklers Clark, einen Blick in die Leistungen der bestehenden Versicherungstarife zu werfen. Stiftung Warentest empfiehlt, alte Verträge zu kündigen und rechtzeitig vorm Urlaub einen neuen Vertrag abzuschließen. „Laufen alter und neuer Vertrag parallel, ist das nicht schlimm“, heißt es im Finanztest. Im Schadensfall müsse der neue Versicherer das aber wissen. In seinen Bedingungen sollte stehen, dass er Ansprüche an andere Versicherer selbst regelt.

Wichtige Klauseln

Grundsätzlich gilt: „Versichert ist die medizinisch notwendige Heilbehandlung nach westlichem Standard“, sagt die Sprecherin des Portals reiseversicherung.com, Cordula Walter-Bolhöfer.

Stiftung Warentest nennt eine Reihe von Klauseln, auf die Versicherungsnehmer achten sollten: Der Vertrag zahlt bei Pandemien, Behandlungs- und Transportkosten sind nicht begrenzt, der Rücktransport wird übernommen, wenn er medizinisch sinnvoll erscheint, nicht erst wenn er medizinisch notwendig ist. Das sind Klauseln, die bei einer Covid-19-Erkrankung wichtig sind. Klauseln, die ebenfalls empfohlen werden, sind: Der Versicherer schließt bestimmte Krankheiten nicht aus, er übernimmt neben schmerzstillender Behandlung auch provisorischen Zahnersatz und es gibt keine Selbstbeteiligung.

Chefarztbehandlung, Dolmetscher oder Einzelzimmer im Krankenhaus können übrigens in einer Reiseversicherung nicht mitgebucht werden. Laut Walter-Bolhöfer entspricht in Schwellenländern die Maßgabe „nach westlichem Standard“ der Behandlung eines Privatpatienten.

Quarantäne

Die Absage einer Reise, weil man sich zum Zeitpunkt des Antritts in Quarantäne befindet, wird von einer Reiseversicherung nicht abgedeckt. Versicherungsschutz im Falle einer Quarantäne sowohl vor Reisebeginn als auch am Zielort bieten dagegen einige Corona-Reiserücktritts- und -Reiseabbruchversicherungen. Der Zusatzschutz kann als Ergänzung zu einer bereits bestehenden Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen werden.

Kommt es im Reiseland zu einer Quarantäne, übernehmen aktuelle Versicherungen die Übernachtungskosten. Aber: Die Gültigkeit von Reiseversicherungen beträgt im Durchschnitt 42 bis 70 Tage. Kommt es gegen Ende der Laufzeit zu einer Quarantäne, kann diese Frist überschritten werden. Laut Stiftung Warentest verlängern einige Versicherungen den Vertrag aus Kulanz, andere gegen einen Aufpreis. Wer im Urlaub schwer erkrankt und nicht abreisen kann, erhält in den aktuellen Tarifen eine Vertragsverlängerung, bis er oder sie transportfähig ist, so die Tester.

Erkrankung im Reiseland

Wer in einem fremden Land medizinische Hilfe braucht, ist oft auf Unterstützung angewiesen, weil er oder sie die Landessprache nicht spricht. „Zu jeder Reisekrankenversicherung gehören auch sogenannte Assistance-Leistungen“, sagt Walter-Bolhöfer. Bei der Assistance sind mehrsprachige Mitarbeiter rund um die Uhr ansprechbar und vermitteln – in den gängigen Sprachen – zum Beispiel muttersprachlich geführte Arzt-Patienten-Gespräche.

Von der Botschaft oder einem Konsulat ist in begrenztem Umfang Hilfe zu erwarten. Aus dem Auswärtigen Amt heißt es dazu: „Die Bandbreite (der Unterstützung, Anm. d. Red) reicht von allgemeiner Beratung bis hin zu konkreter praktischer Hilfestellung auch in Krankheitsfällen, beispielsweise im Kontakt mit Stellen vor Ort oder als Ansprechpartner für die Angehörigen.“ Medizinische Entscheidungen fürs Individuum, etwa die Frage einer Beatmung, könnten aber nicht getroffen werden. Das Auswärtige Amt betont: „Reisende sollten – unabhängig von der COVID-19-Pandemie – vor Antritt der Reise in jedem Fall sorgfältig überlegen, welche Vorsorgemaßnahmen zu treffen sind, beispielsweise auch in Form einer Patientenverfügung.“

Schutz über Kreditkarte oder Pauschalbuchung

Corona-Schutzangebote von Reiseveranstaltern reichen nach Angaben von Finanztest als Versicherungsschutz für alle Eventualitäten im Ausland nicht aus. Sie seien häufig an bestimmte Buchungs- und Reisezeiten gebunden und griffen nicht bei anderen Erkrankungen. Ähnliches gelte für Auslandskrankenversicherungen über die Kreditkarte. „Im Vergleich zu den Produkten aus unserem Test bieten sie meist weniger und binden Leistungen an Auflagen“, so die Tester. Sie empfehlen außerdem, die Reiseversicherung nicht auf einem Reiseportal abzuschließen, sondern besser direkt bei einer Versicherung. Die Tarife auf Reiseportalen gebe es meist nur in Kombination mit anderen Versicherungen.

Verpflichtender Corona-Test

Die kostenlose Testmöglichkeit, wie sie in Deutschland besteht, gibt es im Urlaubsland meist nicht. Dort muss dieser häufig bezahlt werden. Ordnet der Arzt aufgrund von Symptomen einen Corona-Test an, übernehmen viele Reiseversicherungen diesen. Der Pflichttest für den Rückflug ist ebenfalls selbst zu bezahlen.