Was verbirgt sich hinter den 24 Türchen des Adventskalenders – ein Schaukelpferd, ein Tannenbaum, eine Spieluhr? Alle Jahre wieder eine spannende Frage für Millionen Kinder. Die Stiftung Warentest gibt eine ernüchternde Antwort: Mineralöl. Bei neun von 24 untersuchten Kalendern befanden sich in der Schokolade „aromatische Mineralölbestandteile“.

Wie gefährlich die Verunreinigungen für Menschen sind, ist wissenschaftlich noch nicht festgestellt. Aber bei Tierversuchen wurden sie nach Angaben der Stiftung „mit Entzündungserscheinungen der Leber in Verbindung gebracht“.

Die Süßwarenkette Arko reagierte prompt auf die Veröffentlichung. Sie nahm den inkriminierten Adventskalender aus dem Sortiment, Kunden die das Produkt zurückgeben, bekommen den Kaufpreis erstattet. Eine Sprecherin von Riegelein Confiserie erklärte, Analysen des „Simpsons“-Adventskalenders seien in Auftrag gegeben worden. Die Firma Heilemann überprüft ihren Produktionsprozess. Eine Anfrage der Frankfurter Rundschau beim renommierten Berliner Hersteller Rausch wurde bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie stellt die Messwerte der Stiftung Warentest gleich ganz in Frage. Sie seien „keine geeignete Grundlage für die Bewertung der Schokolade, denn derzeit gibt es kein analytisches Verfahren, welches die Analyse von Mineralöl-Bestandteilen verlässlich erlaubt“. Der Gesetzgeber habe bislang ausdrücklich auf einen Grenzwert in Lebensmitteln verzichtet, da die enthaltenen Spuren auch für Kinder gesundheitlich nicht bedeutsam seien.

Recycling ist das Problem

Dennoch ist das Problem sowohl der Süßwarenindustrie und der Politik seit längerem bekannt. Es heißt: Recycling. Adventskalender und andere Schokoverpackungen werden aus Recyclingpappe hergestellt. Sie besteht zum großen Teil aus bedrucktem Papier. Druckfarben enthalten Mineralöl. Je länger der Karton die Schokolade berührt, umso mehr reichert sie sich an.

„Bundesregierung und Hersteller sind in der Pflicht, sichere Lebensmittel zu garantieren“, sagt die Verbraucherschutzexpertin der Grünen im Bundestag, Nicole Maisch, der FR. Im zuständigen Bundestagsausschuss steht das Thema auf der Tagesordnung.

Schon 2010 hat das Bundesministerium für Verbraucherschutz Gespräche mit der Wirtschaft geführt. Innenbeutel oder -beschichtungen wären eine Lösung, würden die Verpackung aber verteuern. Geschehen ist auf freiwilliger Basis bisher nichts. Nun hat Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) offenbar die Geduld verloren. Nach Angaben einer Sprecherin hat sie eine Verordnung erarbeiten lassen, die Höchstmengen für Mineralölbestandteile in Recyclingpappe vorsieht. Zum Bedrucken von Lebensmittelverpackungen sollen mineralölhaltige Farben ganz verboten werden.

Der Entwurf befindet sich in der Abstimmung mit den anderen Ministerien, den Bundesländern und der Wirtschaft. Der Vorsitzende des Verbraucherschutzausschusses, Michael Goldmann (FDP), kündigte gegenüber der FR eine „Positivliste mit unbedenklichen Stoffen“ für die Herstellung von Lebensmittelverpackungen an.

Die betroffenen Marken sind: Rausch, Confiserie Heilemann, Arko, Riegelein „The Simpsons“, Feodora Vollmilch-Hochfein Chocolade, Smarties, Hachez Adventskalender „Schöne Weihnachtszeit“ sowie Friedel Adventskalender und Lindt „Adventskalender für Kinder“. Die im Test untersuchten Kalender könnten Verbraucher anhand der Motivfotos auf der Internetseite identifizieren. (mit dapd/jam)