Wer bei der Geldanlage auf Nummer sicher gehen will, hat es derzeit nicht leicht. Auf dem guten alten Sparbuch werden Einlagen derzeit im Schnitt gerade einmal mit 0,3 Prozent verzinst. Etwas mehr gibt es in der Regel für Tagesgeldkonten: Hier zahlen viele Banken immerhin rund ein Prozent Zinsen pro Jahr. Weil auch die Inflation aktuell bei rund einem Prozent liegt, erleiden Anleger auf Tagesgeldkonto real meist kaum einen Verlust – zumindest vor Steuern. Denn auf die Mini-Zinsen fallen 25 Prozent Abgeltungssteuer an, wenn man den Freibetrag überschreitet. Es gebe allerdings auch Banken, die für Tagesgeld gar keine Zinsen zahlten, berichte die Welt am Sonntag unter Berufung auf eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox.

Tagesgeldkonten sind allenfalls für den Notgroschen oder zum übergangsweisen Parken auch von größeren Summen zu empfehlen, wenn man unbedingt jederzeit flexibel darauf zurückgreifen können möchte. Wer sein Geld wenigstens für einen Monat festlegen kann, sollte sich deshalb nach den etwas höher verzinsten Festgeldern umschauen. Sonst nämlich verschenken die Anleger Geld. Doch obwohl das Tagesgeldkonto nur für eine kurze Anlagedauer geeignet ist, ist es sinnvoll, sich auf der Suche nach dem passenden Anbieter Mühe zu geben. Denn es kommt nicht auf den Zins allein an, sondern auch auf Service und Sicherheit. Die Stiftung Warentest hat diesbezüglich für die August-Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest 22 Online-Banken einem Praxistest unterzogen.

Auf Online-Banken haben sich die Tester deshalb beschränkt, weil diese meist nur wenige verschiedene Angebote machen und deshalb leichter vergleichbar sind. Zudem führen sie kein teures Filialnetz. Diese Kostenvorteile geben sie in der Regel an ihre Kunden weiter. Deshalb bieten sie im Schnitt etwas günstigere Konditionen beim Tagesgeld als Filialbanken. Die Tester haben sich dabei auf die 22 Institute beschränkt, die zum Zeitpunkt der Untersuchung die besten Zinsen anboten.

Testsieger ING-Diba

Die Tester haben die Kontoeröffnung, die Kontoführung, die Haftung und die Sicherheit getestet und bewertet. Klarer Testsieger der Stiftung Warentest ist die ING-Diba mit ihrem „Extra-Konto“. Als einzige der 22 Banken erhielt sie das Prüfsiegel „sehr gut“ – und das, obwohl die ING-Diba mit ihren Zinsen lediglich im Mittelfeld der untersuchten Banken lag: Für Stammkunden bot sie gerade einmal 0,8 Prozent, für Neukunden 1,25 Prozent. Eine solche Ungleichbehandlung ist leider die Regel. Denn mit besonders attraktiven Konditionen, die Neukunden für einen bestimmten Zeitraum in Aussicht gestellt werden, versuchen sich die Banken gegenseitig Kunden abzujagen.

Doch die Zinsen sind eben nur das eine, die Qualität des Services und die Sicherheit das andere. So wurde im Rahmen der Kontoführung unter anderem die Qualität des Online-Banking und die E-Mail-Bearbeitung beurteilt. Geprüft wurden auch der Kundenschutz vor Online-Betrügern und wie verbraucherfreundlich die Haftung im Betrugsfall geregelt ist. In allen Kategorien schnitt das ING-Diba Extra-Konto „gut“ oder „sehr gut“ ab und konnte sich so in der Gesamtbewertung mit der Note 1,2 von allen anderen getesteten Banken absetzen.

Hinter dem Testsieger ING-Diba schnitten zwölf Institute mit „gut“ ab. Es handelt sich um Rabodirect, Moneyou, Volkswagen Bank Direkt, 1822direkt, Net-m Privatbank 1891, Bank of Scotland, Akbank, GE Capital Direkt, PBB Direkt, AKF Bank, Cortal Consors und NIBC Direct. Fünf Institute erhielten das Urteil „befriedigend“. Vier Anbieter wurden lediglich mit „ausreichend“ bewertet. Es handelt sich um die Advanzia Bank, die Amsterdam Trade Bank, die Denizbank und die Garantibank.

Einige Banken haben schlechten Haftungsschutz

Insgesamt aber sei das Ergebnis erfreulich, schreibt Finanztest. So könnten Sparer bei den Online-Banken ein Tagesgeldkonto in wenigen Tagen eröffnen. Auch Überweisungen seien sicher. Der Schutz vor Onlinebetrügern sei im Allgemeinen gut und falls doch etwas passiere, müsse der Kunde in der Regel nicht haften. Deshalb sei die Scheu unbegründet, die viele Menschen noch vor Online-Banken hätten.

Negative Ausnahmen seien allerdings die vier mit „ausreichend“ bewerteten Banken: Alle vier Banken haben der Finanztest zufolge erhebliche Mängel in ihren Haftungsregeln. So müssten zum Beispiel Kunden der Advanzia Bank und der Amsterdam Trade Bank im Schadensfall nach einem Betrug ihr Recht nicht in Deutschland, sondern in Luxemburg beziehungsweise den Niederlanden einklagen. Denizbank und Garantibank bürden laut Finanztest den Kunden sogar das gesamte Risiko des Missbrauchs auf – und das, obwohl sie gesetzlich verpflichtet seien, einen Teil des Risikos zu übernehmen.

Probleme bei der Kontosperre

Beruhigend ist allerdings: Bei allen Banken im Test war das Geld der Sparer mindestens bis zu einer Summe von 100 000 Euro pro Anleger für den Fall geschützt, dass die Bank Pleite geht – wie das innerhalb der EU auch vorgeschrieben ist. Die meisten Banken sichern allerdings freiwillig noch deutlich höhere Beträge ab, wenn sie zum Beispiel Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken sind. Dieser Fonds schützt Anleger sogar für Beträge in Millionenhöhe. Doch nicht alle Banken bieten diesen Zusatzschutz. Bei denen, die das nicht tun, empfiehlt die Stiftung, nicht mehr als 100 000 Euro pro Person anzulegen.
Relativ unproblematisch war die Kontoeröffnung bei allen Banken. In der Regel dauerte es rund eine Woche ab der Antragstellung, bis das Tagesgeldkonto verfügbar war. Probleme gab es, wenn die Tester telefonisch eine Kontosperre verlangten, weil sie die Zugangsdaten verloren hatten. Meist argumentierten die Banken, dass eine Sperre nicht nötig sei, weil Überweisungen nur auf das vom Kunden angegebene Referenzkonto möglich seien. Andere nahmen den Sperrauftrag zwar entgegen, unternahmen aber nichts: Die Tester hatten weiter Zugriff mit ihren alten Zugangsdaten.