Berlin - Es war ein langer und vor allem sehr teurer Marketing-Krieg, den sich der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero und sein niederländischer Konkurrent Just Eat Takeaway auf dem deutschen Markt lieferten. Am Ende gab das inzwischen in der obersten deutschen Börsenliga Dax gelistete Berliner Unternehmen nach und verkaufte sein Deutschlandgeschäft samt der Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de für knapp eine Milliarde Euro an die Niederländer. Das war im Dezember 2018. Nun kehrt Delivery Hero in seine Heimat zurück. Mit der Marke Foodpanda wollen sie schon im Juni einen Schnell-Lieferservice für Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs an den Start bringen. Und prompt kündigt auch Lieferando, die Marke des Erzrivalen Takeaway, den Einstieg ins sogenannte Quick-Commerce an. Es geht also wieder los.

Dabei bleibt Lieferando mit seiner Ankündigung noch sehr vage. Einen genauen Starttermin nennt man dort auch auf Nachfrage nicht. Aber noch in diesem Jahr soll es losgehen. In insgesamt 80 deutschen Städten will das Unternehmen den Service anbieten, bei dem Lebensmittel und „ausgewählte Supermarktartikel“ per App bestellt werden können. Die eigenen Kuriere lieferten dann „innerhalb von 20 bis 30 Minuten“.

Shell-Tankstelle als Warenlager

Der bislang ausschließlich für Restaurants agierende Lieferdienst will dafür mit „großen Lebensmittelketten und örtlichen Convenience-Stores“ zusammenarbeiten. Zunächst kooperiert Lieferando mit Tankstellen-Stores von Shell sowie dem Edeka-Ableger Spar Express. „Zu gegebener Zeit werden weitere Partner bekannt gegeben“, heißt es auf Nachfrage.

Delivery Hero ist dagegen bereits deutlich erfahrener im Quick-Commerce. Das in der Tucholskystraße in Mitte ansässige Unternehmen bezeichnet sich selbst als „Pionier des schnellen Handels“, und tatsächlich wird der Lieferservice für fast alles von Aspirin bis Zahnpasta bereits in über 40 Ländern angeboten. Dafür arbeitet Delivery Hero weltweit mit mehr als 30.000 Händlern zusammen und betreibt in Großstädten mehr als 600 eigene Auslieferungslager.

Deutschland war dabei bislang ein weißer Fleck. Doch das ändert sich. Schon in vier Wochen wird die Konzernmarke Foodpanda in Berlin eine zweimonatige Testphase beginnen. Im August sollen weitere Städte in Deutschland folgen, und natürlich will das Dax-Unternehmen hierzulande nicht nur binnen sieben Minuten liefern, sondern Marktführer werden. In der Süddeutschen Zeitung sagt Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg: „Wir kommen sicher nicht nach Deutschland zurück, um hier langfristig nur die Nummer zwei oder drei zu sein.“

Leicht wird das mit der Nummer eins aber nicht. Denn Kontrahent Lieferando hat hierzulande inzwischen über zwölf Millionen Kunden in der Kartei, die allesamt bereits die Lieferando-App auf dem Handy haben, die nun mit dem neuen Service zur „Super-App“ ausgebaut werden soll. Allerdings sind beide Erzrivalen mit ihrem Service in Deutschland ziemlich spät dran.

Gorillas über eine Milliarde Dollar wert

Denn seit gut einem Jahr ist das Berliner Start-up Gorillas hierzulande im Geschäft und gilt als Marktführer. Der Lieferdienst, der hier nach dem Vorbild des US-Unternehmens Gopuff gegründet wurde und inzwischen mit einer Milliarde Dollar bewertet wird, betreibt in mehreren Großstädten ein Netzwerk kleiner Lager, von denen aus Boten mit E-Bikes dringend benötigte Dinge bis an die Haustür liefern. Gorillas verspricht die Übergabe binnen zehn Minuten nach Bestellung. Mittlerweile soll das Unternehmen etwa 800 Mitarbeiter beschäftigen. Investoren haben das Start-up bislang mit 280 Millionen Euro versorgt.

Seit Februar gibt es zudem das ebenfalls in Berlin ansässige Unternehmen Flink als Klon vom Klon. Für den Straßenkampf um die bestellende Kundschaft ist Flink inzwischen gut bestückt. 53 Millionen haben Investoren bislang in das Start-up gepumpt. Weitere Finanzierungsrunden dürften folgen, denn tatsächlich fließt im Geschäft mit der schnellen Lieferung gerade sehr viel Geld.

Das Berliner Unternehmen Jokr etwa wurde als jüngster Branchenzugang erst vor wenigen Wochen von Kapitalgebern mit angeblich 100 Millionen US-Dollar bedacht. Zu den Investoren zählt neben Holtzbrinck Venture Capital auch der Tech-Fonds des japanischen Telekommunikationsriesen Softbank, der unter anderem bereits an den Hauptstadt-Start-ups Auto1, Getyourguide sowie Tier Mobility beteiligt ist.

Natürlich ist auch das Geschäftsmodell von Jokr nicht mehr als eine Kopie der Vorlagen von Gorillas & Co., doch ist das Unternehmen offenbar in einer besonderen Mission unterwegs: „Jokr erfindet den Einzelhandel neu“, sagt jedenfalls Firmengründer Ralf Wenzel wenig bescheiden. Der 41-Jährige hatte übrigens vor Jahren auch die Firma Foodpanda gegründet, die später dann von Delivery Hero übernommen wurde und nun als Jokr-Konkurrent antritt.