Hamburg/Köln - Die Verbraucher in Deutschland suchen wohl schon sehr bald in vielen Supermärkten vergeblich nach Ketchup und Grillsoßen der Marken Kraft und Heinz. Der US-Konzern Kraft Heinz hat die Belieferung des Handelsriesen Edeka mit seinen Produkten eingestellt. Das bestätigte der Kaufmännische Direktor, Michael Lessmann, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte die „Lebensmittel Zeitung“ darüber berichtet. 

Auslöser für den Schritt sei ein Streit um die künftigen Lieferpreise gewesen. Kraft Heinz habe Preiserhöhungen durchsetzen wollen, Edeka dagegen auf Preissenkungen bestanden, sagte Lessmann. Alle Verständigungsversuche seien gescheitert. Inzwischen seien die Gespräche ergebnislos abgebrochen worden. Kraft Heinz habe die Belieferung von Edeka eingestellt. Der Konzern wolle eine Lösung mit Edeka finden. Doch sei der Gesprächsfaden derzeit abgerissen, sagte Lessmann. 

US-Konzern kämpft mit stagnierendem Umsatz

Der Nahrungsmittelkonzern hat allerdings noch ganz andere Probleme, wie am späten Donnerstagabend bekannt wurde. Kraft Heinz ist 2018 wegen einer 16 Milliarden US-Dollar hohen Abschreibung auf den Wert von Marken und Sparten tief in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand 2018 ein Minus von 10,3 Milliarden Dollar (rund 9,1 Milliarden Euro) nach einem Gewinn von knapp elf Milliarden Dollar im Vorjahr, wie das 2015 fusionierte Unternehmen mitteilte. Neben den Abschreibungen kämpfte Kraft Heinz mit einem stagnierendem Umsatz und steigenden Kosten, die auf das operative Ergebnis drückten.

Zudem wurde bekannt, dass die US-Börsenaufsicht SEC die Bilanzierungspraxis des Unternehmens untersucht und die Dividende gekürzt wird. Die Kraft-Heinz-Aktie rauschte nachbörslich um 20 Prozent nach unten. Sollte das Papier auch im regulären Handel so stark fallen, würde der Börsenwert des Unternehmens um knapp zwölf Milliarden Dollar schrumpfen. Die Aktie befindet sich ohnehin seit einiger Zeit im Sinkflug. Seit Anfang 2017, als das Papier fast 100 Dollar gekostet hatte, ging es beständig nach unten.

Investoren kontrollieren Kraft Heinz

Das Unternehmen entstand 2015 aus dem Zusammenschluss von Kraft Foods und der H. J. Heinz Company. Die Fusion orchestrierte US-Starinvestor Warren Buffett. Ihm hatte der Ketchup-Spezialist Heinz zuvor zusammen mit dem brasilianischen Finanzinvestor 3G gehört. Buffetts Beteiligungsgesellschaft ist mit rund 27 Prozent der größte Kraft-Aktionär - 22 Prozent der Anteile liegen bei 3G. Die beiden Investoren haben damit die Kontrolle über das Unternehmen.

Der Streit mit Edeka ist für Kraft Heinz also nur ein weiteres Problem. Die Unternehmensgruppe mit Sitz in Hamburg bestätigte auf Anfrage den Bericht der „Lebensmittel Zeitung“, wollte sich „aus Wettbewerbsgründen“ aber nicht näher dazu äußern. Wann der eigene Ketchup unter dem Label „Papa Joe's“ auf den Mark kommt, über den das Blatt berichtete, ließ eine Sprecherin offen. Unklar blieb ebenfalls, ob die brachliegende Zusammenarbeit auch für die Edeka-Tochter Netto gilt. Eine Sprecherin ging nicht auf diese Frage ein, ebenfalls mit Verweis auf den Wettbewerb.

In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den großen deutschen Handelsketten wie Edeka oder Rewe und bekannten Markenherstellern. Meist waren es dabei aber die Einzelhändler, die Produkte widerspenstiger Lieferanten aus ihren Regalen nahmen, um in den Preisverhandlungen den Druck zu erhöhen. So boykottierte Edeka im vergangenen Jahr zeitweise fast 200 Nestlé-Produkte. (dpa/jad)