Die Bonpflicht soll Betrug erschweren - tut das aber auch mit anderen Aktivitäten des täglichen Lebens. 
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BerlinLästig und unökologisch? Oder doch notwendig und auch gar nicht so kompliziert, wie ein Blick in die Nachbarstaaten beweist? Die Bonpflicht, die ab 1. Januar jeden Händler mit Registrierkasse – zum Beispiel also auch Bäcker, Kioskbetreiber oder Friseure – dazu verpflichtet, jeden Bezahlvorgang mit einem Bon zu quittieren, sorgt schon vor der Einführung für Streit.

Hintergrund ist, dass dem Staat durch nicht belegten Bargeldverkehr eine riesige Geldsumme vorenthalten wird. Nach Schätzungen vermeiden Händler bundesweit jährlich rund 10 Milliarden Euro an Mehrwertsteuer. Entsprechend sind es die Finanzverwaltungen, die die Einführung der Bonpflicht vorantreiben – und auch gegen Kritik verteidigen.  

Vor drei Wochen polterte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), sein Finanzkollege Olaf Scholz (SPD) solle die Bonpflicht streichen. Diese führe „zu einem erheblichen Mehraufwand an Bürokratie“. Zudem werde die Umwelt stark belastet, da die Bons auf schädlichem Thermopapier gedruckt und zu Milliarden „direkt im Müll“ landeten.

Wann kommen wir endlich im digitalen Zeitalter an

Bei seinem Vorpreschen war es dem Wirtschaftsminister offenbar auch ganz egal, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Bonpflicht verteidigt. „Wir können nicht sehenden Auges akzeptieren, dass dem Staat Milliarden-Beträge vorenthalten werden“, sagte Merkel im Bundestag, nur wenige Tage nachdem der Wirtschaftsminister so außergewöhnlich offen Partei für seine Klientel ergriffen hatte.

Und auch im Land Berlin gibt es einen Bon-Streit, beteiligt sind die gleichen Ressorts. So lässt sich Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) damit zitieren, die Pflicht beweise, „dass noch viel zu tun ist, damit Deutschland endlich im digitalen Zeitalter ankommt. Der Papierbon gehört sicher nicht dazu und ist kein Zukunftsmodell“. Die Antwort aus der Finanzverwaltung kommt prompt. „Wir rücken von der Bonpflicht nicht ab“, sagt Sprecherin Eva Henkel. „Priorität hat die Bekämpfung des Betrugs.“