Berlin - Sun Jensch ist Geschäftsführerin des Immobilienverbands Deutschland (IVD),  der 2004 als Zusammenschluss des Rings Deutscher Makler und des Verbands Deutscher Makler entstand.  Der IVD schätzt die Zahl der vollerwerbstätigen Immobilienmakler in Deutschland auf 12.000 bis 15.000. Hinzu kommen noch zahlreiche Gelegenheitsmakler sowie Personen, die zwar eine Maklertätigkeit beim Gewerbeamt angemeldet haben, diese aber nicht oder nur sehr unregelmäßig ausüben. 

Frau Jensch, Ihr Verband will gegen das Wohnraumvermittlungsgesetz in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde einreichen. Was haben Sie denn dagegen, dass künftig die Auftraggeber, also meist die Vermieter, die Maklerprovision bezahlen sollen?

Im Prinzip nichts. Allerdings sieht die konkrete Ausgestaltung des Gesetzes gar kein echtes Bestellerprinzip vor, sondern ein falsches. Am Ende wird fast immer der Vermieter die Provision zahlen, selbst wenn der Mieter den Makler beauftragt hat. Das liegt an Regelungen im Gesetz, die  unserer Ansicht nach nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Das hat auch ein Gutachten des renommierten Mainzer Staatsrechtlers  Friedhelm Hufen ergeben.

Was kritisieren Sie konkret?

Ich will das an einem Beispiel verdeutlichen: Ein Hamburger sucht in Berlin Prenzlauer Berg eine schöne Altbauwohnung mit besonders großem Bad und beauftragt einen Makler mit der Suche. Findet der Makler eine solche Wohnung, muss er sich laut Gesetz vom Eigentümer die Erlaubnis einholen, die Wohnung zu vermitteln und dafür vom Mieter eine Provision zu kassieren.

Es kommt zu einer Besichtigung, aber dem Wohnungssuchenden gefällt die Wohnung nicht. Das neue Gesetz bestimmt für solche Fälle, dass der Makler diese Wohnung keinem anderen Mietinteressenten mehr anbieten darf.  Die Wohnung  ist für den Makler sozusagen vom Markt verschwunden. Im Durchschnitt besichtigen Wohnungssuchende aber acht Wohnungen, bevor ein Mietvertrag zustande kommt.

Statistisch betrachtet darf der Makler sieben dieser acht Wohnungen keinem anderen Interessenten mehr anbieten. Einziger Ausweg: Der Vermieter, der den Makler zunächst gar nicht beauftragt hat,  zahlt die Provision.  Das bezeichnen wir als „falsches Bestellerprinzip“.

Für die Mieter hat die Regelung aber Vorteile, weil sie keine Provision mehr zahlen. Genau das hatte der Gesetzgeber doch im Sinn.

Die Mieter profitieren nur scheinbar. Viele Eigentümer werden natürlich versuchen, die Maklerprovision zu umgehen, indem sie selbst Anzeigen im Internet schalten und die Wohnung in Eigenregie vermieten. Für die Mieter sind damit aber Unsicherheiten und Nachteile verknüpft: Das beginnt bei unprofessionellen unvollständigen Exposés, geht über ungenaue Angaben zur Wohnfläche und endet bei eingeschränkten Besichtigungsterminen. Außerdem kennen sich Privatvermieter oft nicht mit den ortsüblichen Vergleichsmieten aus und setzen die Miete falsch an.

Es wird aber auch Vermieter geben, die einen Makler beauftragen und bezahlen, der das alles richtig macht.

Die wird es geben. Manche könnten allerdings versuchen, die Provision über höhere Mieten wieder herein zu holen. Letztlich hätte auch in diesem Fall der Mieter den Nachteil.   

Ihrem Berufsstand schadet das Gesetz wohl ebenso, oder?

Natürlich rechnen wir zunächst  mit einem Umsatzrückgang.  Nach einigen schlechten Erfahrungen mit Privatvermietungen werden viele Eigentümer aber dann doch wieder professionelle Makler in Anspruch nehmen. Daneben wird es viele Solo-  und Gelegenheits-Makler geben, die das Geschäft vom Wohnzimmer aus mit geringen Kosten betreiben und mit Dumping-Preisen versuchen, Vorteile aus dem falschen Besteller-Prinzip zu ziehen.

Denen fehlt aber oft die notwendige Fachkunde, auch in Rechtsfragen. Weder für Mieter noch für Vermieter sind das erfreuliche Aussichten. Das Wohnraumvermittlungsgesetz ist ein sehr unglückliches Gesetz.