Berlin - Das ist ein historischer Moment: In den ersten sonnenreichen Tagen des August hat Solarstrom erstmals den Atomstrom überholt. Das wird zwar nicht von Dauer sein. Wir erläutern aber, warum die Erneuerbaren ihren Siegeszug fortsetzen.

Wie sieht die aktuelle Stromerzeugung aus?

Nach den Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) haben die deutschen Atomkraftwerke in den ersten Tagen des August nur noch 0,94 Terawattstunden Strom produziert. Die Solaranlagen im Land kamen auf 1,13 Terawattstunden. Die relativ hohe Sonnenstromerzeugung kommt vom guten Wetter mit hoher Sonneneinstrahlung über viele Stunden. Die Hitze der vergangenen Tage ist der Gewinnung von Elektrizität übrigens nicht förderlich. Sie hemmt die Leistung der Solarzellen, für die sonnig und kalt die ideale Konstellation ist.

Warum wird nur so wenig Atomstrom erzeugt?

Das hat einerseits mit den Folgen des Atomausstiegs zu tun. Das große AKW Grafenrheinfeld in Nordbayern ist im Mai endgültig abgeschaltet worden. Außerdem laufen die jährlichen Revisionen in weiteren Anlagen. Das machte sich auch schon im Juli bemerkbar, als drei große Blöcke vorübergehend stillgelegt waren. Im Vormonat erzeugten die Kernkraftwerke 5,18 Terawattstunden, sie lagen damit exakt gleichauf mit der Solarenergie. Das war für die Sonnenstromer der zweitstärkste Monat in ihrer Geschichte. Nur im Juli 2013 haben sie noch mehr produziert. 

Wird das jetzt zum Dauerzustand?

Nein. Nach Abschluss der Revisionen werden die Meiler wieder ans Netz gehen. Bei der Solarenergie wird die Erzeugung naturgemäß zurückgehen, da die mögliche Sonnenscheindauer bis zur Wintersonnenwende kontinuierlich zurückgeht. Zugleich ist der Ausbau der Sonnenenergie ins Stocken geraten, da die Bundesnetzagentur die Einspeisevergütung entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen immer weiter absenkt. In den zwölf Monaten von Juni 2014 bis Mai 2015 wurden neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von nur noch 1581 Megawatt installiert. In den besten Zeiten des Solarbooms war es rund viermal so viel. Die knapp 1600 Megawatt liegen deutlich unter dem Ausbauziel der Bundesregierung, das sie auf 2400 bis 2600 Megawatt festgesetzt hat.

Wie sieht die längerfristige Entwicklung bei der Sonnenenergie aus?

Die ISE-Experten haben errechnet, dass die Solarstromer im ersten Halbjahr sogar vier Prozent weniger elektrische Energie als im Vorjahr erzeugt haben. Zum verlangsamten Ausbau kam schlicht das schlechte Wetter mit wenig Sonnentagen, vor allem in den Monaten April und Mai – das ist eigentlich die beste Zeit für die Solaranlagen.

Wie sieht es mit der Windkraft, der wichtigsten erneuerbaren Energiequelle aus?

Die Windkraft verzeichnet deutliche Zuwächse. Der Hauptgrund dafür der Zubau von großen Offshore-Anlagen in der Nord- und der Ostsee, die inzwischen große Strommengen in die Netze einspeisen. Im Januar, im März und im Juli wurde mehr Windstrom als Atomstrom erzeugt. Diese Tendenz wird sich fortsetzen. Denn sowohl auf See als auch an Land sind zahlreiche Windkraftprojekte in Bau. Die wichtigste Quelle für die Produktion von Elektrizität bleibt indes  mit deutlichem Abstand die Braunkohle vor der Steinkohle.