Strom- und Gaspreisbremse stehen fest: Die wichtigsten Fragen im Überblick

Die Ampelfraktionen haben sich auf eine Strom- und eine Gaspreisbremse geeinigt, der Bundestag soll sie am Donnerstag billigen. Was man darüber wissen sollte.

Die Flamme eines Gasherdes brennt in einer Küche (Symbolfoto).
Die Flamme eines Gasherdes brennt in einer Küche (Symbolfoto).Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die längst geplanten Strom- und Gaspreisbremsen kommen. Am Donnerstagmorgen debattiert der Bundestag über „Einführung von Preisbremsen für leitungsgebundenes Erdgas und Wärme und zur Änderung sonstiger Vorschriften“ – zu erwarten ist, dass das Gesetz unverzüglich beschlossen wird. Greifen werden die Preisbremsen allerdings später.

Ab wann kann ich von einer Preisbremse profitieren?

Die Gas-, Fernwärme- und Stromkunden werden laut dem Gesetzentwurf ab März nächsten Jahres bis einschließlich April 2024 mit der neuen Maßnahme entlastet, also wenn die kältesten Monate der Heizsaison schon vorbei sind. Doch die Entlastung soll rückwirkend auch für Januar und Februar gelten. Den Versorgungsunternehmen werde so ausreichend Zeit gegeben, um die Strompreisbremse zu implementieren, heißt es.

Deswegen müssen die Verbraucher für die Entlastung nichts unternehmen. Die Auszahlung der Entlastungsbeträge für Januar und Februar erfolge im März 2023, verspricht der Gesetzgeber. Der Staat übernimmt die Differenz bei den Preisen und zahlt sie an die Versorger aus, die den Preisdeckel an die Verbraucher weitergeben sollen.

Wie viel Geld kann ich mit der Strom- und der Gaspreisbremse sparen?

Es wird zwischen Privatverbrauchern, kleinen und mittleren Unternehmen und großen Industriekunden unterschieden. Bei der Gaspreisbremse sollen die ersten beiden Kategorien der Vorlage zufolge von ihren Lieferanten 80 Prozent des Erdgasverbrauchs zu zwölf Cent bzw. 80 Prozent ihres Wärmeverbrauchs zu 9,5 Cent je Kilowattstunde erhalten. Die restlichen 20 Prozent des Verbrauchs werden nicht gedeckelt.

Ein Haushalt mit zwei Personen mit einer Wohnfläche von 60 Quadratmetern und 9600 Kilowattstunden Jahresverbrauch müsste etwa bei einem aktuellen Marktpreis von 22 Cent pro Kilowattstunde 176 Euro monatlich für Heizung und Warmwasser zahlen. Mit einem Preisdeckel wird der monatliche Beitrag auf rund 112 Euro reduziert. Der Berliner Grundversorger Gasag verdoppelt zum Beispiel ab Januar den Gaspreis auf 19,69 oder 20,12 Cent pro Kilowattstunde je nach Verbrauch. Vor der Erhöhung lagen die Preise bei 10,07 oder 10,50 Cent je Kilowattstunde. Eine Deckelung des Gaspreises auf zwölf Cent wird also für die Gasag-Verbraucher im Januar etwas höhere Kosten bedeuten als noch im Dezember diesen Jahres, aber keine Verdoppelung des Gasabschlags.

Die Strompreisbremse sieht ihrerseits eine Vergünstigung des Strompreises auf 40 Cent pro Kilowattstunde für 80 Prozent des Stromverbrauchs vor. Zum Vergleich: Der Arbeitspreis bei Kunden von Berliner Stadtwerken liegt aktuell durchschnittlich bei 58,50 Cent.

Welcher Jahresverbrauch wird als Grundlage genommen?

Als Berechnungsgrundlage gilt der im September 2022 prognostizierte Jahresverbrauch, abgeleitet von der letzten Jahresabrechnung für das Jahr 2021. Wer früher also mehr Gas verbraucht hat, könnte auch mehr von der Preisbremse profitieren, vor allem, wenn er heute eher spart. Wer frisch umgezogen ist, muss jedoch damit rechnen, dass der Jahresverbrauch der früheren Mieter als Basis genommen wird.

Was gibt es für die Unternehmen?

Der Staat wird mehr Geld an die Energielieferanten zahlen müssen, um die großen Industrieunternehmen zu unterstützen. Die Industriekunden erhalten 70 Prozent ihres Erdgas- oder Fernwärmeverbrauchs zu nur sieben bzw. 7,5 Cent je Kilowattstunde gedeckelt. Die Strompreisbremse für mittlere und große Unternehmen sieht ihrerseits einen Preis von nur 13 Cent pro Kilowattstunde für 70 Prozent ihres Verbrauchs vor.

Es klingt zwar einfach, doch die Industrie befürchtet bereits zu viel Bürokratie. Die Preisbremsen haben so viele Randbedingungen, kritisiert Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, dass die Gefahr bestehe, dass die Unterstützung wegen komplexer Regeln schleppend anlaufe. Auch wenn die Lieferanten Geld vom Staat nicht rechtzeitig bekommen, sind Probleme bei der Weitergabe der neuen Preise nicht ausgeschlossen.

Was bekomme ich als Verbraucher von Öl, Holzpellets, Kohle oder Flüssiggas?

Lange waren die Sorgen der Nicht-Gas-Verbraucher keine Priorität für den Bund. Am Dienstag haben sich die Ampelfraktionen im Bundestag jedoch auf Entlastungen bei den alternativen Heizmitteln geeinigt. Da die Märkte von Öl, Holz oder etwa Propangas dezentralisiert sind, können die Verbraucher mit einmaligen Pauschalen von maximal 2000 Euro pro Haushalt rechnen. Der Bund stelle dafür 1,8 Milliarden Euro aus dem sogenannten Wirtschaftsstabilisierungsfonds zur Verfügung, heißt es. Diese Hilfen sollen die Haushalte selbst beantragen und belegen, dass sich ihre Heizkosten 2022 zumindest verdoppelt haben. Sie sollten entsprechend für den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 1. Dezember 2022 rückwirkend entlastet werden. Wann die Hilfen kommen, müssen Bund und Länder noch klären.

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