Berlin - Die Aufgabe ist gigantisch: Wie kommen wir den Zielen möglichst schnell näher, die in Paris auf der Klimakonferenz geschlossen wurden? Ein großer Schritt wäre relativ mühelos möglich. In Deutschland müsste nur der Einsatz  der Kohle- und Gaskraftwerke intelligenter gesteuert werden. Dies würde es ermöglichen, den CO2-Ausstoß des Stromsektors auf einen Schlag um ein Viertel  zu senken. Das geht aus einer Studie des renommierten Öko-Instituts hervor, die dieser Zeitung vorliegt.

Das Problem der Braunkohlekraftwerke

Jederzeit muss im Stromnetz genau so viel Strom eingespeist werden, wie gebraucht wird. Die elektrische Energie dafür kommt inzwischen zu mehr als einem Drittel von den Erneuerbaren – vor allem von modernen Windmühlen und Solaranlagen. Doch der Wind weht und die Sonne scheint nicht immer dann, wenn die Stromnachfrage besonders groß ist.  Die Differenzen sind krass. In Zeiten  sogenannter Dunkelflauten sinkt der Anteil der Regenerativen unter 15 Prozent. Sie können aber bei günstigen Konstellationen inzwischen zeitweise drei Viertel der Nachfrage abdecken. Die Erneuerbaren haben bei der Einspeisung ins Stromnetz immer Vorfahrt, das ist per Gesetz so regelt.

Gaskraftwerke arbeiten flexibel aber zu teuer

Um den Gesamtbedarf zu decken, werden konventionelle Kraftwerke hinzu geschaltet. Das geschieht nach einem Prinzip, das einer Versteigerung gleicht. Da die Versorger möglichst billig einkaufen wollen, kommen  die Braun- und Steinkohlekraftwerken relativ  schnell zum Zuge – vor allem ältere abgeschriebene Anlagen können günstig anbieten. Die Betreiber von Gaskraftwerken müssen hinten anstehen. Sie produzieren mit höheren Kosten, da der leicht flüchtige Brennstoff teurer ist als die Kohle. Zugleich wird beim Verbrennen von Erdgas aber erheblich weniger vom Klimakiller Kohlendioxid (CO2) in die Luft geblasen. Ein weiterer Vorteil: Gaskraftwerke sind sehr flexibel. Wenn es drauf ankommt, können sie innerhalb weniger Minuten zu- oder abgeschaltet werden.     

Insbesondere Braunkohlekraftwerke lassen sich  sie hingegen nur sehr schwer regeln. Das Hoch- und Herunterfahren der Meiler ist extrem aufwendig und dauert in der Regel jeweils mehrere Tage. Betreiber lassen ihre Anlagen deshalb rund um die Uhr laufen. Das führt zu einem konstanten Überangebot – Deutschland wird deshalb in diesem Jahr mutmaßlich so viel Strom wie niemals zuvor in die umliegenden Länder exportieren.