Berlin - Wo immer es möglich ist, sollen die Deutschen im Homeoffice arbeiten. Arbeitgeber sind in der Pandemie verpflichtet, ihren Beschäftigten das Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen. Rund jeder vierte Erwerbstätige nutzt dies auch – das sind über zehn Millionen Menschen. Für mobiles Arbeiten allerdings muss eine wichtige Voraussetzung erfüllt sein: schnelles Internet. Und daran hapert es in Deutschland noch immer. Nur rund 14 Prozent der Haushalte sind ans Glasfasernetz und damit an eine Geschwindigkeit von 1000 Mbit/s angebunden. In den Großstädten ist die Lage besser: Hier sind es bereits mehr als die Hälfte. Bis 2025 will die Bundesregierung das ganze Land mit der Technologie versorgen. Ob sie das schafft, ist fraglich. Der Ausbau stockt.

Immerhin 91 Prozent der deutschen Haushalte haben aktuell einen Breitbandzugang, der für Videokonferenzen ausreichend ist. 88 Prozent stehen Anschlüsse mit Geschwindigkeiten von 50 Mbit/s zur Verfügung – also eine Leitung, die zumindest nicht zusammenbricht, wenn mehrere Nutzer im Netz sind oder datenintensive Dienste wie Streaming und Videotelefonie abrufen.

Allerdings gibt es bei der Breitbandversorgung noch immer ein Stadt-Land-Gefälle: Während Großstädte nahezu flächendeckend mit 50 Mbit/s und mehr ausgestattet sind, können in ländlicheren Regionen nur 69 Prozent der Haushalte darauf zugreifen. Und: Reichere Viertel sind besser mit schnellem Internet versorgt als ärmere – selbst bei sonst gleicher Bevölkerungsstruktur. Das ist das Ergebnis einer Datenanalyse des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, die der Berliner Zeitung vorab vorliegt.

Einkommenseffekt überrascht die Forscher 

Liegt der Einkommensunterschied zwischen vergleichbaren Nachbarschaften bei 650 Euro pro Monat, steigt die Wahrscheinlichkeit der Verfügbarkeit einer schnellen Internetleitung von 50 Mbit/s um rund 10 Prozentpunkte. „Das ist überraschend, damit hätten wir nicht gerechnet“, sagte die Leiterin des Forschungsdatenzentrums am RWI und Studienautorin Sandra Schaffner.

Die Forscher haben das Land in Raster von 250 mal 250 Meter eingeteilt, um die Versorgung mit schnellem Internet zu überprüfen. Die Bevölkerung wurde jeweils auf einer Fläche von einem Quadratkilometer erfasst. Der Effekt des Einkommens ist unabhängig von anderen Variablen – etwa der Arbeitslosenquote, dem Ausländeranteil, der Bebauung mit Mehrfamilienhäusern oder dem Anteil von Familien. Beim Vergleich von Nachbarschaften, die in all diesen Eigenschaften ähnlich sind, ist es also das Einkommen, das heraussticht.

Die Daten geben allerdings keinen Aufschluss über die Gründe. So wäre es denkbar, dass Menschen mit höherem Einkommen die Wahl ihres Wohnorts von der Verfügbarkeit von schnellem Internet abhängig machen. Ebenso möglich wäre aber die Interpretation, wonach Provider dort schnelle Leitungen bereitstellen, wo sie wohlhabendere Menschen vermuten – und damit mehr Gewinn. „Wir kennen die genaue Korrelation nicht“, sagt RWI-Forscherin Schaffner.

In Großstädten ist Bevölkerungsdichte entscheidend 

Für Großstädte wie Berlin gilt der Einkommenseffekt nicht mehr so stark. Auch in der Hauptstadt gibt es Orte mit schlechter Internetanbindung – vor allem in der Nähe von Wäldern, Seen und großen Freiflächen. Da, wo viele Menschen wohnen, sind die Leitungen gut. Die Bevölkerungsdichte ist hier also ausschlaggebend.

Aus wirtschaftspolitischer Sicht ist somit klar: Es sind vor allem die ländlichen und strukturschwachen Regionen, für die schnelles Internet im Wettbewerb überlebensnotwenig ist, um nicht noch weiter abgehängt zu werden. Oder, wie Studienautorin Sandra Schaffner es ausdrückt: „Die Breitbandversorgung ist eine Art Grundrecht.“ Der Staat müsse Anreize schaffen, wenn die Bereitstellung über den Markt nicht funktioniert. Das könnten auch Subventionen sein.

Nur wenn ländliche Regionen ans schnelle Internet angeschlossen sind, können sie ihre Standortvorteile ausspielen: Gut ausgebildete Arbeitskräfte müssten dann nicht in die Metropolen ziehen, sie könnten auch in der Provinz arbeiten – und von niedrigen Mietpreisen profitieren. Gerade in der Corona-Pandemie mit ihrem Trend zum Homeoffice – und damit zur Ortsunabhängigkeit – sehen viele ländlichere Gegenden eine Chance, wieder attraktiver zu werden und den Wegzug in die Ballungsräume zu stoppen. Wenn man sie denn lässt.