Berlin - Das renommierte Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie hat am Montag eine Lanze für den beschleunigten Ausstieg Deutschlands aus der klimaschädlichen Kohleverstromung gebrochen. „Eine Kohleausstieg im Zeitraum 2035 bis 2040 ist energiewirtschaftlich machbar, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden“, heißt es in einer aktuellen Analyse. Sie entstand im Auftrag des Naturschutzbunds Deutschland (NABU). Es handelt sich um eine so genannte Meta-Studie, für die die Forscher Arbeiten anderer Wissenschaftler auswerteten.

Düstere Zukunft für Kohlestrom

Ein sukzessiver Ausstieg aus der Kohleverstromung könne einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass Deutschland seine eigenen Klimaziele erreichen und seine Zusagen im Rahmen des Pariser Welt-Klimaabkommens einhalten kann, betonen die Wuppertaler Wissenschaftler. Die Kohle liefere derzeit rund 40 Prozent des Stroms in Deutschland, stehe aber für 80 Prozent der Treibhausgas-Emissionen in diesem Sektor.

Auf längere Sicht dürfte sie aus wirtschaftlichen Gründen ohnehin aus dem Markt gedrängt werden, argumentieren die Experten. Ein beschleunigter Ausstieg könnte gegebenenfalls zu höheren Kosten führen, weil zusätzlich Gaskraftwerke gebaut werden müssen. Notwendig sei überdies, den Gesamtstromverbrauch durch höhere Effizienz zu senken.

Scheu vor Konflikt mit Gewerkschaften

Die scheidende schwarz-rote Bundesregierung konnte sich trotz ihrer internationalen Klima-Zusagen nicht dazu durchringen, den Kohleausstieg zu forcieren. Vor allem die SPD scheut den Konflikt mit den Gewerkschaften, der Industrie und den verbliebenen Kohlekumpeln in den deutschen Braunkohlerevieren.

In der kommenden Legislaturperiode soll sich im Auftrag der Regierung eine Experten-Kommission mit der Zukunft der Kohle in Deutschland befassen. In der Braunkohlebranche arbeiten noch knapp 20.000 Beschäftigte, mit sinkender Tendenz. Die beiden größten Reviere befinden sich im Rheinland westlich von Köln sowie in der Lausitz. (thk.)