Berlin - „Beim Fußballspiel findet unsere deutsche, des frischen Spiels im Freien entwöhnte Jugend am schnellsten ihre verlorene Spiellust wieder“ wusste schon Fußballpionier Karl Koch. Vereinfacht gesagt und frei nach Franz Beckenbauer heißt das: „Geht’s raus und spielt‘s Fußball.“

Bruttowertschöpfung im hohen Milliardenbereich

Das ist aber nicht nur gesund für Körper und Geist, sondern auch für die Wirtschaft – und zwar nicht nur auf den Fußball bezogen, sondern auf den Gesamtsport. Die Bruttowertschöpfung des Sports betrug 2010 in Deutschland 77,4 Milliarden Euro.

Das sind 3,5 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung der Bundesrepublik. Diese Zahl veröffentlichte das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag in seiner Studie „Wirtschaftsfaktor Fußball“ in Berlin. Welchen Anteil der Fußball an dieser Wertschöpfung hat, lässt sich nicht exakt bemessen, weil Importe, Exporte und weitere Aspekte das Ergebnis verfälschen.

Fußball überragt in Sponsoren- und Medienwelt

Im Gegensatz dazu lässt sich die Rolle des Fußballs im Vergleich zu anderen Sportarten klar in Zahlen festmachen. 53 Prozent der gesamten  Sponsoringausgaben werden im Bereich Fußball gezahlt. Bei den Medienrechten liegt der Anteil gar bei 85 Prozent. Die restlichen 15 Prozent entfallen auf insgesamt 70 weitere Sportarten.

Dabei spielt der Fußball bei den Gesamtausgaben der Haushalte in Deutschland keine klar übergeordnete Rolle. Mit 11,1 Milliarden Euro liegt er zwar auf Platz 1. Doch der Vorsprung ist knapp. Für Skifahren und Snowboarden geben die Bundesbürger 10,5 Milliarden Euro aus, für den Bereich Fitness/ Gesundheitssport 10,2 Milliarden Euro, für das Wandern 9,8 Milliarden Euro und für den Radsport 8,4 Milliarden Euro. Insgesamt liegen diese Ausgaben bei  93 Milliarden Euro pro Jahr.

Nur die Hälfte des Geldes beim Fußball wird für aktiven Sport ausgegeben

Der große Unterschied des Fußballs zu den anderen Sportarten: Nur 50 Prozent der 11,1 Milliarden Euro werden aktiv für den Sport ausgegeben. Die andere Hälfte ist lediglich Zuschauer. Das sieht bei den vier Verfolgern anders aus. Hier liegen die Ausgaben für den aktiven Sport bei 96 bis 99 Prozent.

Laut Studie gibt ein Fußballzuschauer über 16 Jahren pro Jahr 387 Euro aus – und zwar am meisten für die Verpflegung und die Unterkunft bei einem Fußballevent (60 Euro), also den Spielen der Nationalmannschaft oder Saisoneröffnungen. Es folgen die Kosten für das Pay-TV (55 Euro) und die Fanartikel (52 Euro).

Deutlich mehr geben allerdings die Aktiven aus: 536 Euro Fußballer über 16 Jahren aus, Fußballer unter 16 Jahren noch einmal 90 Euro mehr. Der größte Anteil liegt hier bei den Fahrtkosten zu Wettkämpfen und Training, er beträgt rund 400 Euro. Bei neun von zehn Kindern werden pro Jahr neue Fußballschuhe fällig, Kostenpunkt 75 Euro.

Breitensport überragt sogar die Profis

Aus rein wirtschaftlicher Sicht dominiert der Fußball im Breitensport gegenüber den Profis sogar – wenn man die Kosten für die Infrastruktur und das Gesamtsponsoring sieht. 3,6 Milliarden Euro kosten jedes Jahr die Sportplätze, nur 0,7 Milliarden die Fußballstadien. Selbst im Sponsoringbereich fließt mehr Geld in den Breitensport: 1,1 Milliarden Euro gegenüber 0,6 Milliarden Euro im Profisport. Die Masse der Vereine und Kleinsponsoren macht’s.

Nur die Aussichten sind düster: Wegen des demografischen Wandels wird die wirtschaftliche Bedeutung des Fußballs als Breitensport abnehmen. Die des Profi-Fußballs nimmt aber zu: Das ist den exorbitanten Kosten für Medienrechte und Werbung geschuldet.