Berlin - „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.“ Diese alte Volksweisheit zitiert Rainer Braun vom Forschungsinstitut Empirica, als er seine Studie zu Erbschaften in Deutschland in den nächsten zehn Jahren vorstellt. Und meint damit, dass Erbschaften die soziale Kluft vertiefen. Der Geldsegen verteilt sich nicht nur höchst ungleich. Er beglückt vor allem die, die ohnehin durch frühe Unterstützung und Förderung im Elternhaus gut ausgebildet sind und überdurchschnittlich verdienen. Das Akademiker-Paar mit gut bezahlten Jobs in München hat also wesentlich bessere Chancen auf eine attraktive Erbschaft als die Verkäuferin und ihr Mann in Mecklenburg oder im Ostharz.

Bis zum Jahr 2024 werden  laut der Studie Vermögenswerte von 3,1 Billionen Euro übertragen, so viel wie nie zuvor. Bei einem Gesamtvermögen aller privaten Haushalte von gut elf Billionen Euro wechselt also jeder dritte Euro den Besitzer. Ein Drittel reichen Eheleute aneinander weiter. Zwei Drittel gehen an die nächste Generation.

Erbe durch die Nachkriegszeit

Diese Zahlen verdeutlichen eindrucksvoll, welche gesellschaftliche Dimension die viel beschworene Erbschaftswelle hat. Zwar sind die Vermögen insgesamt laut Empirica in den vergangenen zehn Jahren kaum oder gar nicht gestiegen, weil Börsenkrisen und bis 2008 sinkende Immobilienpreise nachwirken. Dennoch nimmt das Volumen der Erbschaften deutlich zu. Denn jetzt kommt eine wohlhabende Generation ins hohe Alter. Es ist die Aufbau-Generation, die zumindest im Westen ihr ganzes Berufsleben vom Nachkriegsboom profitierte und enorme Werte anhäufen konnte.

Etwas entschärft wird die Konzentration auf einige, wenige durch die hohe Zahl der Erben. Der Wohlstand der Eltern geht an die Baby-Bommer. Also an die Jahrgänge, die sich durch besonders viel Geschwister auszeichnet. Entscheidend für die finanziellen Perspektiven der Kinder ist, ob ihre Eltern Immobilieneigentum erwerben konnten. Mieter haben in der Regel deutlich weniger auf dem Bankkonto zurückgelegt.

Im Schnitt vererben die Deutschen pro Todesfall 363 000 Euro. Rechnet man die zwei Prozent wertvollsten  Hinterlassenschaften heraus, sinkt der Mittelwert auf 242 000 Euro. Nur jeder Zweite erbet eine Immobilie und kann sich daher auf eine größere Summe freuen. Ohne Haus oder Wohnung bringt die Erbschaft  in jedem vierten Fall  gar nichts ein und nur selten summiert sie sich auf mehr als 150 000 Euro.

Ungleichheit zwischen Immobilien

Der Rückstand des Ostens bleibt historisch bedingt gewaltig, nimmt aber immerhin ab. Während in den alten Ländern mehr als die Hälfte aller Erbschaften eine Immobilie umfasst, trifft dies auf dem Gebiet der DDR nur auf einen von drei Nachlässen zu. Die Aufholjagd läuft aber. Vor 15 Jahren  galt dies noch für vier von fünf Erbschaften im Osten.

Dennoch kann dies kaum beruhigen. Denn die Preise für Immobilien gehen immer weiter auseinander. In den Großstädten schnellen sie nach oben. Auf dem Land werden viele Schwierigkeiten haben, überhaupt einen Abnehmer zu finden. „Erbschaften werden zunehmend ungleicher“, stellt Braun fest. Den durchschnittlichen Steuersatz schätzt er wegen der hohen Freibeträge auf gerade drei Prozent.

Auftraggeber der Untersuchung ist das von der Deutschen Bank finanzierte Deutsche Institut für Altersvorsorge.