Berlin - Was ist umweltverträglicher – Einweg- oder Mehrwegverpackungen? Der Streit wird seit Jahren erbittert geführt. Laut einer neuen Studie liegen Einweg-Verpackungen wie Dosen und PET-Flaschen in der Verbrauchergunst inzwischen vorn. Zudem hätten sie ökologisch gegenüber den Glasflaschen aufgeholt. Eine häufig geforderte weitere Abgabe auf Einweggetränkeverpackungen würde die Verbraucher belasten und sei in ihrem ökologischen Nutzen zweifelhaft. Das wiederum bestreitet die Deutsche Umwelthilfe (DUH).

In dem Streit stehen sich zwei Lager gegenüber: Auf der einen Seite stehen die Vertreter des Mehrweg-Systems. Glasmehrweg sei „ökologisch erste Wahl“, wirbt die DUH. Denn die Rohstoffe zur Glasherstellung gebe es im Überfluss. Durch hohe Recycling-Quoten würden immer mehr Flaschen aus Alt-Glas hergestellt, was den Energieverbrauch senke. Und schließlich könnten Glas-Flaschen 40 bis 50 Mal wieder gefüllt, bevor sie zu neuen Flaschen eingeschmolzen werden. 

„Die PET-Einwegflasche ist der große Gewinner“

Auf der anderen Seite steht das Einweg-Lager. Hierzu gehört auch der Bund Getränkeverpackungen der Zukunft (BGVZ), der von Firmen wie Aldi, Lekkerland, Lidl und dem Dosengetränkehersteller Red Bull gefördert wird. Ziel des BGVZ ist der Kampf gegen „zusätzliche diskriminierende Zwangsabgaben oder Steuern auf Einwegverpackungen“ – bislang wird auf Dosen und PET-Flaschen ein Pfand von 25 Cent fällig. Der Verband hat nun mit dem Institut DIW Econ eine Studie erstellt, die zeigt: „Die PET-Einwegflasche ist der große Gewinner unter den Getränkeverpackungen.“ Außer bei Bier dominiere sie den deutschen Getränkemarkt. Das konnte auch die Pfandpflicht nicht verhindern.

Der Grund dafür liege vor allem die geringeren Kosten von Einweg. Dieser Vorteil würde zum Teil aufgezehrt, wenn eine Lenkungsabgabe von 20 Cent eingeführt würde – wofür die DUH plädiert. Das würde die Verbraucher belasten, so DIW Econ. Gleichzeitig sei ungewiss, ob eine Abgabe überhaupt ökologisch sinnvoll sei. Schließlich habe sich die Ökobilanz der PET-Einwegflasche im Vergleich zu Mehrweggebinden deutlich verbessert. Laut BGVZ liege die Rückgabequote bei Dosen und PET-Flaschen bei fast 99 Prozent. Die Verpackungen würden immer umweltfreundlicher, gleichzeitig seien sie leichter, weswegen ihr Transport weniger Energie verbrauche. Der ökologische Nachteil der Einwegverpackungen könne daher „nicht mehr universell als gegeben angesehen werden“.

Nur 30 Prozent der Einweg-Flaschen werden wiederverwertet

Die Umwelthilfe bleibt dennoch bei ihrer Forderung einer Abgabe. „Dass Einwegflaschen vermehrt zurückgebracht werden, ist zu begrüßen“, so Thomas Fischer von der DUH. Allerdings erreichten Mehrweg-Verpackungen schon seit Jahrzehnten hohe Rücklaufquoten. Zudem koste das Ausspülen einer Glasflasche deutlich weniger Energie als die Produktion einer neuen Einweg-Flasche.

Zudem existiere bei Einweg-Verpackungen kein geschlossener Kreislauf – für ihre Neuproduktion werde nur etwa 30 Prozent Recycling-Material eingesetzt. Das System verbrauche daher immer neue Ressourcen. Eine Glasflasche dagegen könne zu 60 bis 90 Prozent aus Alt-Material hergestellt werden. Dass Kunststoff- und Aluminium-Behälter leichter als Glas seien und daher weniger Transportenergie fräßen, ist laut Fischer zwar richtig. Gleichzeitig aber gebe es in Deutschland etwa 3000 Mehrweg-Abfüller, bei Einweg seien es bloß rund 150. Folge: Einweg-Verpackungen legen wesentlich größere Strecken zurück. „Das macht ihren Gewichts-Vorteil wieder zunichte“, erklärt Fischer. 

Eine Untersuchung des Umweltbundesamts kommt zu dem Schluss: Glasmehrweg ist eindeutig ökologischer als die Dose. Beim Vergleich mit den PET-Flaschen kommt es auf das Volumen an – je größer die Flasche, umso besser steht die Kunststoffverpackung da.