Überzeugte Bio-Bauern und Bio-Konsumenten schwören drauf: Ökologisch angebautes Gemüse, Getreide und Obst ist gesünder, weil es mehr wünschenswerte und weniger potenziell schädliche Inhaltsstoffe aufweist. Doch bisherige Studien konnten dies so nicht belegen. Nun liefert eine groß angelegte, von der EU mitfinanzierte Studie der englischen Universität Newcastle den Beweis: Die Art, wie unsere Lebensmittel erzeugt werden, hat einen großen Einfluss auf die Inhaltsstoffe.

Die Studie, an der auch das Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau FibL beteiligt war, zeigte vor allem ein deutliches Ergebnis: Biologisch erzeugte Nahrungsmittel haben einen deutlich höheren Anteil an Antioxidantien wie Phenolsäuren, Flavanone, Stilbene oder Anthocyane als konventionelle Kost. Nach Angaben der Studie weisen biologische Lebensmittel zwischen 18 und in der Spitze 69 Prozent mehr Antioxidantien auf. Sie enthielten auch mehr Vitamine und Carotinoide, wenn auch die Unterschiede hier nicht so groß sind wie bei Antioxidantien.

87 Prozent weniger Nitrit

Das ist nicht ohne Bedeutung für die Gesundheit: Denn ein Mehr an Polyphenolen und Phenolsäuren, argumentieren die englischen Forscher, sei von hohem gesundheitlichen Nutzen. Denn diese Inhaltsstoffe können vor chronischen Beschwerden wie etwa Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen schützen helfen. Gleichwohl bremst Hauptautor Professor Carlo Leifert: Die Studie zeige nicht, dass Bio definitiv gesünder sei. Sie belege aber, dass es reihenweise signifikante Unterschiede in der Zusammensetzung der Nahrungsmittel gebe.

Umgekehrt stellten die Forscher fest, dass Bio-Lebensmittel deutlich weniger giftige Metalle wie Cadmium (minus 48 Prozent), weniger schädliche Stickstoffverbindungen wie Nitrat und Nitrit und weniger Pestizidreste aufweisen. Das spiegelt ganz unmittelbar die Anbaumethodik des biologischen Landbaus wider, sagen die Autoren.

Denn dass in Bio-Lebensmitteln 87 Prozent weniger Nitrit gemessen wird als in konventionell produzierter Nahrung, hänge mit der Verwendung des mineralischen Stickstoffs in der herkömmlichen Landwirtschaft zusammen. Der ist bei Bio verboten. Nitrit aber wird verantwortlich gemacht als möglicher Faktor etwa bei der Entstehung von Magenkrebs. Der Verzicht auf Mineraldünger wird von den Autoren auch als Grund für den höheren Anteil an Antioxidantien angesehen.

Es gibt auch Kritiker

Zwar fanden die Forscher auch im konventionellen Obst, Getreide und Gemüse oder daraus gefertigten Lebensmitteln keine Pestizidrückstände, die über den europäischen Grenzwerten lagen. Allerdings wurden solche Reste von Schädlingsbekämpfungsmitteln in konventioneller Kost viermal häufiger gefunden als in Bio-Lebensmitteln. Der Unterschied war vor allem bei Obst signifikant: Pestizidrückstände finden sich in konventionellen Äpfeln, Pfirsichen oder Erdbeeren sogar siebenmal häufiger als bei Bio-Früchten. Dieser Unterschied zum Gemüse lege nahe, dass konventionelle Obstbauern kurz vor der Ernte stärker zu schwer abbaubaren Stoffen griffen, sagen die Autoren.

Die Arbeit der Briten unterscheidet sich deutlich von der 2009 publizierten Studie, die von der staatlichen britischen Food Standards Agency in Auftrag gegeben worden war. Diese Studie, die damals für viel Aufsehen sorgte, hatte keine signifikanten Unterschiede zwischen Biokost und konventioneller Nahrung feststellen können. Leifert und seine Kollegen verweisen nun darauf, dass die FSA nur auf 46 und nicht wie seine Universität auf 343 Studien zurückgreifen konnte, sondern dass die neue Arbeit auf Erkenntnisse zurückgreifen konnte, die der FSA damals noch gar nicht vorlagen. Mehr als die Hälfte der Arbeiten, auf die Newcastle zurückgreifen konnte, stammen aus den Jahren ab 2006.

Gleichwohl gibt es Kritiker: So zeigte sich Ernährungswissenschaftler Professor Tom Sanders vom King’s College London vom Vergleich nicht überzeugt. Sanders: „Wichtiger ist, was du isst, nicht ob es biologisch oder konventionell erzeugt wurde.“ Und wichtiger sei, vor allem: mehr Obst und Gemüse als bisher üblich zu essen.