Berlin - Darin sind sich fast alle einig: Die Digitalisierung verändert das Geschäftsleben radikal. Zugleich ist sie eine große Chance für den Industriestandort Deutschland. Doch für sich selbst ziehen viel zu wenige Unternehmen daraus die richtigen Konsequenzen – und das ganz besonders in Berlin.

Themen wie Cloud Computing, Internet der Dinge, Big Data, 3-D-Drucker, Industrie 4.0 oder Crowd Sourcing finden in den Firmen oftmals noch überhaupt nicht statt. Vielfach können die Firmenchefs mit diesen Begriffen noch nicht einmal etwas anfangen. Das ist das alarmierende Ergebnis einer repräsentativen Studie der Commerzbank, die sich auf eine Umfrage unter 4 000 mittelständischen Unternehmern stützt, 100 davon in der Hauptstadt.

Fehlender Veränderungsdruck

Demnach geben 69 Prozent der befragten Berliner Unternehmer zu, dass die Bedeutung des digitalen Wandels vom Mittelstand aus ihrer Sicht bislang vernachlässigt wird. Nur 26 Prozent halten den Mittelstand für ausreichend vorbereitet. Auf die Frage, wie sie selbst bei der Planung und Gestaltung des digitalen Wandels vorgehen, sagen zwar 81 Prozent der Berliner Firmenlenker, dass sie die Branchenentwicklung und das Wettbewerbsumfeld beobachten.

Lediglich eine Minderheit tut der Studie zufolge aber auch aktiv etwas, um die Digitalisierung im eigenen Unternehmen voranzutreiben: Nur 46 Prozent lassen sich durch externe Spezialisten beraten, nur 44 Prozent betreiben Pilotprojekte und sammeln Erfahrungen in diesem Bereich.

Und lediglich 38 Prozent schaffen nach eigener Aussage kreative Freiräume und entwickeln visionäre Szenarien. Noch weniger, nämlich 35 Prozent, betreiben eigene Marktanalysen zu neuen Produkten und Angeboten. Ebenfalls nur 35 Prozent stellen technische Spezialisten ein, um digitale Innovationen durchzusetzen und nur 31 Prozent kooperieren hierfür mit Forschungseinrichtungen.

Berliner Firmenlenker überfordert?

Doch was hindert die Firmenlenker eigentlich daran, den digitalen Wandel voranzutreiben? Finanzierungsschwierigkeiten jedenfalls sind es nur in 15 Prozent der Fälle. Es sieht vielmehr so aus als seien viele schlicht damit überfordert: So sehen 52 Prozent die Komplexität und die Geschwindigkeit der technischen Entwicklung als Problem an. 49 Prozent nennen Sicherheitsrisiken und Probleme beim Datenschutz, 42 beklagen verlässliche Standards bei den neuen Technologien.

35 Prozent sind besorgt über die unsicheren Erfolgsaussichten und 28 Prozent befürchten eine sinkende Produktivität in der Umstellungsphase. „Der Druck etwas in der Firma verändern zu müssen, ist offenbar oft noch nicht hoch genug“, schlussfolgert daraus Jörg Frischholz, der bei der Commerzbank in Berlin das Firmenkundengeschäft verantwortet. Diese Einstellung könne sich schnell rächen, warnt er.