Das Filmstudio Babelsberg verabschiedet sich von der Börse. Die Aktionäre haben allerdings noch knapp zwei Jahre Zeit, sich von ihren Aktien zu trennen oder weitere Aktien dazuzukaufen: So wird der Börsenhandel mit den Anteilsscheinen des traditionsreichen Filmunternehmens erst Ende Juni 2016 eingestellt. Darüber werden die Anleger an diesem Dienstag per Post von der Unternehmensleitung informiert. Ursprünglich hieß es, die Aktien seien nur noch etwa ein halbes Jahr lang handelbar.

Die Begründung für den Schritt liest sich wie ein Offenbarungseid: „Der Vorstand hält das Unternehmen grundsätzlich nicht mehr für börsenfähig“, heißt es in dem Schreiben an die Aktionäre. Ursache sei zum einen das für die Börse schwierige Geschäftsmodell, das von starken Schwankungen im Geschäftsverlauf sowie von einer starken Abhängigkeit der einzelnen Filmproduktionen von staatlichen Fördermitteln geprägt sei.

Zum anderen könne die Studio Babelsberg AG aus der Sicht des Vorstands „keine nachhaltige Wachstumsstrategie vorweisen“. Diese Faktoren hätten trotz Börsennotierung zu einem starken Wertverlust der Aktien geführt. In der Tat hat die Aktie seit Anfang 2010 fast drei Viertel ihres Wertes verloren, allein seit Mai dieses Jahres verlor sie rund 40 Prozent.

Bisher kein Wille, Aktionäre zu entschädigen

Der Abschied von der Börse geschieht durch ein sogenanntes Delisting. Das bedeutet: Die Aktionäre werden nicht enteignet und können ihre Aktien zunächst behalten. Sie haben aber dann keine Möglichkeit mehr, ihre Aktien über eine Börse zu veräußern oder dort weitere Aktien zu erwerben. Eine Entschädigung für die nicht mehr an der Börse handelbaren Aktien will die Gesellschaft nicht leisten, da hierzu keine gesetzliche Verpflichtung bestehe.

Einzige Chance für die Aktionäre, sich nach dem Delisting von ihren Anteilsscheinen zu trennen oder weitere zu erwerben, ist, die Aktien privat zu handeln. So gibt es spezielle Anbieter, die Plattformen für den Handel mit nicht an einer Börse notierten Aktien bieten. Außerdem will der Vorstand den Aktionären bis zur Einstellung der Notierung einen interessierten Aktionär nennen, der bereit wäre, nach diesem Datum zum Verkauf angebotene Aktien zu einem Preis zu übernehmen, der dem durchschnittlichen Kurs der letzten drei Monate entspricht.

Dem Unternehmen geht es schlecht

So bekannt das Filmstudio Babelsberg ist und so legendär viele Filme sind, die dort (mit)produziert wurden – unter anderem auch deutsche Klassiker wie „Good bye, Lenin!“, „Sonnenallee“ oder „Das Leben der Anderen“ –, wirtschaftlich geht es dem Unternehmen nicht gut. Den wichtigsten Grund dafür sieht das Management in der Filmförderung, die in Deutschland gering sei und nun weiter gekürzt werden solle.

Michael Kunert von der Anlegerschutzgemeinschaft SdK befürchtet, dass die Kleinanleger durch das Delisting den Kürzeren ziehen werden: Er hält es für sehr wahrscheinlich, dass ein Großaktionär ihnen anbieten wird, ihm die Aktien unter Wert zu verkaufen und sich viele darauf aus Verzweiflung einlassen werden. Habe der Großaktionär dann eine Mehrheit von 95 Prozent zusammen, könne er die restlichen Aktionäre zwangsweise gegen eine Entschädigung enteignen. Dies sieht das Aktiengesetz so vor.