Tesla-Ladestation
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BerlinIn Grünheide baut Tesla noch, in Berlin ist das Unternehmen bereits angekommen. Am Donnerstag hat Tesla auf dem Euref-Campus am Schöneberger Gasometer sogenannte V3 Supercharger in Betrieb genommen. Dort dauert das Laden eines Elektroautos ab sofort kaum länger als ein herkömmlicher Stopp an der Tankstelle. Fünf Minuten sollen genügen, um genug Strom für weitere 120 Kilometer in die Batterie zu holen.

Tesla hat auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks insgesamt zwölf Ladestationen mit einer Leistung von jeweils 250 Kilowatt installiert. Derartige Supercharger-Ladestationen betreibt Tesla bereits in mehr als 20 Ländern und vor allem entlang von großen Autorouten. Mitten in der Stadt gab es das in Deutschland bislang noch nicht.

Natürlich soll das auch Symbolwert haben. „Die Region Berlin-Brandenburg mit dem künftigen Tesla-Werk in Grünheide entwickelt sich immer mehr zu einem Innovationsstandort von Tesla in Europa“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Schöneberg. Es ist gut für unseren Wirtschaftsstandort, dass Tesla seine neuesten Technologien nach Deutschland bringe und auf dem Euref-Campus seine erste innerstädtische Supercharger-Ladestation eingerichtet habe.

Allerdings ist die Technologie auch in Berlin so neu nicht. Porsche hat bereits vor zwei Jahren eine 350-Kilowatt-Anlage in Adlershof in Betrieb genommen. Zudem hält sich der praktische Wert der Tesla-Charger in Grenzen. Denn an diesen Drive-in-Stationen lassen sich ausschließlich Tesla-Fahrzeuge laden, die in Berlin zwar nicht mehr selten sind, aber doch nur im dreistelligen Bereich zu verorten sein dürften. Wie eine Nachfrage im Kraftfahrt-Bundesamt ergab, waren am 1. Juli dieses Jahres in Berlin insgesamt 6808 Elektroautos zugelassen.

Auf dem Schöneberger Campus gibt es jedoch Alternativen. Karin Teichmann, Vorstandsmitglied der Euref AG, verweist auf rund 200 Ladepunkte für Elektroautos. Die V3-Supercharger würden aber die Bedeutung des EUREF-Campus als wichtiges Schaufenster der Mobilitätswende unterstreichen, sagt sie.

Das 5,5 Hektar große Areal rund um den markanten Gasometer ist längst als Reallabor für die Verkehrs- und Energiewende etabliert. Über 150 Unternehmen, Start-ups sowie kleine und mittelständische Firmen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung sind dort ansässig. Etwa 5000 Menschen arbeiten an Themen der Zukunft wie Energiemanagement, Mobilität und Klimaschutz.

Der Elektroroller-Verleiher Emio etwa wurde in einer Garage auf dem Campus gegründet. Das Unternehmen Ubitricity hat dort eine praktikable Lösung gefunden, um Straßenlaternen als Ladepunkte für E-Mobile zu nutzen. Bereits 2012 hatte das Start-up die erste Laterne zu einem Stromzapfsäule gemacht, blieb in seiner Heimatstadt aber vergleichsweise erfolglos. Denn nicht einmal 50 solcher Ladepunkte gibt bis heute in Berlin. In London indes sind es mittlerweile mehr als 2000, und stetig kommen neue hinzu. Auch in New York ist das Unternehmen, an dem sich inzwischen Siemens beteiligt hat, sehr erfolgreich. Ein Grund dafür: Während man hier darüber diskutiert, ob Ladestationen Auto-Parkplätze wegnehmen könnten, folgt man anderswo der Idee, dass man Elektroautos einfach an jedem möglichen Parkplatz laden können sollte.

Tatsächlich ist der Nachholbedarf, den Berlin in Sachen Ladeinfrastruktur für Elektromobile hat, riesig und die Zeit wird knapp. Die Berliner Agentur für Elektromobilität hat mit dem Reiner-Lemoine-Institut untersucht, mit wie vielen Elektroautos in Berlin in den nächsten Jahren zu rechnen ist. Demnach müssen im Jahr 2030 in dieser Stadt mindestens 250.000 E-Fahrzeuge mit Strom versorgt werden. Unter Abzug potenzieller Ladepunkte an Ein- und Zweifamilienhäusern sehen die Wissenschaftler dafür in dieser Stadt einen Ladeinfrastrukturbedarf zwischen 14.000 und über 100.000 Ladepunkten im Jahr 2030. Das ist viel. Selbst wenn man einen Bedarf von 50.000 annimmt, müsste das Berliner Ladenetz bis 2030 um etwa den Faktor 100 ausgebaut werden. Denn laut Auskunft der Bundesnetzagentur gibt es derzeit 612 Ladesäulen in Berlin.

Dank Tesla gibt es nun also immerhin zwölf weitere Ladepunkte. Aber hat Tesla da in Schöneberg vielleicht noch mehr vor? Seit Monaten wird der Euref-Campus als möglicher Standort für ein neues Design- und Entwicklungszentrum gehandelt, das Tesla-Chef Elon Musk im vergangenen Herbst angekündigt hatte. Euref-Vorständin Karin Teichmann beteiligt sich nicht an Spekulationen. Der Campus sei ausgebucht, sagt sie. Zwar solle der Gasometer ausgebaut werden und ab Ende 2023 etwa 2000 neue Arbeitsplätze bieten. Aber auch dafür stehe der Mieter bereits fest. „Tesla ist es nicht“, sagt die Euref-Managerin.