Normalanleger beschleicht bisweilen das Gefühl, dass sie an der Börse im Vergleich zu den Profis und Großinvestoren keine Chance haben: Zu groß sei deren Wissensvorsprung, und bevorzugt behandelt würden sie sowieso. Da ist sicher etwas dran. Doch der Hauptgrund, warum die Superreichen in der Regel erfolgreicher sind, ist ein anderer: Sie investieren klüger.

„Häufig haben vermögende Menschen einen unternehmerischen Hintergrund. Dadurch sind sie es gewöhnt, sich mit ihrem Investment zu beschäftigen“, sagt Andreas Görler, Vermögensverwalter von Pruschke & Kalm in Berlin. „Außerdem bestehen bei ihnen keine besonderen Vorbehalte in entsprechende Geldanlagen.“ So würden Reiche zum Beispiel Aktien als recht normal einstufen.

„Der Anlagehorizont vermögender Familien ist weitreichender, teils über Generationen hinweg, dadurch können Schwankungen und Trends mit einem anderen Auge betrachtet werden“, ergänzt Maik Bolsmann, Geschäftsführer der B&K Vermögen in Köln. „Der Großteil der Bevölkerung hortet immer noch das meiste Geld auf kaum verzinsten Sparbüchern, Tagesgeldern und Kapitalversicherungen“, stellt Sven Scherner fest, Finanzplaner bei der Honoris Treuhand in Berlin. „Diese Anlageformen schaffen es kaum, einen Inflationsausgleich herzustellen. Und durch die Zinspolitik der Notenbanken wird die Kluft in den nächsten Jahren weiter zunehmen.“ Die Reichen dagegen streuten ihr Vermögen über verschiedene Anlageklassen.

Muss wirklich so viel Geld jederzeit auf dem Sparbuch greifbar sein?

Wer nur wenig Geld einsetzen kann, kann sich dennoch an deren Grundhaltung orientieren. „Ein erster Schritt für den Normalanleger liegt in der Überlegung, ob wirklich so viel Geld auf dem Sparbuch jederzeit greifbar sein muss, oder ob es nicht ausreicht, auf einem solchen Konto die Reserve für den nächsten Urlaub oder eine Reparatur zu parken und einen Teil in andere liquide Anlageformen wie beispielsweise Investmentfonds gut gestreut anzulegen“, empfiehlt Scherner. „Bei der Auswahl solcher Anlagen sollte der Anleger auf eine unabhängige Auswahl ohne Provisionsinteresse des Anbieters achten und sich nicht nur auf den Rat seiner Hausbank oder des Versicherungsvermittlers verlassen“, sagt er.

Zwar sei eine 1:1-Abbildung der Depots von reichen Einzelpersonen nur bedingt möglich, sagt Görler. Doch vom Prinzip her können die Strategien der Superreichen durchaus kopiert werden. Der wichtigste Grundsatz: Das Geld sollte breit über verschiedene Anlageklassen gestreut werden.

Nur tun das Kleinanleger mangels Masse eben nicht über eine Vielzahl von Einzelinvestments. Denn die Kosten wären im Verhältnis zur angelegten Summe dann viel zu hoch. Görler empfiehlt Kleinanlegern den Kauf von vermögensverwaltenden Fonds, die sowohl in Aktien als auch in Anleihen investieren und eventuell noch Rohstoffe und Immobilien beimischen. „Man sollte hier Fonds wählen, die schon länger am Markt sind und deren Management über Erfahrungen in schwierigen Marktphasen verfügt“, so Görler. Bei einem Vermögen von beispielsweise 20 000 Euro seien vier bis fünf dieser Fonds sicherlich ausreichend.

Die Kosten spielen eine große, aber nicht entscheidende Rolle

Wer Gebühren für das Fondsmanagement sparen und sein Vermögen lieber aktiv selbst steuern will, kann aber auch in kostengünstige börsengehandelte Indexfonds (ETF) investieren. Problematisch sei hierbei allerdings, dass der Anleger dann für Kauf- und Verkaufszeitpunkt verantwortlich sei. „In der Praxis zeigt sich, dass dann zu häufig und viel zu zyklisch gehandelt wird.“

Einen Vorteil genießen Vermögende unbestritten: Sie bekommen angesichts der Summen, die sie anlegen, bessere Konditionen. „Dadurch gibt es Renditevorteile, die bei 0,5 Prozent im Jahr liegen können“, sagt Görler. Entscheidend bleibe aber die Auswahl der richtigen Vermögensstruktur und der Festlegung der relevanten Prioritäten, gekoppelt mit einem mittel- bis langfristigen Ansatz. „Die Kosten spielen eine große, aber nicht die entscheidende Rolle bei der Auswahl eines Anlageproduktes“, sagt auch der Kölner Vermögensverwalter Bolsmann. Zudem habe der harte Wettbewerb unter Banken die Gebühren in den vergangenen Jahren etwas sinken lassen.

Aber vielleicht liegt ja die wahre Kunst der Reichen darin, bei den Ausgaben zu sparen. So ist Warren Buffett, mit einem Vermögen von 68 Milliarden Dollar einer der reichsten Menschen der Welt, für seinen bescheidenen Lebensstil bekannt: Seit Jahrzehnten wohnt er im Städtchen Omaha im US-Staat Nebraska in einem Haus, das er 1957 für 30 000 Dollar kaufte.