In Zeiten des weltweiten Kampfs gegen das Rauchen ist eine Tabakmesse eine Provokation erster Güte. Und wenn sie dann auch noch indirekt vom Staat organisiert wird, rauchen die Köpfe. In Dortmund werden im September Käufer, Verkäufer und Händler aus der ganzen Welt erwartet, um Tabakwaren und Raucherbedarf zu probieren, zu fachsimpeln und Ware einzukaufen, die sie unter das Volk bringen können. Die Inter-tabac ist die weltweit größte Raucherbedarfsmesse und wird von der Messe Westfalenhallen Dortmund GmbH organisiert, einer Tochter der Ruhrgebiets-Stadt.

Dortmunds Oberbürgermeister flatterte deshalb jüngst ein Brief ins Haus, in dem ihn Tabakgegner auffordern, die  Messe abzublasen. Sie verstoße nicht nur gegen Gesetze, sondern konterkariere Bemühungen des Staates, die Bevölkerung vom Tabak-Gebrauch  abzuhalten.

Verstoß gegen Abkommen

Der Streit mit den Tabakgegnern ist für die Dortmunder nur die jüngste Auseinandersetzung rund um die Inter-tabac. Zuvor lag man bereits im Konflikt mit dem Gesundheitsministerium von Nordrhein-Westfalen. Denn natürlich wird auf einer solchen Messe  geraucht. Dem steht  das Nichtraucherschutzgesetz von NRW im Weg.    

Das  Landesgesundheitsministerium pochte zunächst auf ein generelles Rauchverbot in den Ausstellungshallen. Doch die Stadt wollte das nicht akzeptieren. Als sie juristische Schritte androhte, knickte das Ministerium ein und bot einen Kompromiss an. Nun darf in abgegrenzten Räumen  geraucht werden.    Die Stadt sieht nun  „keine Veranlassung, die Durchführung der Inter-tabac zu untersagen.

In dem Streit geht es nicht nur um das Nichtraucherschutzgesetz, sondern auch um das internationalen Tabakrahmenübereinkommen,   das Deutschland unterzeichnet, aber bisher nicht vollständig umgesetzt hat. Es verbietet alle Formen von Tabakwerbung, die Förderung des Tabakverkaufs und Tabaksponsoring. Partnerschaften mit der Tabakindustrie sind auf ein Minimum zu beschränken.

Wie passt das zur Organisation einer Branchenmesse wie der Inter-tabac?   Die Tabakgegner vom Forum Rauchfrei kritisieren, dass die Stadt mit der Messe „jegliche Glaubwürdigkeit bei ihren Anstrengungen, den Tabakgebrauch einzudämmen“, einbüße. Doch sind die Dortmunder  nicht die einzigen, die sich damit schwer tun. Auch auf Bundesebene werden immer wieder Kooperationen mit der Tabakindustrie bekannt,    mit denen der Kampf gegen das Rauchen unterlaufen wird.

Im Fall des städtischen Unternehmens Messe Westfalenhallen Dortmund  ist der Konflikt zwischen Tabakprävention  und wirtschaftlichen Interessen  besonders offensichtlich. Der 15-köpfige Aufsichtsrat besteht aus zehn Vertretern der Stadt. Der Vorsitzende ist Friedhelm Sohn (SPD), der im Rat der Stadt Dortmund für Jugend und Kinder zuständig ist.

Mittlerweile wird die Inter-tabac auch in Asien veranstaltet. Im kommenden Februar soll sie auf den Philippinen stattfinden. Dort sollen Aussteller die Möglichkeit erhalten, „ihre Produkte und Dienstleistungen in den aufstrebenden, wachsenden asiatischen Märkten zu präsentieren“. Indonesien ist bekannt für die vielen rauchenden Kinder.