Die Talfahrt am Kryptomarkt hat sich fortgesetzt. Am Donnerstag mussten viele Digitalwährungen, darunter der bekannteste Digitalwert Bitcoin, erneut erhebliche Kursverluste hinnehmen. Die Ur-Kryptowährung Bitcoin fiel auf der Handelsplattform Bitfinex mit 26.591 US-Dollar auf den tiefsten Stand seit Ende 2020 (etwa 25.026 Euro). Allein auf Sicht eines Monats hat der Bitcoin ein Drittel seines Werts eingebüßt. Seit Jahresanfang sind es gut 40 Prozent. Am Freitag erholte sich Bitcoin wieder und legte auf 30.504 US Dollar zu (Stand 8:08 Uhr), das wäre ein Plus von circa 5 Prozent im Vergleich zum Vortag.

Auch andere Digitalwerte gaben im Kurs weiter nach. Der nach Bitcoin zweitgrößte Digitalwert Ether fiel deutlich unter die Marke von 2000 US-Dollar. Ether hat seit Jahresbeginn etwa die Hälfte seines Werts verloren. Der Marktwert aller rund 19.400 Kryptoanlagen beträgt derzeit rund 1,1 Billionen Dollar. Der Rekordwert von fast 3 Billionen Dollar, erreicht im November vergangenen Jahres, ist weit entfernt.

Zinstragende Anlagen wie festverzinsliche Wertpapiere werden beliebter

Fachleute führen die schlechte Stimmung der Marktteilnehmer auf zwei Gründe zurück: Zum einen sorgt die Aussicht auf vielerorts steigende Leitzinsen für Skepsis am Kryptomarkt. Digitalanlagen werfen keine laufenden Erträge ab, zinstragende Anlagen wie festverzinsliche Wertpapiere werden beliebter.

Als zweiter Grund gelten Turbulenzen bei einer bekannten Kryptowährung namens TerraUSD oder UST. Dabei handelt es sich um einen sogenannten „Stable Coin“, der sich in Abgrenzung zu anderen Digitalwerten durch besondere Wertstabilität auszeichnen soll. TerraUSD will dies durch einen speziellen Algorithmus erreichen, der die Kryptowährung in einem stabilen Verhältnis zum US-Dollar halten soll.

In den vergangenen Tagen hat sich der UST-Kurs aber von seiner Anbindung an den Dollar gelöst und ist erheblich unter Druck geraten. Der Vorfall, dessen Gründe noch unklar sind, wirft ein schlechtes Licht auf den ohnehin angekratzten Ruf vieler Digitalwährungen. Sie gelten als energieintensiv und anfällig für kriminellen Missbrauch. Außerdem schwanken sie oft stark im Wert, was sie als Anlage für Kleinanleger eher ungeeignet erscheinen lässt.

Wie lange die Talfahrt von Krypto andauern könnte, ist unklar

Die New York Times analysiert die Situation folgendermaßen: „Der Rückgang der Kryptowährungen ist Teil eines breiteren Rückzugs von Privatanlegern aus riskanten Vermögenswerten, der durch steigende Zinssätze, Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit, die durch Russlands Invasion in der Ukraine verursacht wurden, angespornt wurde. Es sind Faktoren, die den sogenannten ‚pandemischen Kater‘ verschlimmert haben. Er begann kürzlich, als sich das Leben in den Vereinigten Staaten wieder normalisierte und Aktienkurse von Unternehmen wie Zoom und Netflix unter Druck setzte, die während des Lockdowns florierten.“

Dann heißt es weiter: „Wie lange die Talfahrt von Krypto andauern könnte, ist unklar. Kryptowährungspreise haben sich in der Regel von großen Verlusten schnell erholt. In einigen Fällen dauerte es mehrere Jahre, bis sie neue Höhen erreichten.“