Ab Freitag beginnen die Osterfeiertage. Was vielen nicht klar ist: Ostern ist das wichtigste christliche Fest im ganzen Jahr. Deshalb schützt das deutsche Grundgesetz einige Ostertage als sogenannte „stille Tage“. Als besonders schützenswert gilt der Karfreitag, der Tag der Kreuzigung von Jesus Christus. An diesem Tag ist Abfeiern in der Regel tabu.

Allerdings handhaben die Bundesländer die Ostertage in ihren jeweiligen Feiertagsgesetzen oder Verordnungen recht unterschiedlich. Als besonders locker fällt Berlin auf. Viele Feierwütige fliehen deshalb über Ostern in die deutsche Hauptstadt.

Wann darf man nicht tanzen?

An Karfreitag – in diesem Jahr der 19. April – sind öffentliche Tanzveranstaltungen in den meisten Bundesländern ganztägig untersagt. In manchen Feiertagsgesetzen sind solche Events sogar schon von Gründonnerstag (18. April 2019) bis Karsamstag (20. April 2019) verboten. Darüber hinaus gibt es zum Teil besondere Bestimmungen, dass Gottesdienste nicht durch Lärm gestört werden dürfen. Was in den einzelnen Bundesländern gilt und welche Ausnahmen dort jeweils herrschen, lesen Sie in der

Was ist noch untersagt?

Das Verbot von Tanzveranstaltungen richtet sich insbesondere an Diskotheken, aber auch an die übrige Gastronomie, Vereine und geschlossene Gesellschaften in Wirtschaftsräumen. Vom Verbot betroffen sein können auch Märkte, Sportveranstaltungen, Zirkusvorführungen und Volksfeste sowie Unterhaltungsveranstaltungen wie Theater, Opern, Musicals. Am Karfreitag bleiben darüber hinaus Spielhallen geschlossen, Geldspielgeräte in Gaststätten dürfen an diesem Tag nicht betrieben werden. Auch der Betrieb von Autowaschanlagen, Werbeveranstaltungen gewerblicher Unternehmer sowie Wohnungsumzüge an Karfreitag sind in der Regel untersagt.

Auch das Fernsehprogramm ist von den „stillen Feiertagen“ betroffen:  Nicht alle Filme dürfen gezeigt werden. Seit 1980 gibt es eine Liste von Filmen, die an stillen Tagen nicht öffentlich gezeigt werden dürfen, weil sie nicht dem „ernsten Charakter“ dieser Tage entsprechen. Jedes Jahr werden neue Filme geprüft und landen auf der Liste, die mittlerweile 756 Filme umfasst. Unter anderem auf der Liste zu finden: Klassiker wie „Heidi“, „Die Ghostbusters“ und „Das Leben des Brian“.

Was droht bei Verstößen?

Gastronomen und Disko-Besitzern, die sich nicht an das Tanzverbot halten, drohen in vielen Städten saftige Bußgelder bis zu 1000 Euro. Bei 100 Euro fängt die mögliche Bußgeldzahlung an – Diskothekenbesitzern drohen bei einem ersten Verstoß gegen das Tanzverbot allerdings bereits 500 Euro Strafe. Den Diskobesuchern selbst kann allerdings nichts passieren.

Wer sich nicht an das Umzugsverbot hält, kann ebenfalls mit Strafen von bis zu 1000 Euro belangt werden. Wie hoch das Bußgeld ausfällt, kommt aber auch auf den Einzelfall an. Es kann sein, dass die Ordnungsamtsmitarbeiter erst einmal nur eine Verwarnung aussprechen.

Privatpartys in den eigenen vier Wänden fallen nur auf, wenn die Musik zu laut ist und es Beschwerden gibt: Dann droht ein Bußgeld wegen Lärmbelästigung. Eine spezielle Strafe wegen Verstoßes gegen das Tanzverbot gibt es in diesem Fall aber nicht.

Was sagen die Kritiker?

Die Regelungen zu den „stillen Tagen“ sind umstritten. Kritiker argumentieren, dass man Nicht-Christen nicht die christlichen Regeln aufzwingen dürfe, schließlich gelte Religionsfreiheit in Deutschland. Jeder müsse selbst entscheiden, ob er am Karfreitag ausgehen möchte. Jedes Jahr gibt es zahlreiche Proteste gegen das Tanzverbot.

Baden-Württemberg lockerte das Feiertagsgesetz im November 2015, allerdings bezüglich der bis dato geschützten Sonntage. Die stillen Feiertage bleiben weiterhin geschützt. Bayern, das 2013 ebenfalls das Feiertagsgesetz gelockert hatte, entschied 2014, dass an den stillen Tagen keine Zirkusvorstellungen erlaubt sind, im konkreten Fall an Allerheiligen. (gs/dpa)