Dass Verdi sich über den Tarifvertragsabschluss für 140 000 Postbedienstete „sehr zufrieden“ zeigt, ist verständlich und zugleich ein Witz. Verständlich ist die positive Bewertung, weil die Gewerkschaft nach sieben Verhandlungsrunden und vier Wochen Streik den eigenen Mitgliedern das Ergebnis als Erfolg verkaufen will, der den ganzen Aufwand gelohnt hat. Andererseits aber hat Verdi das zentrale Ziel des Arbeitskampfes komplett verfehlt.

Die Bezahlung der in neuen Regionalgesellschaften beschäftigten Zusteller wird auch künftig nicht nach dem hoch dotierten Haustarifvertrag der Post erfolgen, sondern nach den für die Logistikbranche geltenden, deutlich niedrigeren Vereinbarungen.

Hinzu kommt, dass es, anders als von der Gewerkschaft gefordert, keine Arbeitszeitverkürzung gibt und die Lohnerhöhung bescheiden ausfällt: Eine Einmalzahlung von 400 Euro sowie ein zweistufiges Plus von insgesamt 3,7 Prozent, das alles verteilt auf drei Jahre, sind kein Grund zum Jubel.

Daran ist Verdi nicht unschuldig. Die Gewerkschaft hat an die Streiks die Verheißung geknüpft, der Konzern werde seine Entscheidung zu den Regionalgesellschaften zurücknehmen. Dieses Streikziel war von Beginn an unrealistisch. Verdi hat zu hohe Erwartungen geweckt und muss nun mit der Enttäuschung leben. Da helfen auch schöne Worte nicht.