Dass Beschäftigte mit geringen Arbeitseinkommen kräftige Lohnerhöhungen besonders gut gebrauchen können, liegt auf der Hand. Ebenso selbstverständlich kommen prozentuale Tarifsteigerungen gerade gut verdienenden Arbeitnehmern zugute. Je höher das vorherige Gehalt, desto üppiger fällt das Plus in Euro und Cent aus. Folge: Kleine Löhne bleiben klein, große werden schneller größer.

Vor diesem Hintergrund wird die Tarifkommission der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und des Deutschen Beamtenbundes DBB an diesem Dienstag für die anstehenden Tarifverhandlungen nicht nur prozentual höhere Entgelte fordern, sondern auch einen Sockelbetrag für die gut zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Kommunen sowie für weitere 150.000 des Bundes verlangen. Es wird damit gerechnet, dass die Tarifkommission um drei Prozent höhere Entgelte sowie 100 Euro für alle Bediensteten in Bund und Kommunen bis 2016 verlangen wird. Der Festbetrag ist vor allem in den unteren Entgeltgruppen deutlich spürbar und wird daher von Verdi als „soziale Komponente“ bezeichnet.

In den letzten Verhandlungen 2012 hatten die Gewerkschaften ihre Forderung nach einer Mindesterhöhung von 200 Euro monatlich für alle Beschäftigten nicht durchsetzen können, wofür Verdi-Chef Frank Bsirske trotz eines insgesamt guten Abschlusses von 6,3 Prozent Kritik einstecken musste. Aus Gewerkschaftssicht hat die Erhöhung um einen Festbetrag dieses Mal daher höchste Priorität.

Unter umgekehrten Vorzeichen trifft das auch auf die Vereinigung Kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) zu. Nach Lesart des VKA ist die „soziale Komponente“ allerdings eher des Teufels. Gerade weil ein Sockelbetrag unteren und mittleren Entgeltgruppen besonders zu gute komme, erhöhe er die Arbeitskosten über das tragbare Maß hinaus und koste am Ende viele Tausend Arbeitsplätze, prognostiziert VKA-Präsident Thomas Böhle, der die Verhandlungen für die kommunalen Arbeitgeber führt.

Böhle untermauert seine Argumentation mit konkreten Zahlen: Für die – dünn besetzte – höchste Entgeltgruppe der Amtsleiter würden drei Prozent Gehaltserhöhung und ein Sockelbetrag von 100 Euro pro Monat mit insgesamt 4,76 Prozent zu Buche schlagen. Im mittleren Einkommensbereich, in dem das Gros der öffentlich Bediensteten angesiedelt ist, addierten sich beide Komponenten bereits zu einem Plus von 7,23 Prozent. Sogar 9,68 Prozent kämen in der untersten Entgeltgruppe durch Sockelbetrag und Drei-Prozent-Plus zusammen.

Damit wären einerseits viele klamme Kommunen insbesondere in Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und auch Rheinland-Pfalz völlig überfordert, argumentiert die VKA. Andernteils könnten kommunale Unternehmen etwa im öffentlichen Personennahverkehr oder der Abfallentsorgung gegen private Konkurrenz nicht mehr bestehen, wenn die ohnehin höheren Entgelte in öffentlichen Unternehmen nochmals überproportional stiegen.

Verdi und DBB halten dagegen: Nur nur mit attraktiven Entgelten werde sich künftig ausreichend Nachwuchs für den öffentlichen Dienst rekrutieren lassen.