Berlin - Es hat in dem ein Jahr währenden Konflikt zwischen der Bahn AG und der Lokführergewerkschaft GDL lange Zeit so ausgesehen, als könne es am Ende nur Verlierer geben. Das zu Beginn durchaus verbreitete Verständnis für die Anliegen der Lokführer schwand nach neun Streiks zusehends, während der Verdruss bei Pendlern, Geschäftsreisenden und Urlaubern wuchs. Die wirtschaftlichen Verluste der Bahn summierten sich auf mindestens dreistellige Millionenbeträge. Immer mehr Kunden wechselten zur ohnehin boomenden Fernbus-Konkurrenz. Das Image des Konzerns als verlässliches Transportunternehmen drohte zu erodieren. Unterdessen drohte der Konkurrenzkampf zwischen den Gewerkschaften EVG- und GDL die Bahnbelegschaft zu spalten. Dabei schien ein Ende des Konflikts in all den Monaten kaum näher zu rücken.

Umso bemerkenswerter ist es, was den Schlichtern Matthias Platzeck und Bodo Ramelow in sechswöchigen Verhandlungen gelungen ist: Ein Ergebnis, dass nur Gewinner kennt, weil beide Seiten ihre Kernanliegen durchsetzen konnten. Die GDL erhält eigenständige Tarifvereinbarungen sowie die Garantie, bis 2020 von der Bahn AG als Tarifpartner anerkannt zu werden. Auf der anderen Seite verbucht die Bahn widerspruchfreie Lohn- und Arbeitszeitvereinbarungen für Lokführer und andere Berufsgruppen als Erfolg. Auch der vereinfachte Weg zu einer Schlichtung in künftigen Konflikten kommt dem Unternehmen entgegen.