Das Rentenniveau sinkt, die Aktienkurse steigen. Soll man also Aktien in die private Altersvorsorge einbeziehen? Solche Fragen rund um die Altersvorsorge standen im Mittelpunkt des Telefonforums der Berliner Zeitung. Steve Neumann von der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg, der unabhängige Vermögensverwalter Jens Ammon sowie Peter Klipp von der Finanztest-Redaktion bei der Stiftung Warentest beantworteten die zahlreichen Leserfragen. Hier ein Auswahl.

Ich bin Mitte 40 und habe einen Riester-Vertrag. Stimmt es, dass die Riester-Rente auf die Altersrente angerechnet wird? Wie hoch ist diese in meinem Fall?

Grundsätzlich bekommt man sowohl die gesetzliche Altersrente als auch die Riester-Rente. Denn diese soll ja gerade die niedriger werdenden gesetzlichen Bezüge ergänzen. Hat man jedoch im Alter einen Rentenanspruch, der unter dem Grundsicherungsniveau liegt, kann man staatliche Hilfe beantragen. Wenn Sie diese bekommen, erfolgt laut heutigem Rechtsstand eine Anrechnung der Riester-Rente auf den Grundsicherungsbetrag. Aber Sie haben noch mehr als 20 Jahre bis zum Beginn Ihrer Altersrente. Wie hoch dann der Betrag für die Grundsicherung sein wird, kann heute niemand vorhersagen. Die Riester-Rente bekommen Sie auf jeden Fall.

Gibt es Steuervermeidungsstrategien, wenn ich jetzt meine Aktiengewinne zu Geld mache?

Nein, die gibt es leider nicht. Sie können Zinsen und Dividenden nur dann steuerfrei beziehen, wenn Sie damit unterhalb des Sparer-Freibetrages von 801 Euro jährlich bleiben. Bei Eheleuten sind es 1602 Euro. Wenn Sie dass Veräußern der Aktien auf mehrere Jahre verteilen, können Sie den Freibetrag unter Umständen mehrfach nutzen – sofern er nicht durch andere Sparformen ausgeschöpft ist.

Ich bin Freiberufler und habe gehört, dass Rürup-Verträge jetzt besser gefördert werden. Was bedeutet das konkret?

Zumindest wurden die Fördergrenzen für die sogenannten Basis-Renten angehoben: Bisher war das Beitragsvolumen mit maximal 20 000 Euro begrenzt. Seit diesem Jahr wird es dynamisch an den Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung (West) gekoppelt. Demnach beträgt 2015 der Höchstbeitrag 22.172 Euro. 2015 könnten Sie 80 Prozent Ihrer Beiträge zu einer solchen Altersvorsorge als Sonderausgaben steuerlich geltend machen – vorausgesetzt, dass Sie nicht gesetzlich rentenversichert sind. 80 Prozent bedeuten 17.737,60 Euro. Sind Sie verheiratet, gilt der doppelte Wert. Eine steuerliche Beratung vor Vertragsabschluss ist hier unbedingt anzuraten. Denn Rürup-Beiträge können Sie nur absetzen, wenn Sie mit Ihrer freiberuflichen Tätigkeit ausreichend Gewinn erzielen.

Ich bin Lehrerin und erreiche im Oktober 2018 meine Regelaltersrente. Nun könnte ich mit dem Ende des Sommers 2018 nach Ende des Schuljahres vorzeitig in Rente gehen oder noch ein halbes Jahr dranhängen. Welche Konsequenzen hätte das für meine Rente?

Für jeden Monat, den Sie vorzeitig in Rente gehen, müssen Sie einen dauerhaften Abschlag von 0,3 Prozent einkalkulieren. Sie können aus Sicht des Rentenversicherungsträgers auch länger arbeiten und bekommen für jeden Monat über Ihre Regelaltersrente hinaus 0,5 Prozent Aufschlag. Die Frage ist nur, ob Sie das mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren können. Denn der Arbeits- oder Tarifvertrag darf dem nicht entgegenstehen.

Meine Frau und ich haben vor vier Jahren einen Riester-Vertrag auf Basis einer Fondsversicherung abgeschlossen. Obwohl die Aktien steigen, ist der Wert unserer Verträge negativ. Sollten wir diese kündigen, damit wir keinen Verlust machen?

Man kann mit Riester kein eigenes Geld verlieren. Denn unabhängig davon, welche Riester-Variante Sie gewählt haben: Jeder Anbieter muss Ihnen bei Beginn der Rentenzahlung das eingezahlte Kapital und die gewährten Zulagen zur Verfügung stellen. Dazu sind alle Anbieter – Fondsgesellschaften, Versicherer, Banken oder Bausparkassen – gesetzlich verpflichtet. Sie müssen Ihrerseits dafür bis zum Rentenbeginn durchhalte. Bei Riester-Fonds sind auch Kursschwankungen möglich, so dass hier eine Null-Rendite möglich ist – wenn man die Zulagen nicht berücksichtigt. Wenn Sie Ihre Verträge kündigen, dann müssen Sie die Zulagen zurückzahlen. Wir empfehlen daher, wenn Sie die Verträge nicht fortsetzen wollen, diese besser beitragsfrei zu stellen.

Mein Sohn ist 34 Jahre alt, hat einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Aber viel kommt da nicht heraus. Was kann er denn noch tun? Sein finanzieller Spielraum ist nicht sehr groß.

Zunächst sollte er den Riester-Vertrag so bedienen, dass er auch die volle Förderung erhält. Das bedeutet, dass er vier Prozent seines Vorjahresbruttoeinkommens für den Vertrag einzahlen müsste – abzüglich der ihm zustehenden Zulagen. Ehe er einen weiteren Vorsorgevertrag abschließt, sollte er die so genannten Existenzrisiken absichern, also über eine Haftpflichtversicherung verfügen und sich mit einer entsprechenden Police gegen den Fall der Berufsunfähigkeit schützen. Wenn dann noch Spielraum vorhanden ist, empfehlen wir einen Sparplan auf ETF-Basis. Bei diesen Sparplänen kann man bereits mit 50 Euro monatlich einsteigen und Ihr Sohn ist relativ flexibel: Er kann jederzeit aussteigen, die Zahlungen ruhen lassen oder die Beiträge erhöhen.

Was sind denn ETF? Sind solch Fonds sicher?

Das sind Fonds, die einen Aktienindex nachbilden und daher ohne großes Management auskommen. Solche Fonds sind kostengünstig. Ein Risiko besteht auch hier. Wenn wegen Kursschwankungen der Index – beispielsweise der Dax oder der MSCI World – nach unten gehen, verliert der entsprechende ETF auch an Wert.

Meine Riester-Rente läuft demnächst aus. Muss ich unbedingt die Rente nehmen – oder kann ich mir das Kapital auf einen Schlag auszahlen lassen?

Vorgesehen ist vom Gesetzgeber, dass eine lebenslange Rente gezahlt wird. Maximal 30 Prozent des angesparten Kapitals dürfen auf einen Schlag kapitalisiert werden. Sie können sich natürlich trotzdem das aufgelaufene Vermögen auszahlen lassen. Aber in diesem Fall müssten Sie die Fördergelder, die Sie in der Ansparphase bekommen haben, auch wieder zurückzahlen. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn Sie mit Ihrem Vertrag nur eine so genannte Mini-Rente erreicht haben. Der Wert dafür ändert sich Jahr für Jahr: Bekommen Sie den Riester-Vertrag beispielsweise in diesem Jahr ausgezahlt und liegt Ihre daraus berechnete monatliche Rente unter 28,35 Euro monatlich, ist eine Komplettauszahlung möglich – ohne Rückzahlung der Förderung. Sie können das Kapital darüber hinaus geschlossen zur Entschuldung einer selbst genutzten Immobilie einsetzen.

35.000 Euro habe ich jetzt aus meiner Lebensversicherung bekommen. Das ist für meine Alterssicherung bestimmt. 20.000 Euro will ich fest anlegen, die restlichen 15 000 in Aktienfonds. Meine Bank bietet mir aber nur Ihre Hausprodukte an. Wie soll ich mich verhalten?

Sie können sich -– zum Beispiel mit Hilfe von „Finanztest“ – einen ETF aussuchen und dann bei Ihrer Bank darauf bestehen, dass Sie in diesen Fonds einzahlen möchten. Oder Sie suchen sich einen unabhängigen Berater. Dann müssen Sie zwar Honorar nach Stundensätzen zahlen, sparen sich aber hohe Kosten zum Vertragsabschluss und möglicherweise hohe laufende Verwaltungskosten.

Ich möchte mein Geld für die Altersvorsorge sicher anlegen, bei Aktien bin ich misstrauisch. Gibt es noch Termingelder, die sich lohnen? Wie sicher sind etwa Angebote aus Österreich?

Rentable Angebote sind schwer zu finden. Sie funktionieren nach dem Motto: Je länger Sie das Geld anlegen, desto höher ist die Rendite. Üppig sind diese in Nullzinszeiten auch nicht mehr. Wir raten Ihnen, Ihr Geld höchstens für maximal drei Jahre festzulegen, damit Sie auf eventuelle Zinssteigerungen rechtzeitig reagieren können. Die günstigsten Angebote für Festgelder finden Sie bei Direktbanken, wobei der höchste Zins gegenwärtig bei 2,2 Prozent für drei Jahre Laufzeit liegt. Auf jeden Fall sind solche Tages- und Festgelder über das Anlegerentschädigungsgesetz europaweit abgesichert. Für Privatanleger – also nicht für Großinvestoren – gilt, dass bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank auch in Österreich gesichert sind. Wenn Sie verheiratet sind und über ein Gemeinschaftskonto mit Ihrer Frau verfügen, sind es bis zu 200.000 Euro.

Ich habe unter anderem für meine Altersvorsorge einen Anteil in Aktien angelegt, der jetzt ordentlich angezogen hat. Sollte ich jetzt die Gewinne mitnehmen oder lieber darauf hoffen, dass die Kurse weiter steigen und eventuell noch Aktien zukaufen?

Wir raten in jedem Fall zur Vorsicht. In der Vergangenheit war es keineswegs das Klügste, auf dem höchsten Stand der Kurse Aktien zu erwerben. Wir empfehlen, sich die Gewinne jetzt auszahlen zu lassen und Ihren Aktienbestand wertmäßig auf den Anteil zurückzuführen, wie er ursprünglich gewesen ist.

Ich bin Jahrgang 1955. Ist es richtig, dass ich mit 63 abschlagsfrei die Altersrente bekommen kann?

Das funktioniert nur, wenn Sie die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für die sogenannte Rente für besonders langjährig Versicherte erfüllen. In erster Linie müssen Sie also 45 Pflichtbeitragsjahre für die gesetzliche Rentenversicherung vorweisen. Wer wie Sie 1955 geboren ist, kann dennoch nicht sofort mit 63 Lebensjahren abschlagsfrei Altersrente bekommen. Denn für Versicherte, die nach 1952 geboren sind, wird die Altersgrenze schrittweise angehoben. Ihrem Jahrgang entsprechend können Sie demzufolge erst mit 63 Jahren und sechs Monaten eine abschlagsfreie Altersrente bekommen. Wenn das alles für Sie nicht zutrifft, können Sie gleichwohl mit 63 Jahren eine vorgezogene Altersrente beziehen, sofern Sie wiederum hierfür die Voraussetzungen erbringen. Benötigt werden 35 Jahre rentenrechtliche Zeiten. Die Abschläge würden in Ihrem Fall 9,9 Prozent betragen. (BLZ)