Wollte sich als Wohltäter zeigen: Tesla-Chef Elon Musk. 
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New York/SacrementoUm den Engpässen in US-Krankenhäusern in der Corona-Krise abzuhelfen, versprach Tesla-Chef Elon Musk Ende März die Schenkung von tausenden Beatmungsgeräten. Er wollte schnell die weltweit gesuchten Geräte organisieren und direkt an Krankenhäuser in New York City und Los Angeles ausliefern. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio erklärte auf Twitter seine „tiefe Dankbarkeit“ gegenüber Musk. Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, würdigte Musks „heroischen Einsatz“ in einer Pressekonferenz.

Nicht die gewünschten Beatmungsgeräte in New York

Doch wie der Tesla-Chef sein Versprechen umsetzte, wird mittlerweile von Medien heftig kritisiert. Die Zeitung Financial Times schrieb  Anfang April, dass Hunderte nach New York gelieferte Geräte eben nicht die von den Spitzenpolitikern erwarteten Beatmungsgeräte zur Behandlung lungenkranker Patienten gewesen seien.

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Es habe sich um Geräte für Menschen gehandelt, die beim Schlafen unter Atemstörungen leiden. Das sind in der Fachsprache „nicht-invasive“ Atmungshilfen. Solche Geräte werden millionenfach auch zu Hause eingesetzt und kosten ungefähr 800 Dollar pro Stück. Die dringend gesuchten Beatmungsgeräte für Intensivstationen dagegen kosten eher 50.000 Dollar pro Stück.

Wenige Tage nach diesem kritischen Artikel in der Financial Times postete eine New Yorker Krankenhausverwaltung ein Foto von einem Beatmungsgerät für kritisch erkrankte Lungenpatienten und dankte Musk für dieses eine „invasive“ Gerät der Firma Medtronic.

In Kalifornien allerdings scheinen auch drei Wochen nach Musks Versprechen noch gar keine Geräte angeliefert geworden zu sein. Das Presseamt des Gouverneurs Gavin Newsom konnte auf Nachfrage der Zeitung Sacramento Bee nicht melden, dass auch nur ein einziges in einem kalifornischen Krankenhaus eingetroffen sei. Die Firma Tesla hat der Zeitung daraufhin ein Interview verweigert.

Zeitung Sacramento Bee: Kein einziges Gerät ausgeliefert

Die Zeitung aus Sacramento bemängelte aber auch die mangelnde Transparenz des Gouverneurs in der Angelegenheit Tesla. Nur auf die Nachfrage räumte Newsom ein, dass die versprochenen Geräte gar nicht geliefert worden seien. „Er zeigt eine Unwilligkeit, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären, dass Musks Versprechen offenbar ein leeres Versprechen war, und dies, nachdem er das Versprechen so grandios angekündigt hat. Das lässt das Vertrauen erodieren“, kommentierte das Blatt.

Zugleich erklärte Newsom diese Woche in einer Talksendung des Senders MSNBC, dass er fast eine Milliarde Dollar für Schutzmasken für Kaliforniens Ärzte und Krankenpfleger, Supermarkt-Kassierer sowie Sozialarbeiter ausgeben wolle. Die Ankündigung schreckte andere, weniger finanzstarke US-Bundesstaaten auf, die mit solcher Konkurrenz um Krankenhausbedarf nicht mithalten können.