Der geplante Standort der Tesla-Gigafactory in Grünheide/Mark.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinEs ist fast tröstlich: Auch bei Elon Musk geht mal etwas schief. Am Donnerstag wollte der Tesla-Chef auf der Los Angeles Motorshow einen neuen Elektro-Boliden vorstellen, seinen neuen Pick-up „Cybertruck“. Und dann, einfach so, bricht bei dem angeblich sogar schusssicheren Fahrzeug eine Scheibe. Und auch Musks Mega-Deal zur geplanten „Giga Factory“ im brandenburgischen Grünheide wäre beinahe noch schiefgegangen. Überliefert ist, dass Musk den Vertrag fast noch platzen ließ, als ihm klar wurde, dass Grünheide gar nicht zu Berlin gehört. Erst, als man sich in der Kommunikation auf die Formulierung „Großraum Berlin“ geeinigt habe, heißt es, sei Musk wieder beschwichtigt gewesen. Dabei gibt es so etwas wie einen Großraum Berlin politisch betrachtet gar nicht. Und das ist durchaus ein Problem.

Berlin und Brandenburg sind zwar Nachbarn, bei dem Großprojekt der Tesla-Ansiedlung aber alles andere als nachbarschaftlich miteinander umgegangen. Monatelang verhandelte Brandenburg mit den Autovisionären aus dem Silicon Valley – und Berlin, das sich auch beworben hatte, bekam nichts mit.

Die Brandenburger waren sogar noch stolz darauf: „Wir wundern uns immer noch, wie es uns gelungen ist, die Sache so lange unter der Decke zu halten“, hieß es in Potsdam. Der Senat wurde erst am Dienstag vergangener Woche – dem Tag, als Musk Berlin besuchte – informiert, dass es „zeitnah eine Ankündigung geben“ werde, wo die Produktionsstätte entstehen soll, erzählte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne).

Brandenburg setzt Tesla-Taskforce ein

„Das ist eine hervorragende Nachricht für unser Land“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hinterher. „Ich bin glücklich, dass sich Elon Musk für unseren Standort Brandenburg entschieden hat“. Einigermaßen bizarr steht dazu der Tweet von Wirtschaftssenatorin Pop, die auf dem Kurznachrichtendienst schrieb: „Wer Visionen hat, kommt nach Berlin!“

Während in Berlin immer noch gegrübelt wird, was Elon Musk tatsächlich meinte, als er sagte, er wolle in Berlin ein Design- und Entwicklungszentrum bauen, füllen die Brandenburger ihren Vertrag mit Tesla nach und nach mit Leben. Die Landesregierung hat eine Taskforce eingesetzt, die die Ansiedlung unterstützen soll. Am gestrigen Freitag hat sie die Arbeit aufgenommen. Für das Unternehmen und die Beteiligten in der Kommune, dem Landkreis und den Ministerien soll es Ansprechpartner geben.

Und immer drängender stellen sich Fragen: Brandenburg oder Berlin? Oder doch: Brandenburg und Berlin! Was soll ein Amerikaner über Grenzen zwischen zwei deutschen Bundesländern wissen? Und was sagt der Tesla-Deal eigentlich über die Ansiedlungspolitik Berlins und Brandenburgs aus? Warum arbeiten die beiden Länder im Zweifel eigentlich eher gegen- als miteinander?

Berlin und Brandenburg als attraktive Mischung

Wenn die Werber der beiden landeseigenen Gesellschaften Berlin Partner und Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) auf internationalen Messen ihre Stände aufbauen, tun sie dies gemeinsam. Man arbeite gut zusammen, heißt es unisono aus Berlin und aus Potsdam. International gehe es darum, die Metropol- oder Hauptstadtregion als Ganzes anzupreisen.

Und tatsächlich ist die Mischung aus Fachkräftepotenzial (Berlin mit seiner starken Wissenschafts- und Forschungsszene) und Flächenpotenzial (Brandenburg mit seiner guten Verkehrsinfrastruktur) der „capital region“, wie sie international beworben wird, attraktiv. So wurde 2009 – drei Jahre vor der am Ende doch geplatzten Eröffnung des BER – ein gemeinsames Ansiedlungsteam für die Region um den künftigen gemeinsamen Flughafen gegründet. 40.000 zusätzliche Arbeitsplätze wurden geschaffen, obwohl bis heute noch kein einziges Flugzeug am BER gelandet oder gestartet ist.

Die Kooperation funktioniere auch anderer Stelle gut, sagt WFBB-Sprecher Alexander Gallrein. Dennoch, so sagt er, gingen beide Wirtschaftsförderungsgesellschaften „durchaus sportlich miteinander um“.

Mehr Miteinander statt klarer Abgrenzung

Wenn es hart auf hart kommt, will jeder  die größte Investition in sein Land zu holen. Wenn man auf die WFBB-Seite unter dem Stichwort „Wirtschaftsregion“ nachschaut, findet man eine Karte mit dem Autobahnnetz Brandenburgs – in der Mitte ein weißer Fleck mit dem Aufdruck Berlin. Das sieht ein bisschen so aus wie die DDR-Stadtpläne von Berlin, bei denen West-Berlin als weiße Fläche dargestellt wurde. Jeder wusste: Da ist etwas – aber was, das wissen wir nicht so genau.

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, hält solche Kleinstaaterei für schädlich. Es sei   bedauerlich, „dass von Seiten der Politik immer noch eine scharfe Grenze zwischen Berlin und Brandenburg gezogen wird“, sagte Eder der Berliner Zeitung. Dabei wäre nach seiner Meinung weder das eine noch das andere Land alleine zum Zuge gekommen. Gleichzeitig wäre die Ansiedlungsnachricht eine Chance für die Regierungschefs und Wirtschaftsminister beider Länder gewesen, den Erfolg für den Großraum gemeinsam zu präsentieren. „Dass sie die Chance haben verstreichen lassen, ist Ausdruck von Konkurrenzdenken, das mit modernem Metropolenmanagement nichts zu tun hat.“

Der Weg zu mehr Gemeinsamkeit bleibt jedenfalls weit. Erinnert sei an die Taxi-Posse von Schönefeld: Seit eh und je dürfen nur Fahrzeuge mit LDS-Kennzeichen (Landkreis Dahme-Spreewald) Fahrgäste vom in Brandenburg liegenden Flughafen einladen. Gleichzeitig dürfen nur Berliner Taxis in Berlin Passagiere aufnehmen und nach Schönefeld fahren. Auch das dürfte Elon Musk nur schwer zu erklären sein.