Ob Testament oder Patientenverfügung – solche Dokumente betreffen nicht nur einen äußerst sensiblen und privaten Bereich, sie haben auch weitreichende Folgen, sind sie erst einmal unterzeichnet. Ein Rechtsanwalt beziehungsweise ein Notar hilft bei den Formulierungen. Doch verlangt dieser für ihre Dienstleistungen ein Honorar. Eine andere Möglichkeit ist das private Schriftstück. Doch haben sich in selbstverfassten Dokumenten schnell auch mal Fehler eingeschlichen, die dann ungewollte Folgen haben.

Eine dritte Möglichkeit, die zum einen Rechtssicherheit schaffen will und günstiger bis kostenlos ist, sind sogenannte Online-Rechtsdienstleister wie zum Beispiel das Berliner Start-up Afilio. Über die Plattform lassen sich Vorsorgedokumente digital erstellen, die auch ohne Rechtsanwalt ab Unterschrift rechtsgültig sind. Das kann neben dem Testament und der Patientenverfügung auch die Pflegevorsorgevollmacht oder die Sorgerechtsverfügung sein.

Verständlich für Laien

Dafür führt das Portal durch einen Frage-Antwort-Katalog, um dann am Ende ein fertig formuliertes Dokument auszuspucken. Die Fragen sind einfach gehalten, und juristische Begriffe werden erläutert, sodass auch Laien den Prozess nachvollziehen können. „Vordrucke, die im Internet zu finden sind, sind nicht spezifisch auf den individuellen Fall zugeschnitten, darüber hinaus sind viele Dokumente veraltet und damit nicht rechtssicher“, sagt Philip Harms, Gründer und Geschäftsführer von Afilio. Die Fragenkataloge des Onlinedienstleisters sind zusammen mit einer Partnerkanzlei erstellt worden. Eine individuelle Rechtsberatung bietet Afilio allerdings nicht.

Beim Testament verweist Afilio dann auch schon mal an einen Fachanwalt, wenn die Verwandtschaftsverhältnisse zu komplex sind oder etwa Unternehmen vererbt werden. Die größere Nachfrage bestehe laut Harms bei Patientenverfügungen und der Pflegefallvorsorge. Nach eigenen Angaben zählt Afilio insgesamt mehr als 120.000 Nutzer. Zahlen können Nutzer freiwillig, ansonsten ist der Dienst kostenlos. Finanzieren könne sich das Start-up laut Harms dennoch größtenteils aus den freiwilligen Zahlern.

Andere Informationen trotzdem einholen

Die Berliner Gründer sind nicht die einzigen digitalen Vorsorge-Assistenten. Smartlaw, Janolaw, Das Recht und Schwantestament versprechen ähnliche Dienste. Bei einer Untersuchung von Stiftung Warentest im September 2018 schnitt Afilio insgesamt mit der Note „gut“ ab und war damit zusammen mit dem Konkurrenten Smartlaw Testsieger. Andere bekamen Abzüge, weil der Erstellprozess der Dokumente zu kompliziert war oder Eingabefehler von Nutzern nicht erkannt wurden.

„Fehlende Rückfragen durch die Portale können dazu führen, dass jemand ein Dokument mit unliebsamen Folgen erstellt – ohne das zu wissen“, warnt die Stiftung Warentest. Die Untersuchung bezog sich allerdings allein auf die Erstellung von Testamenten.

Eine Hilfe könne ein solches Tool durchaus sein, urteilen die Tester, allein darauf vertrauen, ohne andere Informationen einzuholen, sollte aber niemand.