Im Berliner Bezirk Friedrichshain muss ein Geldtransport schon früh am Morgen des 1. Juli 1990 Nachschub zu Deutschen Bank Berlin bringen. Die beiden größten Privatbanken des Landes begehen ihr 150. Jubiläum. Dass Anfang 1870 sowohl die Deutsche Bank als auch die heutige Commerzbank gegründet wurden, ist nur eine von zahlreichen Parallelen. 
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Frankfurt/MainDeutschlands Banken haben endlich wieder etwas zu feiern: Die beiden größten Privatbanken des Landes begehen ihr 150. Jubiläum. Dass Anfang 1870 sowohl die Deutsche Bank als auch die heutige Commerzbank gegründet wurden, ist nur eine von zahlreichen Parallelen. Fast wäre es 2019 sogar noch zur großen Bankenhochzeit gekommen, doch stattdessen versuchen die beiden Wettbewerber nun mit Stellenabbau und Konzernumbau unabhängig voneinander der durch das Zinstief verschärften Ertragsschwäche im umkämpften Heimatmarkt sowie wachsendem Druck durch Tech-Unternehmen Paroli zu bieten.

Auch der Anfang im Kaiserreich ist schwer. Die Deutsche Bank, die am 10. März 1870 von Wilhelm I. die Konzession erhält und am 9. April 1870 in Berlin ihre Geschäftstätigkeit aufnimmt, setzt sich zum Ziel, „Bankgeschäfte aller Art zu betreiben, insbesondere die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, den übrigen europäischen Ländern und überseeischen Märkten zu fördern und zu erleichtern“.

Deutsch-Banker der Gründerzeit kämpferisch

Doch schon im Bericht über das erste volle Geschäftsjahr 1871 räumt die damalige Führung der Deutschen Bank Actien-Gesellschaft ernüchtert ein: „Das gesteckte Ziel der Erleichterung directer Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den fremden, namentlich überseeischen Märkten ist ein schwer zu erreichendes. Das commercielle und finanzielle Uebergewicht Englands verweiset den Kaufmannsstand der überseeischen Plätze fast allein auf London.“

Die Deutsch-Banker der Gründerzeit zeigen sich kämpferisch: „Wir haben uns durch diese Schwierigkeiten indessen nicht abhalten lassen, unser Ziel unverrückt zu verfolgen.“ Die Ausdauer zahlt sich aus: Bald nach seiner Gründung finanziert das Geldhaus den Aufstieg der heimischen Industrie: Kohle, Stahl, Textil. Auch das deutsche Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg braucht starke Finanzierer. Die Deutsche Bank wirbt: „Wünsche werden Wirklichkeit“.

Über Beteiligungen an allen wichtigen deutschen Konzernen macht sich die Deutsche Bank im Geflecht mit der Industrie über Jahrzehnte hinaus unverzichtbar, der spätere Vorstandschef Rolf Breuer (1997-2002) gilt als „Strippenzieher der Deutschland AG“. Auf den internationalen Finanzmärkten spielt Deutschlands größtes Geldhaus über Jahre auch dort mit, wo später Aufseher und Juristen die Scherben zusammenkehren und Milliardenstrafe verhängen.

Commerzbank begann am 25. April 1870 die Geschäftstätigkeit

Die Commerzbank, am 26. Februar 1870 von hanseatischen Kaufleuten und Privatbankiers unter dem Namen „Commerz- und Disconto-Bank in Hamburg“ gegründet, beginnt am 25. April 1870 ihre Geschäftstätigkeit in der Hansestadt. Schon für die Gründerväter hat „die Verbindung von nationalem und internationalem Geschäft wie auch die Ausrichtung auf mittelständische Kunden eine zentrale Bedeutung“, wie der spätere Konzernchef Martin Blessing (2008-2016) zum 140. Jubiläum erinnert. Seit Anfang der 1930er Jahre zählt das Institut zu Deutschlands führenden Banken, seit 1940 unter dem Namen Commerzbank.

Die goldenen Zeiten für Banker sind vorerst vorbei. Die Deutsche Bank versucht seit mindestens zwei Jahrzehnten, die richtige Balance zwischen eher biederem Privatkundengeschäft und tendenziell riskanterem Kapitalmarkttreiben zu finden. Christian Sewing, jüngster Vorstandschef in der 150-jährigen Geschichte des Instituts, schrumpft den globalen Anspruch des größten deutschen Geldhauses.

Sicherheitshalber spannt Sewing selbst den Bogen zu den Wurzeln der Bank als er im Juli 2019 seinen über Monate ausgetüftelten radikalen Umbauplan präsentiert: „Die Bank fokussiert sich jetzt auf das, was sie wirklich gut kann.“ Kern der neuen Deutschen Bank soll die neue Sparte Unternehmensbank werden, die sich um Mittelständler, Familienunternehmen und multinationale Konzerne kümmert. Damit habe das Institut „endlich wieder eine Firmenkundenbank, die weltweit da ist“, schwärmt Sewing. „Das ist die DNA der Deutschen Bank, das ist das, wofür die Bank vor 150 Jahren gegründet worden ist.“

Einzige Idee: Sparen, streichen, schrumpfen

Wie so oft kommt die lange als Übernahmekandidatin gehandelte Commerzbank, deren größter Aktionär seit Übernahme der kriselnden Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise 2008 der deutsche Staat ist, nüchterner daher. „Commerzbank 5.0“ nennen die Manager um Vorstandschef Martin Zielke ihr Programm für die nächsten Jahre. Doch auch den Strategen in Deutschlands höchstem Bürogebäude fällt größtenteils kaum anderes ein als den Wettbewerbern in den nahen Zwillingstürmen der Deutschen Bank: Sparen, streichen, schrumpfen.

Die Zentralen der beiden größten deutschen Privatbanken prägen heute das Gesicht Frankfurts. Am 2. Mai 1957 wird die Stadt am Main zum Sitz der Deutschen Bank AG, die Commerzbank zentralisiert ab 1970 ihre Hauptverwaltungen in Frankfurt und hat dort seit 1990 auch ihren juristischen Sitz. Indes: Nach außen mögen die Fassaden an Deutschlands führendem Finanzplatz noch so glänzen, die Bilanzen beider Banken fallen seit Jahren nicht sehr rosig aus. Und der Präsident der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, machte der Branche vor einigen Monaten wenig Hoffnung auf baldige Besserung der Lage: „Ich glaube, die nächsten zwei, drei Jahre gehören beinhart den Themen (...) Restrukturierung, Kosten- und Komplexitätsreduzierung.“