Tier-Chef: Brauchen deutlich mehr Abstellplätze

Der E-Scooter-Anbieter Tier strebt in Berlin eigenen Angaben zufolge ein sogenanntes Hybridmodell aus Stationen und frei herumstehenden E-Tretrollern an - do...

ARCHIV - E-Scooter stehen auf speziell für sie angelegten Parkplätzen.
ARCHIV - E-Scooter stehen auf speziell für sie angelegten Parkplätzen.Christoph Schmidt/dpa/Symbolbild

Berlin-Der E-Scooter-Anbieter Tier strebt in Berlin eigenen Angaben zufolge ein sogenanntes Hybridmodell aus Stationen und frei herumstehenden E-Tretrollern an - doch dafür braucht es aus Sicht von Tier-Chef Lawrence Leuschner deutlich mehr feste Stellplätze. „Wir brauchen Tausende“, sagte er am Rande der Einweihung der neuen Firmenzentrale am Donnerstag in Berlin. Aktuell gebe es lediglich rund 40 feste Parkstationen, wo die Roller abgestellt werden können, ohne dass sie Gehwege, Zufahrten oder Eingänge versperren. Auch der Senat will gemeinsam mit den Bezirken mehr Stellplätze schaffen.

Seit Anfang September gelten neue Regeln für E-Scooter- und andere Sharing-Anbieter in der Hauptstadt. Sie brauchen seither eine kostenpflichtige Sondernutzungserlaubnis. Zudem wurden die Anbieter verpflichtet, etwa über eine Foto-Beleg-Funktion in ihren Anwendungen das geordnete Abstellen der Fahrzeuge zu gewährleisten.

Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) warb am Donnerstag für die weitere gemeinsame Suche nach Lösungen zwischen Senat und den Unternehmen. Achtlos abgestellte oder hingeworfene E-Scooter seien für viele Bürgerinnen und Bürger ein großes Ärgernis. „Wenn ich mir angucke, warum die Leute sich bei mir aufregen und sich beschweren, dann ist das echt ein Punkt“, betonte Giffey. Zu keiner anderen Branche gingen beim Bürgerservice so viele Beschwerden ein.

Seit 2019 sind E-Scooter auf deutschen Straßen zugelassen. Die Anbieter bewerben sie als nachhaltige Ergänzung zum Öffentlichen Personennahverkehr und als Alternative zum Auto. Doch Studien zeigen, dass die Leihfahrzeuge eher Fußwege ersetzen als Autofahrten. Tier-Chef Leuschner betonte, Lieferketten und Produktionsweisen auf sozial und ökologisch nachhaltige Weise umstellen zu wollen. Derzeit brauche es dafür vor allem die Kompensation über CO2-Zertifikate. Bis 2050 soll das nicht mehr nötig sein.

Die Branche ist im Umbruch. Erst vor wenigen Wochen hatte Tier angekündigt, 180 Stellen abzubauen. Statt auf Wachstum zu setzen, muss das Unternehmen sparen und setzt fortan auf Profitabilität.