Ein faltbarer Helm aus der Box am Lenker.
Foto: Tier Mobility

BerlinDas Ding ist nicht einmal so groß wie ein Schuhkarton, natürlich viel schicker, und „smart“ ist es sowieso: eine schwarze Box und darin ein faltbarer Schutzhelm, der das Verletzungsrisiko von E-Scooter-Dompteuren reduzieren soll, wenn sie sich in jenen Verkehrsraum wagen, den Autofahrer oft nur ungern mit aus ihrer Sicht niederen Mobilitätsformen zu teilen bereit sind. Den Helm in der Box am Lenker bietet Tier Mobility nach eigenen Angaben weltweit als erster E-Scooter-Anbieter.

Bei dem Berliner Start-up hat man das Helmangebot selbst entwickelt und inzwischen sogar zum Patent angemeldet. Der Helm entspräche der europäischen Fahrradhelm-Prüfnorm EN 1078 und werde alle fünf Fahrten einer Qualitätskontrolle unterzogen. Das dürfte vorerst problemlos machbar sein. Denn zunächst bringt Tier in Berlin und Paris jeweils 100 Scooter zum Einsatz. Bis zum Sommer sollen dann 5.000 Fahrzeuge der europaweit insgesamt 40.000 Scooter umfassenden Tier-Flotte eine Helmbox bekommen. Zudem soll die Lösung auch von anderen genutzt werden können. Laut Tier-Chef und -Mitgründer Lawrence Leuschner wolle man sie „allen anderen E-Scooter-Sharing-Unternehmen weltweit zur Verfügung stellen“.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Scooter-Verleihern hatte Tier seine Roller während des Shutdowns nicht abgezogen. Allerdings hatte man während dieser Zeit insgesamt einen  Buchungsrückgang um etwa 80 Prozent verzeichnen müssen, woraus sich recht zuverlässig schließen lässt, dass Touristen eben doch einen sehr hohen Anteil vom Geschäft bestreiten. Bislang hatten die Verleiher diesen Anteil allen falls „im niedrigen zweistelligen Prozent-Bereich“ angesiedelt.

Leuschner ist zuversichtlich: „Wir sind darauf eingerichtet, uns schnell anzupassen, und wir konzentrieren uns jetzt auf die gestiegene Nachfrage, die durch die Verlagerung auf den Individualverkehr in Zeiten von Social Distancing entsteht“, sagt der Tier-Chef. In Paris und Bordeaux testet Tier darüber hinaus ein sogenanntes antibakterielles Kupfer-Tape an den Lenkern seiner E-Scooter, das aufgrund seiner selbstdesinfizierenden Eigenschaften nahezu alle Viren in nur wenigen Minuten abtöten soll.

Das erst 2018 gegründete Unternehmen mit Sitz am Potsdamer Platz ist mittlerweile in fast 60 Städten in neun Ländern unterwegs und beschäftigt etwa 450 Mitarbeiter. Bislang haben Investoren das Start-up mit mehr als 90 Millionen Euro versorgt. Erst im Februar hatte das Unternehmen die E-Moped-Flotte der ehemaligen Bosch-Tochter Coup übernommen, die sich Ende 2019 aus dem Sharing-Geschäft zurückgezogen hatte. Seit langem wird außerdem erwartet, dass Tier auch noch ins Geschäft mit Leihfahrrädern einsteigt.