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BerlinAn den Börsen geht es derzeit auf und ab – niemand weiß, wann Wirtschaft und Börse wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen. Was wird so lange aus den Geldanlagen? Wie spart man richtig in solch turbulenten Zeiten? Fragen zum Thema beantworteten die Finanzfachleute Petra Hauschulz von der Stiftung Warentest/Finanztest und Frank Schöndorf vom deutschen Fondsverband BVI während unserer Lesertelefonaktion. Hier eine Zusammenfassung:

Ich bin knapp über 60. Lohnt es sich in dieser unruhigen Zeit noch für mich, einen Aktienfonds zu kaufen – mit der Gefahr, dass die Börsen sich nicht erholen?

Entscheidend sind Ihr Anlagehorizont und Ihre Risikobereitschaft. Wenn Sie das Geld mindestens fünf bis zehn Jahre anlegen können und bereit sind, zwischenzeitliche Wertschwankungen zu akzeptieren, kommen Aktienfonds durchaus infrage. In der Vergangenheit sind auf starke Kursrückgänge immer Erholungen an den Börsen gefolgt.

Was ist mit Rentenfonds? Soll man die kaufen, wenn man sich mit niedrigen, aber relativ sicheren Renditen zufrieden geben will?

Rentenfonds investieren in festverzinsliche Wertpapiere. Bedenken Sie, dass wir uns in einer extremen Niedrigzinsphase befinden. Da sich dies in der nächsten Zeit kaum ändern dürfte, sind die Ertragsaussichten eher gering.

Sind die gegenwärtigen Börsenkurse Einstiegskurse?

Niemand kann sicher sagen, ob wir die Tiefstkurse bereits gesehen haben oder noch weitere Abwärtsbewegungen folgen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass die Kurse auf lange Sicht immer gestiegen sind. Daher hat sich eine Aktienfondsanlage in aller Regel gelohnt. Es bedarf allerdings einer gewissen Ausdauer. Kurzfristdenken ist hier fehl am Platz.

Ich wollte eine Wohnung in Berlin als Anlageobjekt kaufen, habe das aber wegen Corona zurückgestellt. Jetzt rechne ich damit, dass die Preise fallen. Sollte ich noch weiter warten?

Wie sich der Immobilienmarkt in der nächsten Zeit entwickeln wird, kann heute niemand sagen. Und wann der optimale Zeitpunkt für einen Kauf ist, ebenfalls nicht. Wenn Sie sicher sind, dass eine vermietete Wohnung für Sie die richtige Geldanlage ist, suchen Sie weiter und verhandeln Sie über den Preis.

Ich halte größere Aktienbestände in US-Unternehmen. Mir scheint die Wirtschaft dort zumindest mittelfristig sehr schwach zu sein. Sollte ich Gewinne wenigstens teilweise realisieren oder eher dazukaufen?

Die US-Wirtschaft befindet sich wie fast alle Volkswirtschaften in einer Rezession. Wie gravierend der Abschwung ist und wie lange er dauert, kann seriös nicht vorhergesagt werden. Achten Sie deshalb auf eine ausreichende regionale Streuung Ihres Vermögens. Dazu gehört auch ein gewisser Anteil an amerikanischen Werten – entweder als Direktanlage oder in Form von Aktienfonds.

Mein Bankberater hat mir kurz vor der Corona-Krise einen Sparplan in einen global anlegenden Aktienfonds empfohlen, um noch etwas für die Rente in 15 Jahren zu tun. Sollte ich nun besser warten, bis sich die Börsen wieder beruhigt haben?

Da Sie noch 15 Jahre Zeit bis zur Rente haben, ist die Empfehlung in Ordnung. In der Vergangenheit haben sich lang laufende, breit streuende Aktienfonds besser entwickelt als andere Anlageformen. Zwischenzeitliche Wertschwankungen lassen sich ausgleichen. Warten Sie nicht. Bei den derzeit niedrigen Kursen können Sie bei gleicher Summe mehr Anteile erwerben als bei höheren Kursen. Sie könnten also selbst dann profitieren, sollten die Märkte noch einmal kurzfristig nach unten gehen.

Wäre Gold für solche turbulenten Zeiten eine Alternative?

Beachten Sie, dass Gold keine Zinsen oder sonstigen Erträge bringt. Wie sich eine solche Anlage entwickelt, hängt ausschließlich vom Goldpreis ab. Der ist zwar in letzter Zeit stark geklettert, aber er ist in der Vergangenheit auch schon stark gefallen. Außerdem entstehen Kosten für die Aufbewahrung. Eine Alternative könnte ein Goldminenfonds sein. Diese investieren in Aktien von Goldproduzenten. Ihre Anlage wäre breiter gestreut und weniger schwankungsanfällig. Zudem können Sie Erträge über die Ausschüttungen des Fonds erhalten. Insgesamt sollte Gold nicht mehr als zehn Prozent Ihrer Gesamtanlagen ausmachen.

Vor etwa zwei Jahren habe ich eine größere Summe in einen Fonds gelegt, der in Dax-Unternehmen investiert. Inzwischen ist der Wert stark dezimiert. Sollte ich besser verkaufen?

Wenn Sie das Geld jetzt nicht benötigen, sollten Sie das nicht tun. Denn bisher stehen Ihre Verluste ja nur auf dem Papier. Erst durch einen Verkauf würden sie real. Wertschwankungen hat es bei Fonds immer gegeben. Aber auf lange Sicht sind Anleger in der Regel gut damit gefahren. Einen Teil der zeitweiligen Verluste hat der Dax inzwischen aufholen können.

Wie lange sollte man einen Investmentfonds mindestens halten?

Investmentfonds sind nichts für die kurzfristige Geldanlage. Da es an den Märkten immer wieder zu Wertschwankungen kommt, sollten Sie einen Horizont von fünf, besser zehn Jahren ins Auge fassen. Nur so können Fonds ihr langfristiges Ertragspotenzial zur Geltung bringen. Für den Notfall sind Sie allerdings auch flexibel und können Ihre Anteile börsentäglich verkaufen. Eine Ausnahme sind offene Immobilienfonds, für die eine Mindesthaltefrist von zwei Jahren gilt.

Ich bin Mitte 80 und möchte nur für einen kurzen Zeitraum von zwei bis drei Jahren anlegen. Da kommen doch Fonds nicht infrage, oder?

Nein, für solch einen kurzen Zeitraum kommt nur Festgeld infrage. Finanztest veröffentlicht monatlich aktuelle Konditionen über verschiedene Zeiträume. Auch im Internet können Sie Angebote finden und vergleichen.

Ich habe 50.000 Euro, die ich über mindestens zehn Jahre anlegen möchte, weil ich das Geld nicht benötige. Was wäre eine gute Mischung?

Verteilen Sie das Geld auf verschiedene Arten von Fonds. Suchen Sie sich einen Aktienfonds, einen gemischten Fonds und einen offenen Immobilienfonds. Beim Aktienfonds ist das Risiko von Wertschwankungen etwas höher, dafür aber auch die Aussicht auf Rendite. Ein gemischter Fonds investiert sowohl in Aktien als auch in festverzinsliche Wertpapiere, was die Schwankungen ebenso wie die Rendite etwas drosselt. Schwankungsarm ist auch ein offener Immobilienfonds. Hier ist eine Mindesthaltepflicht von zwei Jahren zu beachten. Wichtig: Legen Sie nicht alles auf einmal an. Kaufen Sie die Anteile zeitlich versetzt, so umgehen Sie einen einzigen ungünstigen Einstiegspunkt.

Ich habe ein unbelastetes Haus und freies Vermögen von 45.000 Euro. Mein Bankberater empfahl mir, das ganze Geld in Immobilienfonds zu stecken. Ist das klug?

Wenn Sie ohnehin schon den größten Teil Ihres Vermögens in einer Immobilie stecken haben, sollten Sie das freie Geld anders und flexibler anlegen. Hier käme eine Mischung aus Tages- und Festgeld sowie Investmentfonds infrage. Wünschen Sie keinerlei Risiko, bleiben Sie bei Tages- und Festgeld.

Kann man in der derzeitigen Lage Geld in Indexfonds, sogenannte ETFs, anlegen?

Ja, durchaus: Die gegenwärtig niedrigen Kurse können Sie zum Einstig nutzen. Sie sollten allerdings keine Angst vor eventuell noch weiteren kurzzeitigen Wertschwankungen haben. Bringen Sie genügend Zeit mit, mindestens fünf Jahre. In der Vergangenheit sind auf Kursrückgänge langfristig immer Kursanstiege gefolgt. Wenn Sie einen größeren Betrag anzulegen haben, setzen Sie nicht alles auf einmal ein, sondern teilen Sie den Betrag in vier oder fünf Teilbeträge und kaufen Sie dann die Fondsanteile über ein halbes oder ganzes Jahr verteilt.

Sollte ich meinen ETF-Sparplan wegen der kritischen Wirtschaftslage aussetzen?

Nein, keinesfalls. Mit einem Sparplan haben Sie ja einen langen Zeitraum ins Auge gefasst. Wer jetzt zu günstigen Preisen seine Fondsan- teile kauft, profitiert in Zukunft von steigenden Kursen.

Ich interessiere mich für ökologische Anlagen. Was kann man empfehlen?

Nehmen Sie keine Direktanlage bei Einzelfirmen wie Windparks oder Plantagen. Das ist eine unternehmerische Beteiligung mit hohem Risiko. Geht das Unternehmen pleite, ist Ihr Geld verloren. Es gibt in Deutschland mehrere Banken, die nach ethischen Kriterien wirtschaften. Dort kann man Tages- oder Festgeld anlegen, allerdings derzeit zu sehr niedrigen Zinsen. Es gibt auch schon eine vernünftige Auswahl an Investmentfonds, die nach ethischen Kriterien anlegen. Hier ist das Risiko breit gestreut. Je nach Risikobereitschaft kann man zwischen Aktien-, Renten- oder Mischfonds wählen.

Was ist ein Robo-Advisor?

Advisor heißt auf deutsch Berater. Dahinter steht ein Computerprogramm, das Anlegergeld standardisiert anhand von mathemathischen Algorithmen verwaltet. Die Anlage erfolgt meist in Investmentfonds. Nachdem die Wünsche des Kunden abgefragt wurden, schlägt der Robo-Advisor ein Anlagekonzept vor. Ist man damit einverstanden, schließt man einen Vermögensverwaltungsvertrag. Zunächst wird das Geld angelegt wie vorgeschlagen. Umschichtungen werden dann aber ohne weitere Abstimmungen mit dem Kunden vorgenommen. Für diese Dienstleistungen werden Gebühren fällig.