Das Börsenjahr 2015 ist wahrlich keines für schwache Nerven. Erst kletterte der Deutsche Aktienindex (Dax) auf ein Rekordhoch von fast 12.400 Punkten. Dann stürzte er wieder weit unter 10.000 Zähler. Und anschließend stieg er plötzlich wieder kräftig.

Fresenius, Beiersdorf Adidas & Co

Für viele Anleger sind solche enormen Schwankungen, wie sie der Dax in diesem Jahr wieder einmal erlebt, ein Grund, ganz von der Börse fern zu bleiben. Es gibt allerdings Aktien, die dieses heftige Auf und Ab im laufenden Jahr nicht mitgemacht haben und deren Kurse praktisch nur eine Richtung kannten: nach oben! Selbst in den schwachen Börsenmonaten April bis September, als der Dax insgesamt um über 25 Prozent einbrach, haben die Kurse dieser Aktien kaum nachgegeben.

Im Dax sind das beispielsweise die Aktien des Gesundheitskonzerns Fresenius, des Kosmetikproduzenten Beiersdorf, des Sportartikelkonzerns Adidas oder der Deutschen Börse AG. Alle vier Aktien notieren aktuell annähernd auf ihrem Jahreshoch. Insgesamt ist der Dax dagegen trotz einer fulminanten Aufholjagd Ende Oktober noch ein ganzes Stück von seinem Rekordhoch vom April entfernt.

Noch spektakulärer lief es in diesem Jahr bislang für die Aktien großer US-Internet-Konzerne wie Amazon und Google. Dank positiver Quartalsergebnisse stießen deren Kurse in ganz neue Dimensionen vor. Seit Jahresanfang beträgt der Zuwachs der Amazon-Aktie bereits weit mehr als 100 Prozent. Seit November 2008, dem Höhepunkt der Finanzkrise, hat sich der Kurs des weltgrößten Online-Versandhändlers sogar versiebzehnfacht. Bei Google (offizieller Name heute Alphabet) beträgt der Zuwachs seit Jahresanfang immerhin rund 50 Prozent. Seit November 2008 hat sich der Kurs versechsfacht.

Nachhaltige Dividenden

Für andere Aktien großer Konzerne ging es in diesem Jahr dagegen bislang nur steil bergab. Im Dax erwischte es die Aktien der Energieriesen RWE und Eon sowie des vom Abgas-Skandal geplagten Volkswagen-Konzerns. Eon verlor seit Jahresbeginn gut ein Drittel seines Wertes, RWE und VW sogar fast die Hälfte. Alle Anleger, die diese Papiere im laufenden Jahr nicht im Depot hatten, können sich glücklich schätzen.

Doch werden diese Aktien auch die Verlierer im nächsten Jahr sein? Und werden die Gewinner 2015 auch die Gewinner 2016 sein? Auf welche Aktien sollten Anleger im Hinblick auf das nicht mehr allzu ferne neue Jahr heute noch setzen? Die Berliner Zeitung hat Vermögensverwalter nach ihren Börsenfavoriten für 2016 befragt.

Für Christian Gründler, Berater der Finum Private Finance AG in Berlin, zählt eine der Top-Aktien dieses Jahres tatsächlich auch zu den aussichtsreichsten Werten im kommenden Jahr: die des Gesundheitskonzerns Fresenius. Zudem empfiehlt er aus dem Dax die Aktien des Softwareherstellers SAP und des Versicherungskonzerns Allianz. Ansonsten stehen aber vor allem bekannte US-Werte auf seiner Einkaufsliste: Explizit nennt er den Konsumgüterhersteller Procter & Gamble, Coca Cola, McDonald’s, sowie den Telekommunikationsanbieter Verizon.

Darüber hinaus empfiehlt er aus Frankreich den Mineralölkonzern Total, und den Pharmahersteller Sanofi sowie British American Tobacco aus Großbritannien. Als Begründung für seine Empfehlungen nennt Gründler die solide Wirtschaftslage der von ihm genannten Unternehmen. Sie seien nachhaltig gewachsen und versprächen auch weiteres Wachstum. Hinzu komme eine verlässliche Dividendenzahlungen in den vergangenen Jahren.

Die Dividende ist auch für Maik Bolsmann, Geschäftsführer der B&K Vermögen GmbH in Köln von großer Bedeutung. Er setzt auf Qualitätsunternehmen mit guter Ertragslage und verlässlichen, nachhaltigen Ausschüttungen. Zu seinen Favoriten zählen im Dax BASF, Daimler und die Allianz. Hinzu kommen die US-Konzerne Procter & Gamble, Johnson & Johnson und General Electric sowie die Schweizer Pharmahersteller Novartis und Roche. „Diese Unternehmen stellen seit Jahren verlässliche Dividenden in Aussicht und bieten Anlegern auf dem aktuellem Niveau einen günstigen Einstieg“, so Bolsmann.

Den optimalen Zeitpunkt gibt es nicht

Keine konkreten Einzelempfehlungen geben will Thomas Buckard, Vorstand der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen AG aus Wuppertal. „Mit Klassikern aus dem MDax oder EuroStoxx50 ist man immer gut investiert“, sagt Buckard. „In erster Linie sollte der Anleger bei der Aktienauswahl darauf achten, ob das entsprechende Unternehmen ein für ihn nachvollziehbares Geschäftsmodell hat.“

Doch wann sollte man einsteigen, wenn man noch nicht investiert ist? Sollten Anleger nach dem jüngsten Kursanstieg lieber noch etwas warten, ob die Kurse wieder etwas zurückgehen, um günstiger zuzugreifen? Buckard hält von dieser Abwartetaktik nichts. „Den perfekten Zeitpunkt für den Einstieg erwischt man nie“, sagt er. „Er wird auch niemals kommen, denn dabei handelt es sich um eine rein subjektive Einschätzung.“

Von Fall zu Fall müsse der Anleger deshalb neu entscheiden und prüfen, ob die zu erwartende Rendite auch nachhaltig sei. Anleger müssten sich insbesondere folgende Fragen stellen: Kann die Rendite im nächsten Jahr ähnlich ausfallen wie heute? Oder handelt es sich um eine Sondersituation, wie wir sie jetzt bei VW erleben? Auf jeden Fall müsse man für sich eine Entscheidung treffen und umsetzen: „jetzt kaufen oder verkaufen“ – das nimmt Ihnen keiner ab, sagt Buckard. Ein weiterer Ratschlag Buckards: „Nach einem Kauf sollte man nicht schon gleich am nächsten Tag verfolgen, wie der Neuerwerb sich entwickelt. Geduld ist auch an den Kapitalmärkten eine der ersten Tugenden.“