Für guten Wein haben die meisten Bundesbürger nicht viel übrig: Gerade einmal 2,89 Euro lassen sich die Deutschen im Schnitt eine Flasche vergorenen Traubensaft kosten. Alexander Margaritoff, der frühere Chef des Weinhandelskonzerns Hawesko (zu dem auch die Läden von Jacques’ Weindepot gehören), kann das nur bestätigen: Wenn ein Franzose oder Italiener, einen Weinladen betrete, frage er grundsätzlich nach den besten Weinen, ein Deutscher dagegen in der Regel nur nach den billigsten.

Es gibt allerdings auch eine Minderheit an Menschen hierzulande, die für edlen Wein richtig tief in die Tasche greifen. Unter ihnen sind einige, die ihren Wein gar nicht selbst genießen wollen: Stattdessen wollen sie die Flaschen später mit möglichst hohem Gewinn weiterverkaufen, also nur an seinem Wertzuwachs verdienen.

In den vergangenen Jahren funktionierte das Geschäft mit den edlen Tropfen tatsächlich prächtig. Die Preise sind teilweise kräftig gestiegen. Das gilt allerdings nur für ausgewählte, erlesene Weine aus bestimmten Regionen und bestimmter Jahrgänge. So eignen sich Experten zufolge deutsche Weine kaum als Geldanlage, dafür aber umso mehr Weine aus den berühmten französischen Anbaugebieten Bordeaux und Burgund. „Wer im Bordeaux bei den sehr gefragten Weingütern frühzeitig vorbestellt (subskribiert), kann manchmal schon bei der Auslieferung durch einen Weiterverkauf ein Vielfaches des Kaufpreises erzielen“, sagt Philipp Müller, Portfoliomanager der Performance IMC Vermögensverwaltung in Mannheim.

Eine andere Methode, um günstig an wertvollen Wein zu kommen ist es, nach Auflösungen privater Sammlungen Ausschau zu halten. Wer Glück hat, kann auf diese Weise Raritäten zum Schnäppchenpreis erwerben. Allerdings gibt es für den Käufer auch ein Risiko: Er kann nur schwer erkennen, ob die Flaschen über all die Jahre vernünftig gelagert wurden. Weniger teuer und riskant ist es, im Supermarkt noch junge, hochwertige Weine zu kaufen und sie dann ein paar Jahre lang zu lagern. Oftmals legen diese in relativ kurzer Zeit stark an Wert zu.

Bis zu 15 Prozent des Ersparten

Der teuerste Wein aller Zeiten ist übrigens ein Château Lafite aus dem Jahr 1869: Bei einer Auktion in Honkong im Jahr 2010 zahlte ein Käufer 230.000 US-Dollar dafür – pro Flasche. Einen Überblick über die jeweils aktuelle Preisentwicklung bieten die Londoner Weinhandelsplattform live-ex.com oder auch Fachzeitschriften wie Wine Advocate oder die Revue du Vin de France. „Investoren sollten aber beachten, dass die hohen Preise von Spitzenweinen in den letzten Jahren stark von der Nachfrage aus Russland und China geprägt waren, die nicht immer so hoch bleiben muss“, warnt Experte Müller. Die aktuelle Wirtschafts- und Börsenkrise in China könnte sich da womöglich schon negativ bemerkbar machen.

„Weine haben dann große Chancen an Wert zu gewinnen, wenn sie von höchster Qualität, nur begrenzt verfügbar sind und rein aus einem Anbaugebiet stammen“, sagt Stephan Witt, Kapitalmarktstratege der Finum Private Finance in Berlin. „Wein ist deshalb ein alternativer Sachwert, der sicher auch in Krisenzeiten den ein oder anderen Investor lockt und somit die Nachfrage nach diesem begrenzt verfügbaren Gut steigen lässt“, so Witt.

Dennoch mahnt der Experte zur Vorsicht: „In erster Linie eignen sich Investments in Wein natürlich für Kenner. Noch spezieller als bei Aktien oder Anleihen ist hier ein Fachwissen notwendig, um entsprechende Einschätzungen zu erlangen, ob das jeweilige Anlageobjekt auch als solches geeignet ist.“ Witt empfiehlt denn auch, maximal fünf bis 7,5 Prozent des ersparten Geldes in Wein anzulegen.

Müller sieht das ähnlich: „Im Gegensatz zu Auto-Oldtimern oder seltener Kunst werden jedes Jahr neue Weine produziert“, sagt er. „Nur ganz wenige Tropfen bestimmter Hersteller sind deshalb mit den Jahren immer gefragter.“

Im Gegensatz zu Witt ist Müller aber durchaus der Meinung, dass bis zu 15 Prozent des Gesamtvermögens in Wein investiert werden könne – allerdings nur, wenn das Bankkonto entsprechend gefüllt sei: „Um professionell investieren zu können, sollten flüssige Mittel von über 50.000 Euro vorhanden sein“, sagt er. Als Hobby lasse sich ein Weininvestment aber natürlich auch in einem kleineren Rahmen umsetzen. „Aber hier sollte die einfache Freude an gutem Wein und nicht der Gewinn im Vordergrund stehen.“ Anders gesagt: Legt der Wein im Wert nicht zu, kann sich sein Besitzer trotzdem daran erfreuen – indem er ihn einfach trinkt.

Aufwendige Lagerung

Ein Problem bei wertvollem Wein ist die Lagerung. Denn damit der Wein keinen Schaden nimmt, sollte er unbedingt in einem dunklen Keller bei gleichbleibenden mäßigen Temperaturen lagern, am besten in geeigneten Weinregalen. Die Luft darf zudem weder zu feucht, noch zu trocken sein. Es muss also für eine regelmäßige Belüftung gesorgt werden. Umstritten ist unter Experten, ob die Flaschen gelegentlich leicht gedreht werden sollten, damit der Korken nicht austrocknet und sich der Weinstein nicht absetzt. Gegner dieses Verfahrens wenden ein, dass der Wein durch das Drehen in seinem Alterungsprozess gestört werde. Schon an dieser Frage ist zu erkennen: Wein ist wahrlich keine einfache Geldanlage.

Eine Alternative für Anleger sind geschlossene Weinfonds. Hier übernehmen Experten die Auswahl der Spitzenweine und kümmern sich auch um eine sachgerechte Lagerung. So legt beispielsweise die HypoVereinsbank regelmäßig einen Vinum-Fonds auf. Mindestanlagesumme sind in der Regel etwa 10.000 Euro. Der Nachteil solcher Fonds: Der Anleger bekommt den Wein nicht zu Gesicht, kann ihn nicht anfassen – und kann ihn auch nicht kosten, wenn ihm danach ist.