Goldfans wurden in den vergangenen Jahren von den meisten Finanzexperten – sowohl von den echten als auch von den selbst ernannten – oftmals belächelt. Das gelbe Edelmetall tauge zwar als Schmuck, aber doch nicht als Geldanlage, spotteten sie. Als Krisenwährung habe Gold längst ausgedient. Und dann folgte üblicherweise der Hinweis darauf, dass Gold seinem Besitzer keine Zinsen und keine Dividende einbringt. Da dürfe man sich doch nicht wundern, wenn es mit dem Goldpreis stetig nach unten gehe.

Und tatsächlich konnten Goldliebhaber kaum auf stichhaltige Gegenargumente zurückgreifen. Denn die Goldpreisentwicklung schien den Spöttern absolut Recht zu geben. Im September 2011 hatte der Preis pro Feinunze Gold (31,1 Gramm) mit rund 1 900 US-Dollar seinen bislang höchsten Stand erreicht. Davor war er fast 13 Jahre lang gestiegen. Doch von da an ging es mit dem Goldpreis wieder bergab. Ende Dezember 2015 lag er bei nur noch etwa 1050 Dollar. Damit hatte er sich in gut vier Jahren fast halbiert.

Wer dagegen im gleichen Zeitraum auf Aktien gesetzt hatte, konnte sich über kräftige Kursgewinne freuen. So hat sich der Deutsche Aktienindex (Dax) zwischen September 2011 und Dezember 2015 mehr als verdoppelt. Wer auf Gold setzte, der verlor also nicht nur Geld, dem entgingen auch noch hohe Gewinne, die er stattdessen mit Aktien hätte erzielen können.

20 Prozent plus in sechs Wochen

Seit Anfang dieses Jahres ist alles plötzlich völlig anders. Während die Aktienmärkte einen dramatischen Kurseinbruch erleben, geht es mit dem Goldpreis wieder kräftig nach oben: Aktuell notiert Gold wieder bei rund 1250 Dollar. Das ist ein Zuwachs von fast 20 Prozent in nur fast sechs Wochen. Auf einmal scheint Gold seine schon totgesagte Funktion als Krisenwährung wiedererlangt zu haben: Der Ölpreisverfall, der wirtschaftliche Einbruch in China und die sich verschlechternden Aussichten für die Weltkonjunktur sind eine Gemengelage, die den Aktienmärkten enorm zusetzt – und zugleich viele Profis in die Flucht ins Gold treibt.

Doch ist das nur eine kurzfristige Entwicklung oder der Beginn eines lang anhaltenden Trends? Die Berliner Zeitung hat Experten zum Thema Gold befragt. Die meisten von ihnen kommen zu dem Schluss, dass Gold tatsächlich ein echtes Comeback erlebt und die jüngste Preissteigerung nur der Anfang der Entwicklung ist.

So richtig herumgesprochen hat sich dieser Trend unter Privatanlegern aber noch nicht. Und genau deshalb könnte jetzt die richtige Gelegenheit gekommen sein, um einzusteigen: „Wird es sehr still um ein Investment, kommt die Zeit, über Käufe nachzudenken“, rät zum Beispiel Vermögensverwalter Stephan Witt von der Finum Private Finance in Berlin. „Trends beginnen aus einer Phase relativer Stille. Dann aber sind die Chancen auf spürbare Wertsteigerung gut .“

Die Frage, die sich vielen Anlegern allerdings stellt, ist ob der aktuelle Preis für Gold auch angemessen ist. Doch genau das ist bei Gold das Problem: „Bei Gold lässt sich nicht – wie bei Aktien etwa über das Kurs-Gewinn-Verhältnis – feststellen, ob das Edelmetall teuer oder günstig ist“, sagt Uwe Zimmer von der Meridio Vermögensverwaltung in Köln. Analysten müssen daher andere Methoden nutzen, um abzuwägen, wie hoch die Chancen für einen weiteren Preisanstieg sind.

Eine Methode besteht darin, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage abzuschätzen – also zu ermitteln, wie viel Gold weltweit zu welchen Kosten produziert wird und wie sich die Nachfrage von Notenbanken, Schmuckindustrie und Finanzbranche verändert. Und aus dieser Sicht spricht einiges für steigende Preise. So ist die weltweite Nachfrage nach Gold in der zweiten Jahreshälfte 2015 laut World Gold Council (WGC) um acht Prozent im Vergleich zur ersten Jahreshälfte gestiegen.

Der positive Nebeneffekt

Die Goldminen haben in dieser Zeit aber ihre Produktion um ein Prozent reduziert. Der Grund: Wegen des niedrigen Preisniveaus haben einige Goldminenkonzerne beschlossen, ihren Ausstoß stark zurückgefahren. Wenn beim Gold aber einerseits die Nachfrage kontinuierlich anzieht, andererseits aber die Produktion geringer wird, muss der Preis irgendwann zwangsläufig steigen. Das ist ein Naturgesetz der Marktwirtschaft.

Auch ein Blick auf langfristige Trends der Vergangenheit spricht für Gold. So hat der Goldpreis von 1999 bis 2011 um sagenhafte 660 Prozent zugelegt, anschließend aber etwa die Hälfte dieses Zugewinns wieder eingebüßt. Derartiges gab es schon mehrmals: Seit der Preisfreigabe durch US-Präsident Richard Nixon im Jahr 1971 hat der Goldpreis bis 2011 fünf starke Aufwärts- und vier starke Abwärtstrends erlebt. Die Rückschläge dauerten im Schnitt gut vier Jahre und reduzierten den Preis im Durchschnitt um 42 Prozent, hat das WGC ermittelt. Das bedeutet: Statistisch gesehen würde es genau in die Reihe passen, wenn der im September 2011 eingeläutete Rückschlag beim Goldpreis Ende 2015 zu Ende gegangen wäre.

Ob der Goldpreis im Januar 2016 zu einem neuen, mehrjährigen Aufwärtstrend aufgebrochen ist, hängt für Vermögensverwalter Zimmer entscheidend davon ab, wie sich der Dollar entwickelt. „Schwächelt der Dollar, könnte die Nachfrage von US-Investoren den Goldpreis stützen.“ Und genau das ist aktuell zu beobachten: Seit Anfang Februar hat der Euro im Vergleich zum US-Dollar kräftig zugelegt. Das wiederum hat mit den jüngsten enttäuschenden Weltwirtschaftsdaten zu tun, die dazu führen dürften, dass die US-Notenbank die Leitzinsen nicht so schnell und stark wie bislang erwartet, anheben wird.

Positiver Nebeneffekt für das Gold: Bleibt das Zinsniveau niedrig, fällt es nicht so sehr ins Gewicht, dass Gold keine Zinsen abwirft.