Die Niedrigzinsphase macht viele Anleger ratlos. Für sichere Bundesanleihen, das Sparbuch, Tages- oder Festgeld bekommen sie so gut wie keine Zinsen mehr. Andere Sparformen wie Aktien erscheinen ihnen zu riskant. Dabei gibt es noch zahlreiche Möglichkeiten, sein Geld mit festverzinslichen Wertpapieren bei relativ geringem Risiko gewinnbringend anzulegen. Die Berliner Zeitung hat renommierte Vermögensverwalter nach ihren Anlagetipps für schwierige Zeiten gefragt:

1. Unternehmensanleihen

„Aus unserer Sicht sind gute Unternehmensanleihen die besseren Staatsanleihen“, sagt Uwe Wiesner, Portfoliomanager bei Hansen & Heinrich in Berlin. „Sie bieten je nach Laufzeit im Ausnahmefall noch Renditen um drei Prozent und weisen ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis auf.“

Stephan Witt, Anlagestratege bei Finum Private Finance in Berlin, empfiehlt, sich bei den Anleihen von Dax-Konzernen umzuschauen: „Unternehmen wie Daimler, Bayer oder ThyssenKrupp bieten so manche attraktive Anleihe bei moderatem Risiko. Unternehmensanleihen sind also auch heute noch eine gute Anlagealternative.“ Auch die Deutsche Bank oder die KfW würden attraktive Anleihen auflegen. Laut Tobias Spies von Huber, Reuss & Kollegen in München sind Anleihen von Unternehmen aus dem Energie- und Rohstoffsektor derzeit attraktiv.

2. Nachranganleihen

Noch etwas höhere Zinsen sind mit Nachranganleihen von Unternehmen zu erzielen. Sie sind eine Mischform von Fremd- und Eigenkapital und bieten Wiesner zufolge ebenfalls noch Renditen über drei Prozent. Weil den Gegenwert für diese Anleihen teilweise ihrem Eigenkapital zurechnen dürfen, sind sie auch bereit höhere Zinsen dafür zu bezahlen.

Dafür muss sich der Anleger bewusst sein, dass er im Pleitefall nur nachrangig bedient wird. Das heißt: Erst bekommen alle übrigen Gläubiger ihren Teil der Konkursmasse und nur wenn dann noch etwas übrig ist, sind die Inhaber der Nachranganleihen dran.

Interessante Emittenten für Nachranganleihen sind aus Wiesners Sicht BNP, die Postbank oder auch VW. Der Automobilkonzern bietet derzeit eine Nachranganleihe mit rund vier Prozent Rendite (siehe Kasten). Oftmals haben Nachranganleihen zwar eine endlose Laufzeit, können aber zu gewissen Terminen vom Emittenten gekündigt werden, sagt Manuel Bolkart, Fondsmanager bei der MC Vermögensmanagement in Vaduzz. Anleger können die Anleihe aber jederzeit über die Börse verkaufen.

Um das Risiko zu reduzieren, können Anleger auch Fondsanteile kaufen, die überwiegend in Nachranganleihen investieren. Auf diese Weise setzen sie nicht alles auf eine Karte und verteilen ihr Geld auf viele verschiedene Anleihen. Wiesner empfiehlt hier den Aramea Rendite Plus Fonds. Er hat die Wertpapierkennnummer (WKN) A0NEKQ.

Bricht der ganze Markt allerdings zusammen, so wie 2008 im Zuge der Finanzkrise geschehen, hilft das auch nicht viel, warnt Bolkart. Damals verloren diese Papiere schlagartig bis zu 30 Prozent an Wert. Solche Entwicklungen sind aber die Ausnahme. Meist schwanken die Kurse von Nachranganleihen deutlich weniger als die von Aktien.

3. Fremdwährungsanleihen

Teilweise noch etwas höhere Renditen sind bei Anlagen in Fremdwährung drin. Je nach Land und Laufzeit könnten Anleger hier zwischen drei und neun Prozent erwirtschaften, sagt Wiesner. Witt gibt allerdings zu bedenken: „Um solche Renditen zu erzielen, müssen es schon Länder wie Mexiko, Bulgarien oder Australien sein.“ Darüber hinaus werde es immer exotischer.

Zu den gängigsten Fremdwährungen zählen für deutsche Anleger Anleihen in US-Dollar, in australischen Dollar, in chinesischen Renminbi und in brasilianischen Real. Sven Marzahn, Leiter Vermögensverwaltung bei BPM – Berlin Portfolio Management empfiehlt vor allem internationale Unternehmensanleihen asiatischer Emittenten mit guter Bonität und mittlerer Laufzeit in US-Dollar.

Alternativ können Anleger sich auch hier für einen Fonds entscheiden, so Wiesner, zum Beispiel für den LBB Weltzins-Fonds (WKN A1CXYM) oder den KBC High-Interest (WKN 974122). Es gibt aber auch kostengünstige Indexfonds von I-Shares oder DB X Trackers, die in Fremdwährungsanleihen investieren.

„Interessierte Anleger sollten sich allerdings genau ansehen, welches Risiko eingegangen wird, und in welchem Land oder Kontinent dieser Fonds hauptsächlich investiert“, rät Witt. Sollten die Kurse der Währungen, in die der Anleger investiert hat, zum Euro aufwerten, winken zusätzlich noch Währungsgewinne. Auf der anderen Seite können für ihn aber auch Verluste entstehen, wenn die Währungen zum Euro nachgeben.

4. Ramschanleihen

Eine andere Möglichkeit ist es, Anleihen zu suchen, die ein schlechtes oder gar kein Rating haben – sogenannte Ramschanleihen. „Hier gilt es, eine genaue Analyse durchzuführen, das heißt die Bilanzen der Unternehmen und deren Zukunftsaussichten genau zu prüfen, um das Risiko abschätzen zu können“, sagt Bolkart.

„Mit Unternehmensanleihen in US-Dollar der Rating Kategorien BBB und BB lassen sich durchschnittlich Renditen von 3,7 bis 4,9 erzielen“, sagt Michael Merz, Rentenfondsmanager StarCapital in Oberursel. Zudem suchen Merz und seine Mannschaft immer nach „Rising Stars“, also nach Anleihen, die kurz vor einer Aufwertung des Rating stehen oder auch nach „Fallen Angels“, also Anleihen von Unternehmen, die ursprünglich gut bewertet waren und dann herabgestuft wurden. „Da die meisten institutionellen Investoren im Falle einer Herabstufung diese Anleihen verkaufen müssen, geraten die Anleihenkurse dann stärker unter Druck als das aus fundamentalen Gründen gerechtfertigt wäre“, sagt Merz.