Volker Schnabel ist sich sicher: „Auf Dauer kann das nicht gut gehen“, sagt der Chefanalyst der Hamburger Vermögensverwaltung Mack & Weise. Schnabel meint das verzweifelte Bemühen der wichtigsten Notenbanken rund um den Globus, durch Gelddrucken Inflation zu erzeugen und die Wirtschaft anzukurbeln. „Wir sind jetzt im siebten Jahr der Notstandspolitik angekommen. Doch trotz der Geldflut spricht nichts für eine Beruhigung der Krise. Vielmehr steuern wir auf eine Eskalation zu.“

Zu früh eingestiegen:

Die düsteren Prognosen ihres Chefanalysten nehmen seine Chefs Martin Mack und Herwig Weise ernst, sehr ernst sogar: Ihr ganzes Anlagekonzept haben sie danach ausgerichtet: Die von Mack & Weise gemanagten Investmentfonds investieren derzeit praktisch nur in Edelmetalle. Und zwar zu 60 Prozent in physisches Gold und Silber und zu 40 Prozent in Aktien von Gold- und Silberminen. Alle anderen Aktien und Anleihen haben sie komplett abgestoßen. „Edelmetalle sind der einzig wirksame Schutz gegen einen Crash“, sagt Schnabel. „Es kann sein, dass der Crash schon sehr bald kommt, es kann auch sein, dass es noch Jahre dauert, sicher ist aber, dass er kommt.“

Das Problem:

Mack & Weise setzen schon seit Jahren auf diese Strategie – und erzielen damit ein sehr schwaches Ergebnis. Denn während die Preise für Gold und Silber seit Langem stagnieren oder sogar rückläufig sind, steigen die Aktienmärkte gewaltig – mit Ausnahme der Edelmetallminen-Aktien. „Im Moment gelten wir als die Spinner“, gibt Schnabel zu. „Aber irgendwann werden wir recht bekommen.“

Schnabel vertritt eine Extremposition. Doch auch andere Vermögensverwalter rechnen damit, dass Gold schon bald wieder deutlich teurer werden könnte. „Anscheinend gibt es im Moment nicht die Wahrnehmung einer Krise anders noch als 2010/2012“, sagt Thomas Bartling, Gesellschafter und Portfolio-Manager von Concept Vermögensmanagement in Bielefeld. „Im aktuellen Umfeld überwiegt das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Notenbanken, Währungskrisen zu verhindern und ausufernder Staatsverschuldung irgendwie entgegenzuwirken.“ Die steigenden Aktienmärkte würden zudem suggerieren, dass es bessere Anlagen gibt als Gold. „Derzeit wird der historischen und realen Bedeutung von Gold wenig Beachtung geschenkt. Dieses sollte jedoch nicht von Dauer sein“, so Bartling.

Prognosen für den Goldpreis:

Bartling hält es nicht für ausgeschlossen, dass der Goldpreis, der aktuell bei rund 1 200 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) notiert, zunächst noch weiter fällt, bevor er wieder steigt. „Es könnte sein, dass er kurzzeitig sogar unter 1 000 Dollar rutscht“, sagt er. Spätestens dieses Niveau sollte dann aber zum Einstieg genutzt werden, rät er.

Treiber für einen dann anziehenden Goldpreis könnten aus seiner Sicht das dann wieder deutlich gestiegene Risikobewusstsein gegenüber Aktien und Anleihen sein, auch aufgrund anziehender Zinsniveaus und Inflationsdaten. Ein weiterer Grund, der für steigende Goldpreise spreche, sei, dass viele asiatische Staaten ihre Anlagen zu diversifizieren suchen. Und hier werde Gold eine größere Rolle spielen. Schließlich könne auch ein Wiederaufflammen der Eurokrise etwa mit dem Austritt Griechenlands oder auch enttäuschendem Wirtschaftswachstum einzelner Staaten den Goldpreis wieder ansteigen lassen.

Auch Joachim Paul Schäfer von der PSM Vermögensverwaltung in Grünwald ist davon überzeugt, dass die Goldpreise wieder deutlich steigen werden: Langfristig erwartet er Preise von über 2 000 US-Dollar. „Gold sei auch eine Versicherung für jedes Depot in unserer Welt, in der die Schulden weiter steigen und Bargeld langfristig abgeschafft werden soll“, sagt Schäfer. Er empfiehlt Anlegern deshalb, zehn bis 15 Prozent ihres Vermögens in Gold und Silber anzulegen.

Und auch Jörg Jubelt von der PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf hält derzeit viel von Gold: „Die vielen Krisen, Kriege und Probleme können jederzeit wieder mit Macht ins Bewusstsein der Anleger zurückkommen“, sagt er. „Das wird zu einem Comeback des Goldes als Krisenwährung führen.“ Schon kurzfristig, also noch in diesem Jahr rechnet er mit beachtlichen Preissteigerungen für Gold.

Einen Strich durch die Rechnung könnte all den Goldoptimisten allerdings die US-Notenbank machen. Erhöht sie nämlich noch in diesem Jahr die Leitzinsen, könnte das den Goldpreis zumindest vorerst nochmals kräftig nach unten drücken. Denn dann dürften sich viele Anleger darauf besinnen, dass Gold ja im Gegensatz zu Anleihen keine Zinsen abwirft.

Silber statt Gold:

Viele Anleger setzen bei Edelmetallen lieber auf Silber als auf Gold. Ihr Hauptargument: Anders als Gold ist Silber auch ein wichtiger Rohstoff, der von der Industrie gebraucht wird. Der Silberpreis sollte also auch vom konjunkturellen Aufschwung profitieren. Doch auf der anderen Seite hat Silber aus Anlegersicht auch Nachteile: Zum einen fallen beim Kauf von Silbermünzen oder -barren 19 Prozent Mehrwertsteuer an. Gold gibt es dagegen mehrwertsteuerfrei. Und zum anderen braucht Silber viel Lagerplatz: Der Kilopreis liegt bei etwa 500 Euro. Wer also 10.000 Euro oder mehr in Silber anlegen will, für den dürfte ein normales Bankschließfach nicht mehr ausreichen.

Rückblickend betrachtet, hat sich der Silberpreis meist ähnlich wie der Goldpreis entwickelt. Die Ausschläge nach oben und unten waren beim Silber aber meist deutlich höher. So kostete die Unze Silber 2011 fast 50 Dollar. Seitdem hat der Silberpreis um rund zwei Drittel nachgegeben. Der Goldpreis dagegen notiert heute „nur“ rund ein Drittel unter seinem Rekordhoch von 2011.