Wie Indien: Singapur trickst und mischt russisches Öl für den Weiterverkauf

Das EU-Embargo und der Preisdeckel hindern Singapur offenbar nicht daran, russisches Öl mit anderen Ölsorten zu mischen und teurer in die Welt zu reexportieren.

Handelsschiffe im Hafen von Singapur.
Handelsschiffe im Hafen von Singapur.ingimage/Imago

Seit anderthalb Monaten darf kein russisches Öl mehr in die EU über See eingeführt werden. Ab dem 5. Februar gibt es dazu noch ein Aus für Benzin, Diesel und andere Ölprodukte aus Russland. Die Druschba-Pipeline ist im neuen Jahr ebenso politisch unerwünscht: Mit einem kriegführenden Land gibt es keine „Freundschaft“ mehr.

Außerhalb des europäischen Kontinents, vor allem in Asien, setzt sich die Profitlogik vor politischen Strafmaßnahmen durch. Seit Monaten ist etwa bekannt, dass Indien russisches Erdöl mit Rabatten kauft und dessen Erzeugnisse teurer nach Europa verkauft. Nun wurde ein anderer Profiteur von ähnlichen Schemata preisgegeben: Auch Singapur soll derzeit mehr russisches Erdöl kaufen, wie die US-Nachrichtenagentur Bloomberg unter Verweis auf einen singapurischen Tankbetreiber berichtet.

So wird die Herkunft der Lieferungen verschleiert

Die Nachfrage nach Öllagertanks in Singapur steigt demnach sprunghaft an. Grund dafür ist das steigende Interesse an Gewinnen aus der Mischung billiger russischer Kraftstofflieferungen mit Lieferungen aus anderen Quellen. Laut Vizepräsident des Beratungsunternehmens Miyabi Industries in Singapur, William Tan, können Händler durch die Mischung bis zu 20 Prozent Gewinn erzielen.

Dieser Trend setze sich seit Oktober durch, so Tan. Die Mischungen erlauben es, die Herkunft der Ladungen zu verschleiern. Zudem hat das Land den Import von russischem Öl oder Erdölprodukten nicht verboten, obwohl generell ein Verbot für die Finanzinstitute gilt, russische Unternehmen zu finanzieren oder mit ihnen zu handeln.

Schiffsverfolgungsdaten zeigen, dass die Ölannahmeterminals in Singapur allein im Dezember 2022 mehr als doppelt so viel russisches Naphtha (Rohbenzin) und Heizöl annahmen, wie vor einem Jahr. Im Unterschied zu Indien wird dieses Erdöl allerdings hauptsächlich unraffiniert weiterverkauft. Trotz politisch heikler Momente habe sich Singapur zu einem Misch- und Umverteilungszentrum für das Erdöl entwickelt, genauso wie die Stadt Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten, schreibt Bloomberg. Laut einem Vertreter des Energieberatungsunternehmens FGE wird dieses Öl am wahrscheinlichsten an weitere asiatische Länder weitererkauft.

Zuvor hatte die Wirtschaftswoche berichtet, dass mehrere große Tanker trotz Sanktionen reihenweise russisches Öl nach Asien transportieren, ihre Last auf andere Tanker entladen und weitere Tricks der Verschleierung anwenden.

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