Auf mindestens eine Milliarde US-Dollar hofft Twitter mit seinem Börsengang. Dafür musste das soziale Netzwerk nun erstmals seine Geschäftszahlen öffentlich machen. Sie zeigen, dass Twitters Umsatz rasant wächst – mit ihm allerdings auch die Verluste. Die Investoren wird dies kaum stören.

Die Verluste sind Twitters aggressivem Expansionskurs geschuldet. Allein in diesem Jahr hat Twitter schon neun Firmen übernommen. Twitter-Chef Dick Costelo baut den Kurzmitteilungsdienst derzeit mit dem Ziel um, ihn neben Google und Facebook zu einem der Schwergewichte im Markt der Online-Werbung zu machen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Twitter ist wie kaum eine andere Firma auf den mobilen Anzeigenbereich ausgerichtet, also der Werbung, die auf Smartphones und Tablets ausgespielt wird – ein rasant wachsendes Segment. Twitter verbucht im mobilen Bereich 65 Prozent seiner Anzeigeneinnahmen während Facebook weiterhin vor allem an Desktop-Werbung verdient.

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Twitter hat seine Anzeigenformate dagegen von Beginn an komplett auf die mobile Nutzung ausgerichtet: Seine Einnahmen erzielt der Dienst vor allem mit gesponserten Tweets, die wie alle anderen Kurzmitteilungen in der persönlichen Nachrichtenliste angezeigt werden – egal wo Twitter abgerufen wird.

Der Vorteil von Twitter ist dabei, dass es sich als zweiter Bildschirm etabliert hat, auf dem über das diskutiert wird, was im TV läuft. Das gibt Firmen die Möglichkeit, per Twitter Botschaften der TV-Werbung zu verstärken – und den Nutzer dazu zu bringen, ein Produkt direkt online zu kaufen.

Doch dabei wird es nicht bleiben. Was Investoren an Twitter reizt, ist das Potenzial des Netzwerks zu einem der wichtigsten Konzerne in der Online-Werbung zu werden. Twitter ist neben Google und Facebook eines der ganz wenigen Unternehmen, das die Nutzer identifizieren kann, egal ob sie ihr Smartphone, Tablet oder den Desktop-Rechner nutzen.

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Twitter kennt nicht nur die Interessen seiner Nutzer, da der Dienst weiß, wem der Nutzer folgt und worüber er tweetet. Twitter kann sie auch im Netz verfolgen, da das Internet mit Twitter-Buttons übersäht ist, die zurückmelden, wenn eine Website besucht wird.

Und Twitter kann dies auch auf mobilen Geräten – denn dort sind die Twitter-Apps installiert. Antonio Garcia, der Facebooks eigenen Anzeigenmarkt aufgebaut hat, bescheinigt Twitter aus diesem Grund kurz davor zu sein, den „heiligen Gral“ der Online-Werbung in den Händen zu halten: „Einen unveränderlichen Schlüssel, der alle online identifiziert, auf jedem Gerät, die ganze Zeit.“

Dass der Dienst ehrgeizigere Pläne hat, als die Daten seiner Nutzer nur über das Einblenden gesponserte Twitter-Feeds zu Geld zu machen, zeigt die Übernahme von MoPub Anfang September, dem weltweit größten mobilen Anzeigennetzwerk.

Twitter kann nun die Daten der Twitter-Nutzer dafür verwenden, personalisierte Werbung auch in anderen Apps auszuspielen. Twitter hat so inzwischen alle Werkzeuge in der Hand, um Nutzer umfassend mit personalisierter Werbung zu erreichen.