Berlin - Das gab es in Deutschland lange nicht: In den letzten Monaten sind die Preise spürbar gestiegen. Vor allem Energie hat sich verteuert. Im Mai lag die Inflationsrate bereits bei 2,5 Prozent. Und damit nicht genug: Volkswirte rechnen damit, dass im Laufe des Sommers die Drei-Prozent-Marke durchbrochen wird, zum Jahresende könnten sogar Werte um vier Prozent gemessen werden. Die Inflation verteuert nicht nur den täglichen Einkauf, sie weckt auch Ängste – gerade in Deutschland. Das Land hat im 20. Jahrhundert zwei Mal eine Geldentwertung erlitten. Diese Erfahrung prägt. 

In der Corona-Krise brach die Wirtschaft ein, jetzt folgt der Nachholeffekt

Allerdings ist Angst ein schlechter Ratgeber. Vieles spricht dafür, dass die aktuellen Inflationswerte ein vorübergehendes Phänomen sind. Zum einen gilt seit Jahresbeginn ein CO2-Preis, und die Mehrwertsteuersenkung wurde zurückgenommen. Dadurch steigt automatisch das Preisniveau.

Zum anderen sollte nicht vergessen werden, dass der Wirtschaftseinbruch in der Corona-Krise historische Ausmaße hatte. Es ist das Verdienst umsichtiger Tarifpartner und kluger Politik, dass die Konjunktur so schnell wieder anzieht – und die Deutschen genug Geld für den Konsum haben, das sie jetzt wieder ausgeben können. Auch dieser Nachholeffekt treibt die Preise. 

Seit der Euro-Einführung steigen die Preise nur moderat 

Die Politik der Europäischen Zentralbank wird hierzulande kritisch beäugt. Doch in der Vergangenheit haben die Geldwächter ihr Mandat ernst genommen. Seit der Einführung des Euros stiegen die Preise im Währungsraum nur moderat. Selbst kräftige Lohnerhöhungen vor der Corona-Krise haben daran nichts geändert.

Sollte die Inflation tatsächlich für längere Zeit überschießen, kann die EZB jederzeit am Leitzins drehen. Doch vorerst gilt: Freuen wir uns über das nahende Ende der Pandemie – und den beginnenden Aufschwung.